ÜBERNAHME: Zur Rose verteidigt die Spitze

Die Frauenfelder Zur Rose Group übernimmt die Versandapotheke Vitalsana und festigt damit ihre Marktposition.

Stefan Borkert
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Stefan Borkert

Die Apotheke zur Rose setzt ihre Wachstumsstrategie fort. Nun hat die Onlineapotheke und Ärztegrossistin die Versandapotheke Vitalsana samt dem deutschen Dienstleister ApDG vom deutschen Medienunternehmen ­Ströer­ übernommen. Vitalsana ist im Versandgeschäft für rezeptfreie Medikamente tätig und erzielte letztes Jahr einen Umsatz von 30 Millionen Euro. Das teilt Zur Rose in einem Communiqué mit. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.

Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli erklärt, dass Vitalsana in erster Linie den deutschen Markt beliefert habe. «Die Übernahme ermöglicht Wettbewerbsvorteile durch die Sicherung der letzten am Markt verfügbaren, niederländischen Versandapotheke mit einem relevanten Umsatz und einer bekannten Marke in Deutschland.» Oberhänsli fährt fort: «Des Weiteren bündelt die Gruppe einen wesentlichen Teil ihrer Versandaktivitäten in der Euroregion Aachen/Heerlen und realisiert Synergieeffekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.» Der Markt für rezeptfreie Medikamente ist umkämpft und wächst. Auch die Konkurrentin Shop Apotheke Europa verfolgt eine Wachstumsstrategie unter anderem durch Zukäufe. Doch Zur Rose will an der Spitze in Europa sein und bleiben. «Wir möchten unsere europäische Marktführerschaft weiter ausbauen. In den ersten neun Monaten lag das Umsatzwachstum im Bereich der rezeptfreien Medikamente in Deutschland bei über 40 Prozent», sagt Oberhänsli.

Mix aus rezeptfreien und rezeptpflichtigen Arzneien

Er fährt fort: «Wir setzen jedoch auf eine Kombination von rezeptpflichtigen und rezeptfreien Arzneimitteln, wobei der rezeptpflichtige Anteil bei uns einen höheren Umsatz ausmacht, etwa im Verhältnis dreiviertel zu einviertel.» Die Demografie, aber auch die Qualität sorge dafür, dass ­rezeptfreie Arzneimittelkunden auch rezeptpflichtige Arzneimittel bestellen.

Von der strategischen Partnerschaft zwischen der Zur-Rose-Tochter Doc Morris und dem Medienunternehmen Ströer, die zuvor Vitalsana besessen hat, erhofft sich Oberhänsli nachhaltige Effekte für das längerfristige Wachstum des Unternehmens: «Wir glauben, dass die reichweitenstarken Medienangebote und Marketing-Möglichkeiten von Ströer weiter zum Wachstum von Doc Morris beitragen werden.» Ströer sei ein führendes Medienhaus in Europa und setze zukunftsweisende Massstäbe bezüglich Innovation, Qualität und gezielter Kundenansprache, erklärt der Zur-Rose-Chef.

Das bedeutet, dass Zur Rose ihre Aktivitäten in den Medien noch verstärken wird, zumindest ausserhalb der Schweiz. Oberhänsli: «In Deutschland werden wir unsere Marketingaktivitäten fortsetzen, um die Versandnachfrage weiter anzukurbeln.»

Das gilt allerdings nicht für die Schweiz, wo man für den Versand und den Onlineversand von rezeptfreien Medikamenten paradoxerweise ein Rezept benötigt. «In der Schweiz, wo der Versand mit rezeptfreien Medikamenten bekanntlich verunmöglicht wurde, macht eine Kampagne wenig Sinn.» Man lege hierzulande den Fokus insbesondere auf Kooperationen mit Krankenversicherern, die aufgrund der steigenden Gesundheitskosten sehr an einer Zusammenarbeit mit Versandapotheken interessiert seien. Wovon letztlich auch die Prämienzahler profitieren würden, zeigt sich Oberhänsli überzeugt.