Unsicherheit bei der Reiseplanung und erste Stornierungen: Corona-Virus dämpft die Reiselust der Ostschweizer

Nach dem Frankenschock und mitten in der Klimadiskussion trifft das Corona-Virus die Reisebranche empfindlich.

Stefan Borkert
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Von Jammern ist weder bei Flughäfen noch Reiseveranstaltern in der Ostschweiz und der Bodenseeregion etwas zu hören. Vielmehr versucht man ruhig zu bleiben, Massnahmen zu treffen und Kunden gut zu informieren. Dennoch wird die Lage immer angespannter, und es kündigen sich Verluste an, die kaum mehr zu kompensieren sind. Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, Schweiz Tourismus rechnet bereits mit einer halben Milliarde Umsatzverlust für dieses Jahr, Tendenz steigend.

Da die eigentliche Reisesaison noch nicht begonnen hat, ist man zurückhaltend, was den Einbruch der Einnahmen betrifft. Das gilt besonders für Ostschweizer Anbieter. Jörg Waldvogel von der Chrisway Travel AG in St.Gallen, eines der wenigen unabhängigen Reisebüros, sagt, dass aktuell wegen Messen Geschäftsreisen nach Singapur und Boston abgesagt wurden. Ausserdem sei eine Wanderreise nach Ligurien storniert worden. Er erklärt:

«Wir haben trotz der Unsicherheit weiterhin sehr schöne Buchungen, jedoch keine Mehrbuchungen wegen des Virus.»

Waldvogel stellt wie andere Vertreter der Branche fest, dass Kunden sehr intensiv nachfragen und dass ein grosser Bedarf an Information besteht.

Ende ist nicht absehbar

Destinationen hat er aus dem Angebot noch nicht streichen müssen. Ob das Virus zu Geschäftseinbussen führen wird, vermag er auch noch nicht zu sagen: «Für eine Beurteilung ist es noch zu früh. Es herrscht Unsicherheit, weil ein Ende, Stand jetzt, nicht absehbar ist.»

So sieht es auch Bianca Gähweiler von Hotelplan Suisse. Auch bei Hotelplan fragen die Kunden intensiver nach. Und es kommt auch zu Annullierungen:

«Die Buchungen bei Hotelplan Suisse sind aktuell rückläufig. Einige Kunden wollen ihre Ferien zudem annullieren oder umbuchen.»

Andere Kunden wollten ihre geplanten Sommerferien schon vorsorglich stornieren. Aber allfällige Unsicherheiten hätten im Gespräch meist relativiert werden können. Einen eigentlichen Run auf Gebiete, die noch frei vom Corona-Virus sind, stellt sie nicht fest. Aber: «Bei Hotelplan Suisse liegen aktuell Buchungen für Ferien auf Zypern, Kos, Kreta oder Hurghada im Trend.»

Unterdessen bemüht man sich gegenüber der Kundschaft den Service auszuweiten. So sagt Thomas Mary von der People’s Air Group am Flughafen Altenrhein, dass Passagiere nach und von Wien ihren Flug einmalig kostenlos umbuchen können. «Bestehende sowie neue Flugbuchungen mit einem Abflugdatum bis 31. März können einmalig kostenlos auf einen anderen People’s-Flug bis Ende Dezember 2020 umgebucht werden», ergänzt er.

In Friedrichshafen am Bodensee-Airport hofft man, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Sprecher Andreas Humer-Hager sagt: «Es gibt derzeit verschiedene Annullierungen im Flugangebot, weil die Nachfrage im Luftverkehr insgesamt stark rückläufig ist.»

Ausnahmezustand: Auch Swiss hat die Flüge nach Peking gestrichen.

Ausnahmezustand: Auch Swiss hat die Flüge nach Peking gestrichen.

Bild: Roman Pilipey/EPA

Und er fährt fort: «Wir haben keine Flüge nach Italien, sodass wir davon nicht direkt betroffen sind.» Die Lufthansa-Flüge nach Frankfurt hätten aber immer eine gewisse Zahl von Italien-Fluggästen an Bord, die derzeit diese Flüge aber nicht nutzen würden.

Die Lufthansa mit ihrer Tochter Swiss hat dennoch zu kämpfen. Umgerechnet auf Flugzeuge müssen derzeit wegen des eingeschränkten Angebots 150 Flugzeuge am Boden in den Hangars bleiben. Das schreibt unter anderem das Fachblatt FVW. Auch andere Airlines haben Sonderstorni wegen der Corona-Krise eingeführt.

Keine Kompromisse bei der Hygiene

Dass das Virus die Reiselust nicht gerade befeuert, stellten auch die beiden Thurgauer Reisebüros Thurgau Travel und das Reisebüro Mittelthurgau fest. Dominik Joos, Sprecher von Twerenbold Reisen mit dem Reisebüro Mittelthurgau Gruppe sagt: «Wir prüfen die Lage permanent und haben bis heute keine Reisen annulliert oder Destinationen gestrichen.» Man verfüge ausserdem über ein umfassendes Notfallkonzept und:

«Wir gehen in Sachen Hygiene auf unseren Schiffen und Bussen keine Kompromisse ein.»

Das sieht auch Hans Kaufmann, Gründer und mit drei seiner Kinder Inhaber von Thurgau Travel in Weinfelden, so. Bislang habe Thurgau Travel nur wenige Stornierungen und keine Destinationen streichen müssen. Die Flussschiffe von Thurgau Travel seien, schon wegen der normalen Grippe virussicher ausgestattet. Kaufmann betont: «Da wir schon vor der Reise mit allen Kunden deren Gesundheitszustand abklären, rechnen wir nicht mit einer Krisensituation wegen des Virus.»

Sollte sich im Verlauf einer Reise ein Verdacht ergeben, würde die Person isoliert, einer medizinischen Abklärung unterzogen und gegebenenfalls möglichst schnell nach Hause gebracht werden. «Diejenigen Personen, welche im Kontakt mit der Person waren, würden dasselbe Prozedere durchlaufen.» Zur Frage, ob ein Schiff einen Hafen eventuell nicht anlaufen darf, sagt er: «Auf dem Fluss können wir uns das eigentlich nicht vorstellen.»