UMBRUCH: Tagblatt Medien arbeiten rentabler

Vergangenes Jahr haben die Tagblatt Medien weniger umgesetzt, aber operativ mehr verdient. Dahinter steckt auch ein rigoroses Kostenmanagement. Forciert werden digitale Produkte.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Das «St. Galler Tagblatt» ist seit des Verkaufs der Liegenschaften an der Fürstenlandstrasse eingemietet. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 17. März 2017))

Das «St. Galler Tagblatt» ist seit des Verkaufs der Liegenschaften an der Fürstenlandstrasse eingemietet. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 17. März 2017))

Thomas Griesser Kym

Die Strukturen der Medienbranche sind im Wandel, und das nicht erst seit gestern. Die Tageszeitungen kämpfen mit rückläufige Werbeeinnahmen im Print sowie sinkenden Auflage- und Abonnementszahlen. Vor diesem Hintergrund ist der Umsatz der Tagblatt Medien vergangenes Jahr um knapp 5% auf gut 107 Mio. Fr. gesunken. Weil aber auf der anderen Seite der Betriebsaufwand um 6,5% auf 99,4 Mio. Fr. reduziert wurde, stieg der Betriebsgewinn um 22,5% auf 7,6 Mio. Franken. Damit nahm die operative Marge von 5,5% auf 7,1% des Umsatzes zu. Seitens der Einnahmen gingen jene aus dem Lesermarkt um 1,7% zurück. Negativ zu Buche schlug hier vor allem die Zusammenführung dreier Zeitungen im Toggenburg. Die Werbeeinnahmen schrumpften um 9,1%. Immerhin haben die Tagblatt Medien damit weniger eingebüsst als die Printwerbung in der Schweiz insgesamt (–13,6%). Der Druck und die übrigen Erträge entwickelten sich stabil. Das Druck­zentrum in Winkeln profitiert weiterhin davon, dass als Folge der Schliessung des NZZ-Druckzentrums in Schlieren per Mitte 2015 von dort Druckaufträge für Fremdtitel nach St. Gallen verschoben worden sind. Zugelegt hat das Veranstaltungsgeschäft der Reichweitenmedien, wozu Radio FM1, TVO und das Portal FM1Today gehören.

«Neue Ertragsquellen erschliessen»

Auf der Kostenseite gab es «deutliche Einsparungen». Konkret ausgewirkt haben sich tiefere variable Kosten, eine höhere Effizienz sowie Synergien aus der verstärkten Zusammenarbeit mit den LZ Medien («Luzerner Zeitung»), die wie die Tagblatt Medien zur NZZ-Mediengruppe gehören. Geringer als im Vorjahr fallen das Finanz- sowie das ausserordentliche Ergebnis aus. Letzteres hatte 2015 vom Verkauf der Akzidenzdruckerei in Herisau samt Liegenschaft profitiert. Unter dem Strich schreiben die Tagblatt Medien 2016 einen Gruppengewinn von 6,6 Mio. Fr., rund 8% weniger als im Vorjahr.

Christine Bolt, stellvertretende Geschäftsleiterin der Tagblatt Medien, beurteilt das operative Ergebnis als «gut» und erklärt, dass dies auch «das Resultat des Kostenmanagements» sei, das sich «durch die Zusammenarbeit mit den Zentralschweizer Medien» ergeben habe. Einsparungen dürften aber «nicht einen Leistungsabbau zur Folge haben». Langfristig führt laut Bolt kein Weg daran vorbei, «neue Ertragsquellen zu erschliessen». Konkret laute die Strategie der Tagblatt Medien, die Print­produkte zu optimieren und mit Vollgas neue digitale Produkte zu entwickeln. Bolt rechnet damit, dass der Werbemarkt rückläufig bleibt und Zuwächse in der Digitalwerbung die Einbussen im Print nicht wett­machen können. Der Lesermarkt solle sich dagegen stabilisieren.

Zweite Sonderdividende für die Aktionäre

Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung eine Dividende von 90 (im Vorjahr 100) Fr. plus eine Sonderdividende von 80 (100) Fr. je Aktie, also insgesamt 170 (200) Fr. je Aktie. Das gibt ein Total von 10,54 Mio. Fr., wovon 93% an die AG für die Neue Zürcher Zeitung als Hauptaktionärin fliessen. Die erneute Sonderdividende wird mit «der weiterhin hohen verfügbaren Nettoliquidität» des Unternehmens rechtfertigt. Diese stammt zu einem Gutteil aus dem Verkauf der Liegenschaften der Tagblatt Medien an der Fürstenlandstrasse in St. Gallen im Jahr 2014. Die Eigenkapitalquote betrug Ende vergangenes Jahr gut 69% der Bilanzsumme von 111 Mio. Fr., womit der Eigenkapitalanteil «sehr solide» sei.