KPMG verliert lukrative Aufträge - dies aber nicht nur wegen ihrer umstrittenen Rolle in der Postauto-Affäre

Nach der Postauto-Affäre verliert KPMG den lukrativen Auftrag bei der Grossbank Credit-Suisse. Doch der Verlust des Mandates geht in erster Linie auf neue Richtlinien der EU betreffend Rechnungsprüfung zurück.

Daniel Zulauf
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Die Reputation von KPMG scheint seit der Postauto-Affäre zumindest angekratzt. (Bild: Alessandro della Bella/Keystone (Zürich, 15. Dezember 201)

Die Reputation von KPMG scheint seit der Postauto-Affäre zumindest angekratzt. (Bild: Alessandro della Bella/Keystone (Zürich, 15. Dezember 201)

Die scharfe Rüge der Eidgenössischen Revisionsaufsicht bedeutet für KPMG als Rechnungsprüferin der Post und der Postauto AG einen ärgerlichen Image­verlust. Doch vor kommerziellen Folgen braucht sich die Nummer drei der «Grossen Vier» im Schweizer Revisionsmarkt deshalb kaum zu fürchten. Selbst in den Bundesbetrieben will man nicht auf Distanz zu den fehlbaren Buchprüfern gehen, obschon sich diese bei der Ausübung des Post-Mandates gemäss Aufsichtsbehörde «teilweise erhebliche Mängel» zuschulden kommen liessen.

Bei Swisscom kontrolliert KPMG seit 2004 die Buchhaltung, und wenn dieser Auftrag im Rahmen der aktuellen Neuausschreibung an einen Konkurrenten verloren gehen sollte, dann hat dies mit der Postauto-Affäre rein gar nichts zu tun: «Die Vorkommnisse bei der Postauto AG hatten weder Auswirkungen auf den Entscheid eine Ausschreibung durchzuführen noch die Revisionsstelle zu wechseln», heisst es bei Swisscom auf Anfrage. Im Übrigen gäbe es «zahlreiche Kriterien, welche die Wahl der Revisionsstelle beeinflussen. Die Reputation ist nur eines davon.» Das Swisscom-Mandat ist lukrativ. Im vergangenen Jahr hat KPMG daraus einen Honorar­ertrag von über drei Millionen Franken generiert.

Publica ortet keinen Handlungsbedarf

Auch Ruag plant eine Neuausschreibung des Revisionsmandates, mit dem KPMG 2017 über eine Million Franken eingenommen hat. Grund für die Neuausschreibung sei die vom Bundesrat beschlossene Entflechtung von Ruag in zwei getrennt operierende Betriebe. Davon abgesehen sind die Prüfmängel von KPMG für Ruag aber irrelevant. Im Unterschied zur Postauto AG erhalte man keine Bundesgelder. Selbst bei Publica, der Pensionskasse des Bundes, sieht man keinen relevanten Zusammenhang zwischen den Vorfällen bei der Post und dem eigenen Rechnungsprüfer. «Die beiden im Bericht der Revisionsaufsicht erwähnten Mitarbeiter von KPMG sind oder waren nicht Mitglieder des Prüfteams von Publica», antwortet deren Direktor Dieter Stohler auf Anfrage. «Wir haben das Revisionsmandat vor kurzem neu ausgeschrieben und in ei­nem Mehrjahresmandat vergeben. Die KPMG als Gewinnerin dieser Ausschreibung wird auch im Jahr 2019 als Revisionsstelle von Publica tätig sein und geniesst weiterhin unser Vertrauen.» Immerhin nimmt die Suva, ein weiterer öffentlicher KPMG-Kunde, die Ereignisse bei der Postauto AG und die Rüge der Aufsichtsbehörde «zur Kenntnis». «Die Informationen werden in die periodisch durchgeführte Evaluation der Zusammenarbeit mit KPMG einfliessen», teilte eine Sprecherin mit. Naiv ist offensichtlich die Vorstellung, dass es neben der Rüge der Revisionsaufsicht auch einen Markt gibt, der die Buchprüfer für Verhaltensfehler tatsächlich bestraft. Jedenfalls scheint die schlechte Auftragsausführung von KPMG in einem Referenzbetrieb wie der Post nicht einmal die Wettbewerbsposition der Revisions­firma in anderen öffentlichen Betrieben zu schwächen.

Mehr ins Gewicht scheint dagegen die neue EU-Direktive zu fallen, nach der ein Revisionsmandat maximal zehn Jahre dauern und um maximal zehn Jahre verlängert werden darf. Aufgrund dieser Verordnung soll KPMG das Prüfmandat bei der Credit Suisse auf Anfang 2020 an den Schweizer Marktführer PWC verlieren. Mandate bei global tätigen Finanzkonzernen gelten in der Revisionsbranche nicht nur als prestigeträchtig, sondern sie sind vor allem besonders lukrativ. KPMG, die das Credit-Suis­se-Mandat seit 28 Jahren ausübt, erwirtschaftete damit 2017 rund 60 Millionen Franken oder zehn Prozent des Gesamtumsatzes. Für PWC muss der voraussichtliche Gewinn des Mandates aber nicht zwingend ein grosser Mehrumsatz bedeuten. Vielmehr kann der Marktführer (Jahresumsatz 764 Millionen Franken) der Zukunft nun etwas gelassener entgegenblicken. Aufgrund der EU-Direktive muss PWC nämlich damit rechnen, in absehbarer Zeit und nach ganzen 35 Jahren das lukrative Mandat bei der Zurich Versicherung (Honorarumsatz 55 Millionen Franken) an die Konkurrenz zu verlieren.

Auch die UBS wird das Revisionsmandat, das seit vielen Jahren beim Buchprüfungskonzern EY aufgehoben ist, bis spätestens 2024 neu ausschreiben müssen. Hier geht es um ein Honorar­volumen von über 70 Millionen Franken. Die EU-Direktive schickt die «Big Four» im Schweizer Revisionsmarkt also auf die «Reise nach Jerusalem». Zumindest bei den internationalen Finanzkonzernen wird nicht mehr jede Revisionsgesellschaft ein freies Plätzchen finden, wenn die Musik aufhört zu spielen. Nach der Fusion zwischen SBG und Bankverein (1998) und dem Verkauf der Winterthur Versicherungen an Axa (2006) gibt es in dem Sektor noch drei Mandate auf vier Bewerber zu verteilen.