UMWÄLZUNGEN: Es stellt sich die «Maschinenfrage»

Die Vorbereitungen für das 48. St. Gallen Symposium gehen in die Endphase. Jetzt ist das Programm veröffentlicht worden: Was passiert, wenn die klassische Arbeit ausgeht?

Markus A. Will
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Beruhigend – oder doch nicht? Wenn Roboter mitoperieren. (Bild: Getty)

Beruhigend – oder doch nicht? Wenn Roboter mitoperieren. (Bild: Getty)

Markus A. Will

Wenn in drei Wochen, Anfang Mai das St. Gallen Symposium stattfindet, diskutieren 1000 Teilnehmer aus über 70 Ländern darüber, was «jenseits des Endes der Arbeit» passieren könnte. «Beyond the End of Work» lautet das Thema der 48. Auflage der vom International Students’ Committee (ISC) organisierten Tagung. Das ISC ist eine Stiftung mit Organisation und Lokation in der Nähe, aber ausserhalb der HSG. Es soll ausdrücklich nicht um die Zukunft der Arbeit gehen, sondern darum, was quasi im Jenseits geschieht, wenn das Ende der Arbeit, wie wir sie heute (noch) kennen, erreicht sein wird.

Was machen Menschen, wenn Roboter mit ihrer künst­lichen Intelligenz grosse Teile klassischer Arbeit übernommen haben werden? Die «Maschinenfrage», vor 200 Jahren mit der ­Industrialisierung schon einmal relevant, stellt sich offensichtlich erneut. Das Programm, mit dem Antworten gesucht werden sollen, wurde gerade veröffentlicht (siehe Kasten).

Den Schlüsselthemen auf der Spur

Wie kommen junge Studierende auf ein so grosses Thema, das zudem im Juli 2017 festgelegt werden musste? Im Diesseits sind die grossen Vorbereitungen zwar abgeschlossen, aber auf die 32 Studierenden, die «ISCler», das festangestellte Stiftungsteam sowie 200 Studierende als Helfer wartet noch viel Arbeit. Jedenfalls merkt man Annika Hochstrasser, gerade 20 Jahre alt, die in diesem Jahr mit zwei weiteren Studierenden das ISC leitet, an, wie sehr Zeit aktuell auch ihr knapper Faktor ist. Dennoch nimmt sie sich gemeinsam mit Dominic Baumann die Zeit, um die Entstehung des Themas zu erklären.

Baumann, Mitte 30, arbeitet im festangestellten Team des ISC, war aber als Student auch bereits ISCler. Das feste Team ist so etwas wie das Langfristgedächtnis des ISC. Darüber gibt es noch den Stiftungsrat, aktuell unter der Leitung von ABB-­Verwaltungsratspräsident Peter Voser. St. Gallens Ständerätin ­Karin Keller-Sutter amtet als ­Vizepräsidentin.

Eigentlich ist die Themenfindung einfach: Sie wird von unten wie eine Art Feldstudie entwickelt. Die Studierenden hören zu, diskutieren mit Förderern, Partnern und selbstverständlich den Teilnehmern der jährlichen Symposien. «Ich habe seit Jahren ­einen Zettel in meiner Jacke, auf der ich mir eine interessante Themenidee für das nächste Jahr aufschreibe, wenn ich sie im Gespräch aufgenommen habe», ­erklärt Baumann. Hochstrasser, die im letzten Jahr bereits als normales Mitglied im Team war, berichtet von bis zu 2000 Gesprächen, die das Team über das Jahr mit Förderern und Partnern hat. «Jeder wird jedes Jahr von einem der 32 Teammitglieder auf der ganzen Welt aufgesucht», fügt die junge Frau an. Quasi als Abschluss eines Teamjahres schreiben die alten ISCler für ihre Nachfolger Vorschläge auf. Drei, vier Zweiseiter werden weiterverfolgt. Ein Researcher prüft die Vorschläge – nicht zuletzt, ob schon ein anderer Anbieter so ein Thema bearbeitet hat.

Die DNA bleibt studentisch

Bewusst wird der Themenfindungsprozess nicht zu sehr «institutionalisiert», beschreibt Baumann das Vorgehen. «Wenn wir einen, zwei finale Vorschläge auf einer Seite ausformuliert haben, dann besprechen wir sie auch noch mit ‹Freunden des ISC›». Man könne viele Vertrauenspersonen mit bekannten Namen anrufen und sie fragen, was sie von dieser oder jener Themenidee halten. Formal beschliesst der Stiftungsrat das Thema, aber im Grunde kommen die Themen aus dem studentischen Team. Auch wenn das ISC heute eine durchorganisierte Organisation ist, so ist und bleibt die DNA studentisch. Es ist erstaunlich, wie eine 20-Jährige über die Sinngebung von Arbeit sprechen kann, von den Veränderungen, die auf die Menschheit zukommen könnten.

Im Programm hat es in diesem Jahr im Übrigen zwei Neuerungen: Zum einen will man die «dritte Generation» (30- bis 45-Jährige) zwischen Studierenden und Etablierten einbinden. Zum anderen will man rund vier Wochen nach dem Symposium eine Diskussionsrunde für die St. Galler mit den Ergebnissen anbieten.