UBS in der Boxengasse

Der UBS-Verwaltungsrat versucht den Fall Adoboli zu bewältigen. UBS-Chef Grübel will bleiben, doch kursieren immer mehr Namen für seine Nachfolge.

Georg Ackermann
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Ein Formel-1-Rennauto-Simulator in der Lobby des Hauptquartiers der UBS in Singapur. (Bild: epa/Stephen Morrison)

Ein Formel-1-Rennauto-Simulator in der Lobby des Hauptquartiers der UBS in Singapur. (Bild: epa/Stephen Morrison)

Singapur. Das Treffen des Verwaltungsrates in Singapur hatte sich die UBS anders vorgestellt. Eine Schar Journalisten belagert während des mehrtägigen Meetings den Sitz der Bank im Finanzzentrum. Als für einen Moment Chaos ausbrach, drohte der übereifrige Sicherheitsdienst den Medien gar mit der Polizei. Die UBS-Topmanager benutzten daraufhin Seitentüren.

Betuchte Kunden in VIP-Logen

Die UBS ist der Hauptsponsor des morgigen Formel-1-Rennens. Zahlreiche Spitzenkräfte und deren Familien sind im Stadtstaat. Experten schätzen, dass die Bank eine zweistellige Millionensumme für den exklusiven Deal mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone lockergemacht hat. Gerade am Standort Singapur trifft man auf wohlhabende Kundschaft, die in teuren VIP-Logen bewirtet wird. Dort will die UBS nicht unbedingt Personalprobleme diskutieren.

Auf ein paar peinliche Fragen werden sich die Verantwortlichen aber vorbereiten müssen. Die Wunde des Verlusts von 2,3 Mrd. $, die der Händler Kweku Adoboli in der UBS-Investmentbank verursacht hat, ist noch frisch. Der Verwaltungsrat traf sich erstmals seit dem als «Vorfall» eingestuften Ereignis und erörterte mögliche Folgen. Gestern wurde dem Aufsichtsgremium ein Entwurf des Berichts vorgelegt, der zeigen soll, wie Adoboli die internen Risikokontrollen umgehen konnte. Erst danach sollen mögliche Konsequenzen diskutiert werden.

Nachfolgekarussell dreht sich

Konzernchef Oswald Grübel übernahm verbal die Verantwortung für das Debakel, sagte aber, er wolle deshalb nicht zurücktreten. Im Kreuzfeuer der Kritik steht nun vor allem der Chef der Investmentbank, Carsten Kengeter. Der 44-Jährige war kurz zuvor noch als einer der heissesten Kandidaten für die Nachfolge Grübels gehandelt worden, wenn dieser, so der bisherige Plan, in nicht allzu ferner Zukunft sein Amt niederlegt. Nun aber steigen die Chancen für Sergio Ermotti, der das Geschäft in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten leitet. Medien haben diese Woche zudem zwei neue Namen ins Spiel gebracht: UBS-Verwaltungsrat und «Zürich»-Risikochef Axel Lehmann sowie Deutsche-Bank-Risikochef Hugo Bänziger, früher Credit-Suisse-Manager.

Investmentbank schrumpft

Grübel verteidigte in Singapur seinen langfristigen Plan, die Investmentbank zu behalten, wenn auch in reduzierter Form. Der lukrative Eigenhandel soll ins Wealth Management (Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden) überführt werden, berichten Insider von dem Treffen.

«Wir stehen nicht unter Druck», sagte Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger auf die Frage, ob einige Investoren unruhig geworden seien. Die Bank sei sehr solide. Singapurs Staatsfonds GIC, mit 6,41% drittgrösster UBS-Aktionär, forderte entschiedenes Handeln, bleibt aber zuversichtlich: «Der Entscheid für die UBS wurde aufgrund des längerfristigen Potenzials getroffen.» Als besonders interessant gilt das Geschäft mit reichen Privatkunden.

Spitzenlöhne in Singapur

Dabei verfügt just Singapur über die grösste Dichte an Millionären. Jeder sechste Haushalt gehört dieser Elite an. Laut einer Studie der Bank Julius Bär verdoppelt sich die Zahl der Millionäre in Asien in den nächsten fünf Jahren auf 2,8 Millionen. Entsprechend werden diese Menschen ihr Geld für Luxusgüter oder Reisen ausgeben. Oder anlegen wollen. Man habe in der Region seit Jahresbeginn 300 neue Berater eingestellt, sagt Kathryn Shih, Leiterin UBS Wealth Management Asia-Pacific: «Wir werden weiter in die Kundenakquisition investieren.» Die Löhne für Private Banker liegen bereits über jenen in der Schweiz.