Üppige Löhne und Boni – Brosamen für den Fiskus

LONDON. Gefällt mir diese Nachricht? Macht sie mich froh, traurig oder wütend? Ähnlich differenziert wie neuerdings die Reaktionen der über eine Milliarde Benutzer Facebooks fiel am Wochenende in Grossbritannien die Reaktion auf eine Kursänderung des Konzerns aus.

Sebastian Borger
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LONDON. Gefällt mir diese Nachricht? Macht sie mich froh, traurig oder wütend? Ähnlich differenziert wie neuerdings die Reaktionen der über eine Milliarde Benutzer Facebooks fiel am Wochenende in Grossbritannien die Reaktion auf eine Kursänderung des Konzerns aus. Nach harscher Kritik der Öffentlichkeit will das soziale Netzwerk ab April die auf der Insel getätigten Anzeigengeschäfte hier verbuchen statt wie bisher im benachbarten Irland. Dadurch dürfte London deutlich mehr Steuereinnahmen verbuchen als bisher – was vor dem Hintergrund der bisherigen Praxis wenig bedeutet: Zuletzt fielen von Facebooks Milliarden nur Brosamen für die britische Steuerbehörde ab.

Ein paar Tausender

Auf der Insel tobt seit Jahren ein Streit über die von führenden Parlamentariern als «unmoralisch» empfundene Steuervermeidung von US-Konzernen wie Google, Apple und Facebook, aber auch heimischer Unternehmen. So haben beispielsweise der Mobilfunkanbieter Vodafone, der Ölkonzern Royal Dutch/Shell und der Zigarettenhersteller British American Tobacco im jüngsten Finanzjahr vollkommen legal keinen Penny Körperschaftssteuer bezahlt. Zum Einsatz kamen (britische) Steuerparadiese wie Bermuda, nominelle Firmensitze im Kanton Zug und die Verrechnung von Investitionen auf der Insel oder Verluste früherer Geschäftsjahre.

Facebook gab für 2014 die Zahl der Angestellten in Grossbritannien mit 362 an. Sie setzten umgerechnet 148 Mio. Fr. um und erhielten Löhne von 58 Mio. Fr. sowie Aktienboni im Börsenwert von 49,5 Mio. Franken. Rein rechnerisch wurde also jeder Facebook-Angestellte mit fast 300 000 Fr. entlohnt – wahrhaft fürstlich. Für die Steuerbehörde blieb wenig übrig: Facebook bezahlte eine Körperschaftssteuer von exakt 4327 £ (6114 Fr.).

Eine Vielzahl von Tricks

Ermöglicht hat das eine komplizierte Firmenstruktur, die Drogenbaronen und Waffenschmugglern alle Ehre machen würde. Nominell «unterstützt» die britische Tochter lediglich Facebook in Irland, wo der Steuersatz bei 12,5% und damit deutlich niedriger liegt als in Grossbritannien (20%). Die irische Tochter wiederum zahlt eine Gebühr für die «Lizenz zur Benutzung von Facebook» an zwei indirekt zu Facebook gehörenden Firmen auf den Cayman-Inseln.

Nun hat Facebook zwar mehr Transparenz versprochen. Wie gross die Steuerzahlung letztlich ausfällt, bleibt indessen bis Ende 2017 offen. Experten kennen aus ähnlichen Fällen, etwa Apple oder Google, viele andere Tricks. So könnte die Zentrale ihrer britischen Tochter hohe Schulden aufladen und Steuerzahlungen mit dem Buchverlust verrechnen. Beliebt bei Steuertricksern ist auch die fiktive Zahlung riesiger «Entschädigungssummen» für geistiges Eigentum von einem Konzernteil zum anderen.