Ungewissheit plagt schottische Wirtschaft

LONDON. Der schottische Regierungschef Alex Salmond von der Nationalpartei SNP hofiert die in Schottland ansässigen Banken und hat bei fiskalischer Autonomie die Möglichkeit einer reduzierten Unternehmenssteuer angedeutet.

Drucken

LONDON. Der schottische Regierungschef Alex Salmond von der Nationalpartei SNP hofiert die in Schottland ansässigen Banken und hat bei fiskalischer Autonomie die Möglichkeit einer reduzierten Unternehmenssteuer angedeutet. Ob dann Banken und andere Unternehmen, die im Falle einer schottischen Unabhängigkeit mit Abwanderung ihrer Hauptsitze nach England drohen, diese Pläne fallenlassen respektive zurückkehren?

Zunächst werde ein Ja zur Unabhängigkeit eine erhebliche Abwanderung zur Folge haben, prophezeien viele Ökonomen. Etwa die Hälfte aller Banken werde die britische Nordprovinz verlassen, sagt die UBS voraus. Und: «Das schottische Bruttoinlandprodukt würde einmalig um 4 bis 5 Prozent schrumpfen.»

Buchmacher jubeln

Der Chefökonom der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, spricht vom grössten politischen und ökonomischen Fehler seit der Wiedereinführung des Goldstandards durch Winston Churchill im Jahr 1925: «Warum jemand eine erfolgreiche Wirtschafts- und politische Union verlassen will, ist unbegreiflich.» Die Ungewissheit habe schon jetzt unerwünschte Folgen, berichten Unternehmer. «Niemand investiert, niemand baut», klagt Mark Rogerson, Chef der Werkzeugfirma Speedy.

Ein anderer Wirtschaftszweig kann sich hingegen nicht beklagen. Das Referendum sei «das grösste Ereignis in der politischen Wettgeschichte», freut sich die Buchmacherfirma William Hill. Die Kundschaft wettet auf alles: das Ergebnis bis aufs Prozent genau ebenso wie die Stimmbeteiligung sowie das Schicksal des britischen Premiers David Cameron, sollte ihm der Nordteil der 307 Jahre alten Union abhanden kommen. (sbo)

Aktuelle Nachrichten