Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ÜBERNAHMESTREIT: Sika am Scheideweg

Seit über drei Jahren ringen die Erbenfamilie Burkard und das Management des Baustoffkonzerns Sika um die Zukunft des Unternehmens. 2018 wird ein entscheidendes Jahr. Ein Überblick.
Maurizio Minetti

Das Tauziehen um Sika geht in die nächste Runde. Die Familie Burkard will die Firma nach wie vor an die französische Saint-Gobain verkaufen. Das Management und Teile des Verwaltungsrats stemmen sich dagegen. Es ist gut möglich, dass dereinst das Bundesgericht entscheiden muss.

Worum geht es?

Saint-Gobain will den Burkards für 2,75 Milliarden Franken die privilegierten Familienaktien abkaufen. Diese garantieren mit einem Anteil von 16,1 Prozent die Kontrollmehrheit von 53 Prozent an Sika. Den übrigen Aktionären unterbreitete Saint-Gobain kein Kaufangebot.

Warum wehrt sich die Sika-Führung gegen den Verkauf?

Die Sika-Führung kritisiert, dass Saint-Gobain mit einer Kapitalminderheit einen Konkurrenten beherrschen würde. Sie befürchtet zudem, dass die Franzosen das Unternehmen aushöhlen wollen, sprich: Sika von der Börse nehmen, Niederlassungen schliessen, Jobs abbauen. Saint-Gobain und die Burkards stellen das in Abrede: Man wolle Wachstumssynergien nutzen und Mehrwert für die ganze Gruppe schaffen.

Wie hat die Sika-Führung den Deal blockiert?

Der Verwaltungsrat hat das Stimmrecht der Familie Burkard an den vergangenen Generalversammlungen unter Berufung auf die Statuten auf 5 Prozent beschränkt. So konnten die Familienvertreter die opponierenden Verwaltungsräte nicht abwählen.

Wie reagierte die Familie auf die Blockade?

Mit mehreren Klagen. Die Richter müssen im Hauptverfahren klären, ob die Beschneidung der Stimmrechte zulässig ist. Im Oktober 2016 hat das Zuger Kantonsgericht zu Gunsten der Firma entschieden. Derzeit wartet man auf das Berufungsurteil des Zuger Obergerichts, das zwischen Januar und der Generalversammlung im April veröffentlicht werden dürfte. Beide Parteien haben schon jetzt signalisiert, dass sie bei einer Niederlage ans Bundesgericht gelangen werden.

Gibt es einen Ausweg?

Der «Tages-Anzeiger» hat jüngst ein mögliches Szenario skizziert. Falls die Gerichte der Sika-Führung Recht geben, könnte Saint-Gobain den Burkards deren Sika-Aktien auch ohne die angestrebte Kontrollmehrheit für 2,75 Milliarden Franken abkaufen. Wegen der Stimmrechtsbeschränkung hielte Saint-Gobain so lediglich eine Finanzbeteiligung an Sika – der Buchgewinn Saint-Gobains betrüge heute eine halbe Milliarde Franken. Als neuer Besitzer des Pakets könnten die Franzosen die Aktien wiederum dem Unternehmen anbieten. Der Deal würde sich für Saint-Gobain lohnen: Der Wert der Sika-Aktie hat sich seit Abschluss des Kaufvertrags verdoppelt. Dagegen spricht, dass die Franzosen industrielle Synergien nutzen wollen. Dafür müssen sie bei Sika das Sagen haben.

Ist dieser Plan B realistisch?

Aus Sicht von Sika schon. Für Vertreter der Familie und Saint-Gobains ist er «pure Spekulation».

Der Kaufvertrag zwischen der Familie und Saint-Gobain wurde kürzlich bis Mitte 2018 verlängert. Wie oft kann er noch verlängert werden?

Im vorliegenden Vertrag nur noch einmal bis Ende 2018. Danach müssten die Vertragsparteien erneut an den Verhandlungstisch. Da der Wert der Sika-Aktie massiv gestiegen ist, ist die Frage, ob Saint-Gobain dann einen höheren Preis bezahlen müsste.

Was passiert nach dem Urteil?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Familie bekommt spätestens vor Bundesgericht recht und vollzieht den Vertrag mit Saint-Gobain. Oder die Familie verliert vor Gericht und behält ihr Aktien­paket bis auf Weiteres. In beiden Fällen erhält die Familie die vollen Stimmrechte zurück und kann an der Generalversammlung die unliebsamen Verwaltungsräte abwählen lassen. Allerdings: Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg könnte der Familie bei der Wahl des Verwaltungsrats wiederum ihr Stimmrecht verweigern.

Wie laufen Sikas Geschäfte?

Sika ist auf Wachstumskurs. Für die ersten neun Monate 2017 meldete das Unternehmen weitere Umsatz- und Gewinnrekorde. Der Umsatz stieg um 6,8 Prozent auf 4,6 Milliarden Franken. Der Konzern hat seit Beginn des Streits 11 Milliarden Franken an Börsenwert zugelegt. In den letzten fünf Jahren hat Sika über 50 Fabriken eröffnet, zwei Dutzend ­Niederlassungen gegründet und ebenso viele Zukäufe getätigt.

Maurizio Minetti

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.