Altersvorsorge
Überschätzte Alternative Anlagen: Private Equity & Co. sind teurer, aber nicht besser

Private Equity und Co. waren die Hoffnungsträger der Pensionskassen. Doch die Performance ist ernüchternd.

Daniel Zulauf
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Rund 900'000 Rentnerinnen und Rentner in der Schweiz sind darauf angewiesen, dass die Pensionskassen ihr Altersguthaben gewinnbringend anlegen.

Rund 900'000 Rentnerinnen und Rentner in der Schweiz sind darauf angewiesen, dass die Pensionskassen ihr Altersguthaben gewinnbringend anlegen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Alternative Anlagen sind ihr Geld nicht wert. Zu diesem Schluss muss kommen, wer sich die aktuelle Studie der Anlage- und Vorsorgespezialistin Swisscanto zum Zustand der Schweizer Pensionskassen zu Gemüte führt.

Die Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank befragt die rund 1500 Vorsorgeeinrichtungen im Land jährlich über ihre finanzielle Lage und die Entwicklung des von ihnen verwalteten Alterskapitals von 1130 Milliarden Franken. Was dabei herauskommt ist wichtig, denn das Geld gehört den 4,3 Millionen Berufstätigen und den rund 900'000 Rentnerinnen und Rentnern in der Schweiz und für die meisten ist es der mit Abstand grösste Teil der Ersparnisse.

Bedrängte Kassen offen auf Zusatzrenditen

In der Hoffnung auf Zusatzrenditen, haben die durch das tiefe Zinsniveau bedrängten Kassen ihre Investitionen in alternative Anlagen in den vergangen 15 Jahren von unter zwei Prozent auf aktuell aktuell über sechs Prozent verdreifacht.

Als alternative Anlagen gelten zum Beispiel Hedge-Fonds. Diese versprechen im Unterschied zu konventionellen Anlagefonds auch in fallenden Märkten positive Renditen zu erwirtschaften, sorgen aber auch regelmässig mit kolossalen Pleiten (Archegos) für Schlagzeilen.

In die Klasse der alternativen Anlagen gehören auch Investitionen in nicht öffentlich handelbare Aktien oder Schuldpapiere, die im Jargon als «Private Equity» oder «Private Debt» genannt werden. Solche Anlagen sind en Vogue, wie die Marktkapitalisierung des spezialisierten Zuger Vermögensverwalters Partners Group belegt. Die Firma mit ihren nur rund 1500 Angestellten wird an der Börse mit 37 Milliarden Franken bewertet – nur ein Drittel weniger als UBS und 50 Prozent mehr als Credit Suisse. Die drei Gründungspartner Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach sind innert gut 20 Jahren zu mehrfachen Milliardären geworden.

Nun aber legt der vorliegende Swisscanto-Bericht nahe, dass die Erwartungen an solche alternativen Anlagen deutlich überzogen sind. Zum Beispiel hielten der Studie zufolge 2020 die zehn Prozent der Kassen mit der höchsten Jahresperformance (über 5,9 Prozent) weniger alternative Anlagen als die zehn Prozent der Kassen mit der schlechtesten Jahresperformance (weniger als 1,8 Prozent). Die schlechtesten Kassen investierten konkret 8,5 Prozent in alternative Anlagen, die besten Kassen lediglich 6,4 Prozent.

Weniger Rendite, höhere Kosten

Die Autoren der Studie erklären die grosse Performance-Differenz zwischen den besten und den schlechtesten Kassen zwar hauptsächlich mit der unterschiedlichen Gewichtung von Aktien- und Obligationenportefeuilles nach Inland und Ausland (ein hoher Inlandanteil war Performancehemmend). Doch auch Differenz in der Gewichtung der alternativen Anlagen ist signifikant und sie widerspricht dem Ruf dieser Anlageform als vermeintlich überlegene Performancebringer.

Auch die höheren Kosten der alternativen Anlagen dürften ein wesentliches Element zur Erklärung der Performance-Differenz sein. Fakt ist: Die Kassen, deren Vermögensverwaltungskosten unter dem Mittelwert (Median) von 0,43 Prozent liegen, haben 2020 eine deutliche bessere Rendite erwirtschaftet als die Kassen, die sich die Verwaltung ihrer Anlagen mehr als 0,43 Prozent kosten liessen. Konkret rentierten die billigeren Anlagen mit 4,18 Prozent, die teureren lediglich mit 3,79 Prozent.

Ausschlaggebend für den Unterschied war gemäss Swisscanto die Aufteilung der Vermögensanlagen. Die Kassen mit der schlechteren Performance hielten 2020 mehr Alternative Anlagen (8,5 Prozent versus 3,2 Prozent) und weniger Anleihen (26,6 Prozent versus 31,6 Prozent).

Experte Pirmin Hotz: Nutzen wird «massiv überschätzt»

Für den Zuger Vermögensverwalter und Buchautor Pirmin Hotz («Über die Gier, die Angst und den Herdentrieb der Anleger, Finanzbuchverlag, München, 2021), kommt diese Erkenntnis nicht überraschend: «Der Nutzen von alternativen Anlagen wird überschätzt, ihre exzessiven Kosten aber massiv unterschätzt.» Vor diesem Muster seien auch institutionelle Anleger wie Pensionskassen nicht gefeit. «Die Kassen stehen unter einem grossen Druck höher rentierende Anlagen zu tätigen und in den Entscheidungsgremien herrscht leider eine gewisse Naivität.»

Parterns Group, der grösste Anbieter von Privatmarktanlagen in der Schweiz hält dagegen: Aus der Studie werde nicht ersichtlich ob Privatmarktanlagen ihren Preis wert seien. Dazu wäre eine tiefergehende Analyse der einzelnen Komponenten innerhalb der Klasse der Alternativen Anlagen nötig, hält ein Sprecher von Partners Group fest. Die Performance von Privatmarktanlagen ist allerdings naturgemäss wenig transparent und abhängig von den Modellrechnungen der Anbieter.

Das Parlament hat den Weg für noch mehr alternative Anlagen geebnet

Bis zum Ende des vergangenen Jahres durften Schweizer Pensionskassen maximal 15 Prozent der Vermögen ihrer Mitglieder in alternative Anlagen investieren. Nun hat die Finanzlobby aber eine Erhöhung dieser Schwelle erreicht. Seit Anfang Jahr gelten sogenannte Infrastrukturanlagen als eigene Anlageklasse. Die Investitionsobergrenze beträgt zehn Prozent. Mit dieser Lockerung der Anlagerichtlinien können Schweizer Pensionskassen neu bis zu 25 Prozent ihrer Mittel in Anlagen investieren, die nicht an öffentlichen Börsen handelbar sind und somit über keine transparenten Marktpreise verfügen. Für Partners Group, die das Geld ihrer Kunden auch gern und oft in Infrastrukturanlagen investiert ist dies eine gute Nachricht. 16 Prozent der von Partners Group investierten Gelder kommen aus der Schweiz.