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Heineken-Schweiz-Chef: «Uns fehlt es an Bierbrauern»

Kürzlich lancierte die Luzerner Brauerei mit dem Urfrisch ein neues Bier. Bart De Keninck, Schweiz-Chef des Mutterkonzerns Heineken, erklärt, warum weniger Lagerbier getrunken wird. Und weshalb am Blue Balls kein Eichhof ausgeschenkt wird.
Interview: Raphael Bühlmann
Heineken-Schweiz-Chef Bart De Keninck am Eichhof-Sitz in Luzern. Bild: Dominik Wunderli (10. April 2019)

Heineken-Schweiz-Chef Bart De Keninck am Eichhof-Sitz in Luzern. Bild: Dominik Wunderli (10. April 2019)

Er nahm seine Arbeit in der Schweiz zwar erst vor gut acht Monaten auf, dennoch beschäftigt sich Bart De Keninck intensiv mit hiesigen Sitten und Gebräuchen. Der gebürtige Belgier verantwortet als Managing Director die Geschäfte von Heineken Switzerland und damit auch von der Traditionsbrauerei Eichhof. Das Luzerner Bier scheint seit der Übernahme durch den niederländischen Mutterkonzern bemüht, mit dem traditionellen Eichhörnchen-Logo auf dem Etikett seine Ursprünge hervorzuheben.

Das Bier für das bedeutendste Musikfestival der Stadt Luzern, das Blue Balls, kommt mit Chopfab dieses Jahr aus Winterthur. Wollten Sie kein Heineken mehr liefern?

Bart De Keninck: Wir wollen unsere Produkte an möglichst viele Anlässe liefern. Eigentlich wollten wir am Blue Balls gerne mit dem Luzerner Traditionsbier Eichhof präsent sein. Das hat leider nicht geklappt.

Wieso nicht?

Wir können nicht zu allen Bedingungen liefern. Sie müssen sehen, ein solches Festival ist für eine Brauerei in erster Linie eine Investition. Es geht darum, präsent zu sein, lukrativ sind solche Engagements selten.

Lukrativer scheint Ihr Getränke­handel zu sein.

Wir haben das Sortiment stark ausgebaut. Mittlerweile führt Heineken Switzerland ein Sortiment von 4000 Produkten.

Ebenfalls an Bedeutung gewonnen zu haben scheint die Abteilung Produktentwicklung. Seit der Übernahme durch Heineken lanciert Eichhof fast im Jahresrhythmus neue Produkte. Schmeckt den Leuten das gewöhnliche Lager nicht mehr?

Eichhof war schon immer innovativ. Hubertus, Barbara, Spiess oder Bügel: Die Produktpalette wurde auch früher laufend erneuert und ergänzt. Wir stellen heute fest, dass die Konsumenten eher bereit sind, ein neues Bier zu probieren. Das sieht man auch im Gesamtmarkt. Das reine Lagerbier geht leicht zurück. Von zehn verkauften Bieren sind noch etwas mehr als sieben reine Lagerbiere. Ein Bier ist ein helles, stärker gehopftes Spezbier. Und zwei sind reine Spezialitätenbiere. Veränderungen gibt es auch im Verkaufskanal: Bereits 60 Prozent aller Biere werden über den Detailhandel verkauft und nur noch 40 Prozent durch die Gastronomie.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Übernahme von Eichhof durch Heineken und dem Aufkommen von kleinen und mittleren Brauereien in der Region?

Nein. Die Statistik zeigt, dass Kleinbrauereien in der ganzen Schweiz erfolgreich unterwegs sind, also unabhängig davon, ob eine lokale Brauerei übernommen wurde oder nicht. Die Entwicklung ist auch im Zusammenhang mit dem Fall des Schweizer Bierkartells zu sehen. Zu Zeiten, als sich wenige Brauereien den Markt durch Absprachen untereinander aufteilten, hatten Kleinbrauereien gar keine Chance. Der Nährboden für sie wurde erst mit dem definitiven Ende des Kartells im Jahre 1991 gelegt.

Aber der Bierkonsum ist rückläufig. Ihnen müssen doch «die Kleinen» Marktanteile abgraben?

Kleinere Betriebe erhalten viel Aufmerksamkeit. Man darf ihr Anteil am Gesamtmarkt nicht überschätzen. Der Schweizer Brauerei-Verband schätzt ihr volumenmässiger Anteil auf 1 Prozent. Aus unserer Sicht positiv ist, dass sie wesentlich zu einer reicheren Bierkultur in der Schweiz beitragen.

Als gebürtiger Belgier sind Sie eine solche gewohnt. Was müssen Schweizer noch verbessern?

Die Medien müssten hier etwas weniger kritisch sein. (lacht)

Wie bitte?

Nein im Ernst. Die Luzerner dürfen stolz sein auf ihre Brauerei Eichhof. Damit sich die Leute etwas besser mit Eichhof identifizieren, öffnen wir wie schon letztes Jahr auch heuer ­wieder unsere Tore am 27. April zum Brauereifest auf unserem Areal in Luzern. Denn: Welche Stadt hat schon eine eigene Brauerei, die zu den Top 5 des Landes zählt und immerhin 270 Vollzeitstellen anbietet.

Wie hat sich der Personalbestand seit der Übernahme durch Heineken entwickelt?

Eichhof war damals eine überregionale Brauerei mit Sitz in Luzern. Heute sind wir eine nationale Getränkefirma mit dem Hauptsitz in Luzern. Das ist eine Aufwertung des Standortes. Das ganze Management und die Stabsfunktionen sind hier. Zudem brauen wir hier und betreiben ein grosses Depot.

Damals sagte Heineken, dass eine Steigerung des Marktanteils von 13 auf 23 Prozent angestrebt wird. Wo stehen Sie heute?

Grob gesagt sind es ungefähr 20 Prozent Marktanteil in der Schweiz. Wir sind also nahe an der damaligen Schätzung dran. Und das in einem Markt, der ganz anders aussieht als vor zehn Jahren mit viel mehr Marktteilnehmern als früher. Das ist eine gute Leistung.

Was sind die positiven Aspekte der Übernahme?

Wir konnten dank Heineken das Distributionsnetz stärken und ausbauen. Auch im Bereich Marketing können wir auf Know-how der Dachorganisation zurückgreifen. Ein Beispiel dafür ist das neue Eichhof Urfrisch. Ein Bier, für welches Schweizer Hopfen aus dem Thurgau verwendet wird. Das Urfrisch wird als erstes Eichhof-Bier von Coop für die ganze Deutschschweiz gelistet.

Und die Gerste kommt auch von hier?

Schweizer Braugerste gibt es leider nicht genügend. Gäbe es ausreichend, wären wir sehr interessiert.

Täuscht der Eindruck, oder wird wieder alkoholfreies Bier konsumiert?

Nein, der Eindruck täuscht nicht. Sowohl das Alkoholfreie als auch Biermischgetränke mit wenig oder keinem Alkohol, die derzeit einen regelrechten Boom erleben, kommen auf etwas mehr als 7 Prozent im Gesamtmarkt. Der heutige Konsument sucht sich den Moment für den Alkoholkonsum gezielter aus als früher.

Welches sind derzeit Ihre grössten Herausforderungen?

Uns fehlt es an Brauern und anderem Fachpersonal.

Was machen Sie dagegen?

Wir bilden selber Leute aus. Zudem können wir auf das internationale Netzwerk von Heineken zurückgreifen. Wir haben festgestellt, dass Luzern bei unseren internationalen Mitarbeitern sehr beliebt ist – was mich bei dieser schönen Umgebung nicht verwundert.

Zur Person
Bart De Keninck (39) ist seit Juli des letzten Jahres Managing Director von Heineken Schweiz. Er ersetzte Erik Jan Hamel. Bei Heineken ist De Keninck seit 2006.

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