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Unmut über Labelnoten

Weit über hundert Labels prangen im Schweizer Detailhandel auf Verpackungen. Das Portal labelinfo.ch benotet nun diese Gütesiegel – und stösst selber auf Kritik.
Pieter Poldervaart
Ein mexikanischer Shrimp-Kutter wirft unerwünschten Beifang wie etwa Rochen zurück ins Meer. Laut WWF sind 40 Prozent der Fänge Beifang. (Bild: WWF/Brian J. Skerry)

Ein mexikanischer Shrimp-Kutter wirft unerwünschten Beifang wie etwa Rochen zurück ins Meer. Laut WWF sind 40 Prozent der Fänge Beifang. (Bild: WWF/Brian J. Skerry)

Kaum ein Regalmeter im Supermarkt ohne Produkte mit Gütesiegel. Doch längst nicht alle halten, was sie versprechen. Die Organisation Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) hat nun im Auftrag des Bundesamts für Umwelt die Glaubwürdigkeit von 145 Food- und Non-Food-Labels untersucht. Beurteilt wurden die drei Kategorien Transparenz, unabhängige Kontrolle und Zertifizierung (siehe Kasten), wobei je maximal drei Punkte zu holen sind. Seit kurzem ist das Ergebnis im Internet auf www.labelinfo.ch zu lesen – und erregt die Branche.

«Zu starrer Beurteilungsraster»

Migros-Bio etwa erhält – anders als die Biowaren bei Coop – in der Kategorie Transparenz nur zwei Punkte. «Grund ist, dass für inländische Bioware zwar die strengen Knospen-Richtlinien gelten, für Importware aber die deutlich tiefere EU-Bioverordnung. Für die Konsumenten wird dieser Unterschied nicht deutlich», erklärt Simon Zeller, Projektleiter labelinfo.ch bei Pusch, den Abzug. Auch das Label Step, getragen von den Hilfswerken Brot für Alle und Fastenopfer, kann nicht zufrieden sein: In der Kategorie Zertifizierung geht das Gütesiegel für fair produzierte Teppiche ganz leer aus. «Es fehlt das Vieraugenprinzip», begründet Zeller. Zwar existiere eine unabhängige Kontrolle. Doch diese werde nicht von einer zweiten Organisation zertifiziert, was der Glaubwürdigkeit abträglich sei.

Step-Chef Reto Aschwanden kontert, die Zertifizierung des einzelnen Produkts in der informellen Teppichbranche sei nicht das optimale Instrument: «Wir labeln die Händler und erhalten von ihnen die Koordinaten der Lieferanten. Diese überprüfen wir unangemeldet.» Zusätzlich werden die gesamte Lieferkette kontrolliert und die Angaben des Handels verifiziert. Das Bewertungssystem von labelinfo.ch werde aber dieser Eigenheit der handwerklichen Teppichproduktion in Tausenden Familien nicht gerecht. Aschwanden bemängelt nicht nur diese Klassifizierung, sondern kritisiert auch die Information von labelinfo.ch: «Auf der Webseite wird nicht klar genug dargestellt, dass es nicht um eine Gesamtbeurteilung eines Labels geht, sondern nur um die Glaubwürdigkeit – die erst noch nach einem starren Raster beurteilt wird.»

Tierwohl bei Fisch kein Thema

Besonders hart trifft es das Label Dolphin Safe, das hierzulande auf praktisch allen Thunfischdosen prangt: Lediglich für Transparenz und Kontrolle gab es je einen Punkt. Die Gründe: Der Labelinhaber, das US-amerikanische Earth Island Institute, gibt keine Informationen über sein Labelsystem preis, die Kontrollen werden angemeldet durchgeführt und nicht regelmässig wiederholt, und das Label verzichtet auf ein Zertifizierungssystem. Das Verdikt kommt bei Billo Heinzpeter Studer vom Verein fair-fish schlecht an: Immerhin habe das Label erreicht, dass der Beifang bei der Thunfischerei praktisch verschwunden sei. Umgekehrt kritisiert Studer, dass Fischlabels wie MSC und ASC äusserst gut wegkommen. «Dabei gibt es bis heute kein Fischlabel, das strenge Vorschriften in Sachen Tierwohl berücksichtigt.» Nötig seien messbare und im Interesse des Tieres definierte Kennwerte für Zuchtfische. Bei Wildfang müssten die Tiere sofort nach Entnahme aus dem Wasser betäubt und getötet werden – was in der industriellen Fischerei illusorisch sei.

«System statt Inhalt betrachtet»

Gebana wiederum, ein Versandhändler fair gehandelter Lebensmittel aus dem Süden, erhält bei den Kriterien Transparenz und Kontrolle je einen Punkt Abzug: «Die Glaubwürdigkeit ist insgesamt hoch, auf der Webseite fehlt es aber an Informationen zur Art und Weise der Kontrollen», begründet Pusch-Projektleiter Zeller die Abwertung. Gebana-Chef Adrian Wiedmer aber ist verärgert, dass der Inhalt des Labels nicht bewertet wird: «Beim Besuch von labelinfo.ch denkt der Konsument fälschlicherweise, es gehe um die Qualität des Labels.» Stattdessen würden nur technische Eigenheiten des Kontroll- und Zertifizierungssystems beurteilt.

Tatsächlich begrüsst die Startseite von labelinfo.ch mit der vollmundigen Behauptung: «Für den Durchblick im Labeldschungel.» Dass es nur um die Glaubwürdigkeit und nicht um die umfassende inhaltliche Beurteilung eines Labels geht, steht bloss in einem Unterkapitel. «Im aktuellen ersten Schritt geht es darum, dass die Glaubwürdigkeit der Labels geklärt wird und die Betreiber der Gütesiegel die Chance erhalten, diese zu verbessern, was auch geschieht», erklärt Zeller. In einem zweiten Schritt, bei dem man unter anderem mit dem WWF Schweiz zusammenarbeite, soll auch der Inhalt der Labels geprüft werden. Das Resultat liege in einem Jahr vor – und könnte vom heutigen Bild deutlich abweichen. Denn das letztmals durchgeführte Labelrating, an dem WWF, Konsumentenschutz, Tierschutz und die Zeitschrift «Saldo» beteiligt waren, bewertete die unter dem Begriff Glaubwürdigkeit zusammengefassten Punkte Transparenz, Kontrolle und Zertifizierung nur mit 20% der Punktzahl. Deutlich wichtiger war, was die Richtlinien der Labels in Bezug auf Umwelt, Sozialstandards und Tierwohl aussagten.

Inhaltlicher Vergleich von 32 Lebensmittellabels: www.wwf.ch

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