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Syngenta: Umbruch beim
chinesischen Mutterkonzern

Die chinesischen Staatskonzerne Sinochem und Chem China wollen sich zu einem Weltmarktführer in der Industrie-Chemie zusammenschliessen. Syngenta erhält damit einen neuen Verwaltungsratschef.
Felix Lee, Peking
Vor dem Hauptsitz des chinesischen Chemie-Konzerns Sinochem in Peking. (Bild: Imago; 8. Juli 2011)

Vor dem Hauptsitz des chinesischen Chemie-Konzerns Sinochem in Peking. (Bild: Imago; 8. Juli 2011)

Gerüchte von einer Fusion der beiden grössten chinesischen Chemie-Riesen hat es in den vergangenen zwei Jahren zwar schon mehrfach gegeben. Doch nun könnten sie sich bewahrheiten. Wie das chinesische Wirtschaftsmagazin «Caixin» berichtet, stehen die beiden Staatskonzerne Sinochem und Chem China unmittelbar vor einer Fusion.

Das Medium beruft sich auf Informationen eines Insiders, dem gute Kontakte zur chinesischen Führung nachgesagt werden. Einen konkreten Rahmen, wie und wann die Fusion ablaufen soll, nannte das Magazin nicht. Weder Sinochem noch Chem China wollten sich offiziell dazu äussern. Chem China hatte erst im vergangenen Jahr für die Rekordsumme von 43 Milliarden US-Dollar den Basler Agrochemiekonzern Syngenta übernommen.

Was eine unmittelbar bevorstehende Fusion der beiden chinesischen Chemie-Giganten dieses Mal jedoch wahrscheinlich macht: Ren Jianxin, der bisherige Chef von Chem China, der damit auch dem Verwaltungsrat von Syngenta vorsass, geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Ning Gaoning. Dieser wiederum ist Präsident von Sinochem und soll es dem Medienbericht zufolge auch bleiben. Ning wird damit also beide chinesischen Chemiegiganten leiten. Er wird damit auch die Leitung des Verwaltungsrats von Syngenta übernehmen. Was das für Auswirkungen für das Schweizer Unternehmen haben wird, ist bislang nicht bekannt.

Gemeinsam über 100 Milliarden Umsatz

Sinochem ist mit dem Import von Düngemitteln gross geworden und inzwischen ein Mischkonzern mit über 50000 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr machte der Chemieriese einen Umsatz von 60 Milliarden US-Dollar. Chem China mit sogar über 140000 Mitarbeitern kam auf einen Umsatz von rund 45 Milliarden. Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, würde also ein Konzern mit einem Jahresumsatz von über 105 Milliarden US-Dollar entstehen.

Beide sind inzwischen Mischkonzerne, die über die Verarbeitung von petrochemischen Sub­stanzen über Saatgut bis hin zur Produktion von Plastik und anderen Kunststoffen so ziemlich alles herstellen, was mit Chemikalien zu tun hat. Im Bereich Silikone ist Chem China einer der drei grössten Hersteller der Welt. Chem China hat unter anderem den deutschen Maschinenbauhersteller Krauss Maffei übernommen, den französischen Futtermittelhersteller Adisseo und den italienischen Reifenhersteller Pirelli. Sinochem hingegen hat sich bislang mit Übernahmen im Ausland zurückgehalten.

Pläne der chinesischen Führung zu einer Fusion dieser beiden Chemieriesen gibt es schon eine Weile. Die Zentralregierung ist seit einigen Jahren bestrebt, die Zahl ihrer Staatsunternehmen zu senken. Viele von ihnen gelten als ineffizient und haben gewaltige Schulden angehäuft. Vor allem die Überkapazitäten sorgen dafür, dass sie dem Privatsektor die Geschäfte abwürgen. Die Chemiebranche leidet derzeit besonders. Bei Chem China gingen die Umsätze zuletzt leicht zurück.

Schon vor zwei Jahren hatte die Zentralregierung angekündigt, dass sie aus Chem China und Sinochem einen Konzern machen wollen, der global konkurrenzfähig ist und mit Grössen wie BASF, Bayer oder Dow Chemical mithalten kann. Im Mai 2017 verdichteten sich die Meldungen, dass eine Fusion unmittelbar bevorstehe. Die Wettbewerbshüter hatten kurz zuvor die Übernahme von Syngenta durch ChemChina genehmigt. Doch dann machten Gerüchte die Runde, Chem China habe sich mit der Syngenta-Übernahme in Höhe von 43 Milliarden Dollar übernommen. Die Fusion diene bloss dazu, Chem China zu helfen. Sehr wahrscheinlich um genau diese Gerüchte zu zerstreuen, wurden die Fusionspläne mit Sinochem verschoben. Die Regierung in Peking wollte auf keinen Fall den Eindruck entstehen lassen, dass Chem China finanzielle Nöte hat. Chem China plante weitere Übernahmen.

Animositäten zwischen den Konzernchefs

Hinzu kamen angebliche persönliche Animositäten zwischen Chem-China-Chef Ren und dem Sinochem-Vorsitzenden Ning. Beide Männer hätten die Fusionspläne bekämpft, berichteten Branchenkenner. Wortwörtlich habe Ren vor einem Jahr beteuert, er «verabscheue» es, ein von ihm errichtetes Unternehmen zu verlassen. Enge Mitarbeiter waren auch überrascht, dass eine Frühverrentung Rens überhaupt in Erwägung gezogen wurde. Ning wiederum soll sich besorgt gezeigt haben über die angeblich zu hohe Verschuldung und die komplexe Struktur von Chem China.

Der heute 60-jährige Ren steht seit drei Jahrzehnten an der Spitze von Chem China und seiner Vorgängerfirmen. Er hatte das Unternehmen mit einem Startkapital von lediglich tausend Dollar gegründet und in den Neunziger-Jahren nach und nach vom Staat rund 100 Fabriken übertragen bekommen. Auch wenn Chem China ein Staatsunternehmen ist, wird es sehr mit seinem Namen verbunden. Er selbst sprach mehrfach von «mein Lebenswerk». Offenbar hat sich die Zentralregierung nun mit ihren Plänen durchgesetzt.

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