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Über die Wasserstoffzüge von Stadler lässt sich trefflich streiten

Das Vorhaben der Zillertalbahn hat Gegner und Befürworter, und auch Peter Spuhler macht in seiner Schienenfahrzeugbaufirma zwei Lager aus.
Thomas Griesser Kym
Visualisierung der Designstudie des weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzugs, den Stadler für die Zillertalbahn bauen wird. (Bild: PD)

Visualisierung der Designstudie des weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzugs, den Stadler für die Zillertalbahn bauen wird. (Bild: PD)

Der Wasserstoffantrieb, mit dem die Zillertalbahn eine Handvoll neuer Züge ausrüsten will, hat in Tirol eine Kontroverse ausgelöst. Gespalten in dieser Frage ist auch der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler, bei dem die Zillertalbahn wie Mitte Mai berichtet diese Züge bestellt.

In der «Tiroler Tageszeitung» haben jüngst zwei externe Ingenieure Bedenken angemeldet. Das Projekt sei zu kostspielig und zu risikoreich, es gebe keine Langzeiterfahrungen, der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle sei zu klein, der Energieverbrauch zu hoch. Der stellvertretende Landeshauptmann Josef Geisler, für dessen Regierung die Pläne der Zillertalbahn ein Prestigeprojekt und beste Werbung für den Umweltschutz sind, verteidigt die Wasserstoffzüge. «Die Bahn hätte sich nicht dazu entschlossen, wenn das Ganze zu risikoreich wäre. In ganz Europa sind wasserstoffbetriebene Busse auf dem Vormarsch», wird Geisler in der Zeitung zitiert.

Der Politiker kontert auch die Kritik der Ingenieure, der Wirkungsgrad der Wasserstoff-Brennstoffzellen betrage lediglich 30 Prozent und damit dreimal weniger als jener elektrischer Oberleitungen. In Tat und Wahrheit, so Geisler, betrage der Wirkungsgrad der Brennstoff­zelle 60 Prozent. Einer der kritischen Ingenieure bestätigt das zwar, er bezieht aber die Herstellung des Wasserstoffs mit ein, beginnend beim Strom, mit dem mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt wird und endend bei der Rad-Schienen-Berührung. Unter Einklammerung dieser Prozesse schrumpfe der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle auf 30 Prozent.

Zwei Fraktionen im Hause Stadler

Was sagt Stadler als Hersteller und Lieferant der Züge? Laut Firmenpatron Peter Spuhler gibt es in seinem Unternehmen zwei Fraktionen, wenn es um alternative Antriebe geht. «Die eine favorisiert die Brennstoffzelle, die andere, zu der auch ich gehöre, die Batterie.» Vorerst werde es weiterhin beide Formen geben, und schliesslich werde sich eine durchsetzen. «Das hängt sehr stark auch von der Autoindustrie ab.» Dort ist momentan die Batterie gegenüber der Wasserstoff-Brennstoffzelle im Vorsprung. Über das konkrete Projekt mit der Zillertalbahn sagt Spuhler, «für uns ist das eine gute und spannende Gelegenheit, diesen Antrieb zu testen». Die Kosten seien «nicht günstig», doch die Flotte sei überschaubar. Auch sei das Vorhaben «technologisch anspruchsvoll», aber das bekomme Stadler in den Griff, und für die Brennstoffzelle ziehe man einen externen Partner bei.

Rein wirtschaftlich betrachtet wäre laut Spuhler wohl auch im Fall der Zillertalbahn eine Elektrifizierung am sinnvollsten. Zentral sei aber, dass der Wasserstoff nicht über lange Distanzen herangekarrt, sondern lokal produziert werde. Das sieht die Bahn auch so vor, zumal es im Zillertal vor Wasserkraftwerken nur so wimmelt.

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