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UHRENINDUSTRIE: «Innovation hat kein Ende»

Jean-Claude Biver (68) hat die Schweizer Uhrenindustrie geprägt und befindet sich mit Hublot auf Erfolgskurs. Mit TAG Heuer will er nun im Bereich der Smartwatches Akzente setzen. Davor soll aber noch eine neuartige Uhr auf den Markt kommen.
Dominik Buholzer
Jean-Claude Biver in einem Besprechungszimmer am Hauptsitz von Hublot in Nyon: «Wir sind eine Marke, die auch für schlechte Zeiten geeignet ist.» (Bild: Dominik Wunderli)

Jean-Claude Biver in einem Besprechungszimmer am Hauptsitz von Hublot in Nyon: «Wir sind eine Marke, die auch für schlechte Zeiten geeignet ist.» (Bild: Dominik Wunderli)

Interview: Dominik Buholzer

Hublot wächst und wächst, selbst wenn es der Schweizer Uhren­industrie nicht gut geht. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Eigentlich hat Hublot proportional mehr Erfolg, wenn es der Uhrenindustrie schlecht geht.

Wie meinen Sie das?

Wenn die Branche um 10 Prozent zulegt, wir aber um 15, dann beträgt der Unterschied 5 Prozent. Verzeichnet die Uhrenindustrie jedoch einen Rückgang von 10 Prozent und wir ein Wachstum von 2 Prozent, dann fällt die Differenz viel höher aus, nämlich 12 Prozent. Aus diesem Grund erlaube ich mir diese Aussage.

Auf was ist dies zurückzuführen?

Wir handhaben es wie die asiatischen Kampfsparten. Selbst eine negative Entwicklung darf nicht unser Feind werden. Entsprechend handeln wir auch. Wenn es allen schlecht geht und alle Firmen ihre Kommunikation reduzieren, erhöhen wir im Gegenteil antizyklisch die Kommunikation sowie auch zum Beispiel die Reisespesen. Wir besuchen dann umso öfters unsere Händler, und davon profitieren wir letzten Endes.

Aber dies alleine kann nicht der Grund für den Erfolg von Hublot sein.

Richtig. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, geben Sie nur noch Geld für Dinge aus, die sehr innovativ und kreativ sind. Für genau diese Werte stehen wird. Unsere Uhren verbreiten Neugier und Lust. Deshalb sind wir eine Marke, die auch für schlechte Zeiten geeignet ist.

Smartwatches sind stark im Kommen. Die meisten Schweizer Uhrenfirmen sind in diesem Bereich aber kaum aktiv. Drohen sie einen Trend zu verpassen?

Diesen Vorwurf würde ich der Schweizer Uhrenindustrie nicht machen.

Weshalb nicht?

Weil ein Grossteil der Firmen im Luxusbereich tätig ist. 80 Prozent aller Uhrenexporte betreffen mechanische Uhren, und diese sind im höheren Segment angesiedelt. Es handelt sich da um Kunstobjekte. Eine Smartwatch passt da nicht unbedingt dazu. Weshalb sollte ich Wasser in meinen Bordeaux schütten? Für die meisten Schweizer Uhrenfirmen macht es gar keinen Sinn, in diesem Bereich tätig zu sein. Sie würden sich unglaubwürdig machen.

Weshalb haben Sie es mit TAG Heuer getan?

Bei TAG Heuer bewegen wir uns in einem breiten Segment – auch preislich. Zudem ist TAG die Abkürzung für Technologie Avantgarde. Wir sind also schon fast gezwungen, in diesem Bereich tätig zu werden. Also haben wir uns entschieden, neben dem Rotweinglas auch noch ein Wasserglas hinzustellen.

Haben Sie das Gefühl, dass der Boom bei den Smartwatches wieder abflachen könnte?

Vorderhand sicherlich nicht. Ich sehe immer mehr Leute eine solche Uhr tragen. Auch die Verkaufszahlen von Apple bestätigen dies. 30 Millionen Stück sollen sie von ihrer neuen Smartwatch verkauft haben. Man kann diesen Zahlen misstrauen, aber sie belegen vor allem eines: Hier eröffnet sich ein neuer Markt. Und wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Die Smartwatch ist denn für mich mehr ein Instrument als eine Uhr. Die Schweizer Uhrenindustrie muss sich deshalb auch nicht vor diesem Trend fürchten. Sie haben ja auch nicht nur ein Paar Schuhe zu Hause. Eine Smartwatch werden Sie kaum tragen, wenn Sie in die Oper gehen. Eine Hublot ist da schon viel mehr angebracht.

Wo wird die Entwicklung hingehen?

Sie geht in Richtung mehr Informationen, mehr Gesundheit. Die Smartwatch wird ein Kompagnon von mir, sie erteilt mir Ratschläge. Ich sehe da ein grosses Entwicklungspotenzial.

Bei TAG Heuer hatten Sie das ­Projekt einer Telefonuhr. Wird die kommen?

Ich denke schon. Wir haben es aber nicht eilig. Das hängt auch mit der Kom­plexität des Telefons zusammen. Wir müssen in jedem Land einen Pro- vider finden. Wenn wir die Uhr in 50 Ländern ver­kaufen, benötigen wir mindestens 50 verschiedene Ver­träge. Das ist ein ganz anderes Business. So oder so: Wir machen weiter im ­Bereich der Smart­watches. Aber wir ­versuchen auch, unseren eigenen Weg zu finden.

Wie muss ich dies verstehen?

Heute macht unsere Uhr das Gleiche wie die meisten und besten anderen Smartwatches. Unsere müsste in Zukunft noch viel mehr unserer Philosophie entsprechen. Wir sind im Radsport, aber auch im Golf tätig. Dies sollte sich auch auf unserer Smartwatch widerspiegeln.

Sie suchen das Unverwechselbare?

Richtig! Es ist uns nicht mehr wichtig, bei den Ersten zu sein. Hauptsache, unsere Uhr wird anders und weist einen zusätzlichen Nutzen auf.

Haben Sie Apples Erfolg erwartet?

Ich hatte 10 Millionen erwartet, aber 30 Millionen … Puh … Es bestätigt mich, dass wir Recht haben, mit TAG Heuer auf diesem Gebiet aktiv zu werden.

Hublot setzt bei seinen Uhren ­immer wieder neue, ungewohnte Materialien ein. Sind dieser Ent­wicklung nicht Grenzen gesetzt?

Innovation hat kein Ende.

Was steht als Nächstes an?

Jetzt kommt Nanokarbon.

Was muss ich mir darunter vorstellen?

Wir wollen demnächst eine Uhr auf den Markt bringen, die eine neue Spirale hat aus einem neuen Material. Der Vorteil: Die Uhr ist hitzebeständiger, nicht mehr anfällig auf Magnetismus und ausserdem noch viel präziser. Und genau dies widerspiegelt unsere Philosophie: Wir wollen die Tradition weiterentwickeln. Das ist zwar überhaupt nicht einfach, aber ohne Innovation verliert die Tradition ihre Bedeutung.

Wann kommt die neue Uhr auf den Markt?

Ich hoffe in den nächsten zwölf Monaten. Wir sind sehr nahe dran.

Es ist also noch ein Kampf?

Mit Innovationen müssen Sie ständig kämpfen.

Themenwechsel: Die Schweizer Uhrenindustrie hat im vergangenen Jahr Terrain gutgemacht. Die Absatzzahlen ziehen wieder an, sowohl in China wie auch in Hongkong. Nicht jedoch in Europa. Weshalb?

In Asien geht alles schneller, es geht auch schneller runter. Amerika hat auch einen anderen Rhythmus. Bei uns in Europa dauert es dagegen immer ein wenig länger. Aber der Aufschwung kommt auch hier, da bin ich mir sehr sicher.

Die Baselworld, die grosse Uhrenmesse, die nächste Woche beginnt, verzeichnet weniger Aussteller und dauert auch weniger lange. Zudem mussten die Standpreise gesenkt werden. Das ist eigentlich kein gutes Omen.

Das ist weder gut noch schlecht, weil ­sowieso die wichtigsten Vertreter der Uhrenindustrie vor Ort sein werden. Das Problem sehe ich an einem ganz anderen Ort. Früher wurden an diesen Messen Verkäufe getätigt. Die ganze Welt kam nach Basel. Das ist heute längst nicht mehr der Fall.

Also hat nicht die Uhrenindustrie als vielmehr die Messe ein Problem?

Genau, die Messe muss sich neu erfinden. Sie muss sich überlegen, ob sie sich nicht mehr dem Publikum öffnen sollte. Auch sollte sie sich fragen, ob sie nicht gleichzeitig mit der Genfer Uhrenmesse stattfinden sollte, der anderen grossen. Das wäre wohl besser. Dies würde unseren Kunden zwei Reisen in die Schweiz innert acht Wochen ersparen.

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