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Ungeliebte Personalvermittler werden in Deutschland schärfer reguliert

«Equal Pay» und verkürzte Überlassungsdauer setzen der Zeitarbeitsbranche in Deutschland heftig zu. In der Schweiz stockt die Umsatzentwicklung aus anderen Gründen.
Daniel Zulauf
Adecco-Personalvermittler im Hauptsitz in Zürich. Bild: Gaetan Bally/Keystone (15. September 2017)

Adecco-Personalvermittler im Hauptsitz in Zürich.
Bild: Gaetan Bally/Keystone (15. September 2017)

Das Geschäft mit der Vermittlung von Temporärarbeiterinnen und Temporärarbeitern gerät ins Stocken. Die Umsatzentwicklung des Schweizer Weltmarktführers Adecco in den ersten drei Monaten des Jahres (–2 Prozent) könnte Vorbote einer sich weiter verstärkenden globalen Konjunkturflaute sein. Auch in der Schweiz hat die Nachfrage nach Temporärpersonal zuletzt deutlich nachgelassen.

Der Swissstaffing-Index des gleichnamigen Branchenverbandes zeigt für das erste Quartal einen werktagsbereinigten Rückgang der verkauften Einsatzstunden im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent. Es ist dies der erste Rückgang seit 2015, dem Jahr des letzten grossen Frankenschocks. Adecco-CEO Alain Dehaze zeigte sich gestern trotzdem zufrieden: «Wir haben auf allen Ebenen eine gute Leistung gebracht», sagte er.

Einnahmeverluste von etwa 10 Prozent

Während Angebot und Nachfrage von Zeitarbeitern hierzulande primär von den Umsatzerwartungen der Unternehmen und damit von der Konjunktur getrieben sind, wird die Personalvermittlerbranche in der grössten Volkswirtschaft Europas durch neue Gesetze zurückgebunden.

Adecco, Randstad und Manpower verzeichnen in Deutschland derzeit Einnahmenverluste von um die 10 Prozent. Dies, nachdem es teilweise schon im Vorjahr markante Einbussen gegeben hatte. Seit Herbst 2017 ist in Deutschland das sogenannte Arbeitsüberlassungsgesetz in Kraft, unter dem die Personalvermittler ihre Arbeitskräfte nicht mehr länger als 18 Monate dem gleichen Kunden verleihen dürfen. Danach müssen die Unternehmen die Temporärkräfte entweder in die Stammbelegschaft aufnehmen oder die Leiharbeiter sind gezwungen, den Verleiher zu wechseln. Vor der Gesetzesänderung durften die Temporären bis zu vier Jahre beim gleichen Unternehmen unter dem gleichen Zeitarbeitsvertrag tätig sein.

Viele Grossunternehmen vor allem aus der Automobilindustrie hatten diese maximale Verleihdauer oft vollumfänglich ausgenutzt und damit den Unmut der Gewerkschaften auf sich gezogen. Jetzt sind die Unternehmen zum Handeln gezwungen. Ein langjähriger Brancheninsider klagt, die besten Leute würden dem Vermittlungsmarkt nun ganz entzogen. Nach Schätzungen könnte der deutsche Temporärmarkt aufgrund der Gesetzesänderung um bis zu 12 Prozent schrumpfen. Auch die im Frühjahr 2017 in Kraft getretene Equal-Pay-Regelung, nach der Temporärarbeitskräfte in Deutschland nach neun Monaten Anspruch auf gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaft geltend machen können, hat die Leiharbeit für die Vermittler und deren Kunden nicht attraktiver gemacht. Immerhin sehen Branchenvertreter in der Equal-Pay-Regulierung den Vorteil, dass die Zeitarbeitsvermittler so ihr Image als notorische Lohndrücker loswerden können.

Alles in allem setzt der deutsche Gesetzgeber den Personalverleihern aber tüchtig zu. Er kommt damit dem Wunsch der Gewerkschaften entgegen, denen die schwer organisierbaren «Temporären» ein ständiger Dorn im Auge sind. Eine Entspannung dieser Situation ist durch die verschärfte Regulierung aber kaum zu erwarten.

Branchenkenner sagen voraus, dass in Deutschland nun umso mehr sogenannte «Werkverträge» abgeschlossen werden dürften. Mit Hilfe eines Werkvertrages kann ein Unternehmen bestimmte Aktivitäten mitsamt der dazugehörenden Belegschaft an einen Dienstleister übertragen, der keinem Tarifvertrag (GAV) unterstellt ist und somit auch mehr Freiheiten bei den Arbeitsbedingungen (Ferien, Arbeitszeit und so weiter) geniesst.

Regelung war bisher hierzulande unnötig

In der Schweiz haben die Temporären den seit 2012 geltenden Gesamtarbeitsvertrag auf Anfang 2019 erneuert. Equal-Pay gilt für die meisten der über 300000 Temporären in der Schweiz, also schon seit acht Jahren. Eine gesetzliche Regelung zur maximalen Überlassungsdauer existiert in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland nicht.

Eine solche Regelung war hierzulande bislang auch kaum nötig. Ultralange Überlassungszeiten gelten als Spezialität von Grossunternehmen mit personalintensiver Massenproduktion. In der Schweiz ist bislang kein Problem durch ultralange Überlassungszeiten aufgetreten.

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