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U-Bahn-Auftrag: Stadler muss weiterwarten

Gerichtsfall 20 U-Bahn-Züge mit 80 Wagen wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bei der Stadler Pankow GmbH bestellen, der Berliner Tochtergesellschaft des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler. Wert der Bestellung: 111,7 Millionen Euro (gut 130 Millionen Franken). Rivale Siemens zieht jedoch alle Register, um dies zu verhindern. Gegen die geplante Auftragsvergabe hatte der Münchner Konzern bei der Vergabekammer Beschwerde eingereicht, weil die BVG den Auftrag ohne Ausschreibung an Stadler vergeben wollen. Nachdem die Kammer die Beschwerde vor zwei Wochen abgewiesen hat, hat Siemens nun Klage beim Kammergericht eingereicht. Wann dieses entscheiden wird, steht noch nicht fest.

Hintergrund des Streits ist, dass die BVG eine Notlage geltend machen: Wegen Rissen in alten Doppelwagen, die teils fast 40 Jahre auf dem Buckel haben, drohe der Berliner U-Bahn ab 2019 ein Fahrzeugmangel und damit eine Beschränkung des Angebots auf der Linie U5. Die BVG wollen zur Abhilfe neue Wagen bestellen – bei Stadler Pankow, weil diese bereits an Neufahr­zeugen für die U-Bahn arbeitet. Diese sind zwar eigentlich für die Linien U1 bis U4 vorgesehen, auf der schmalere Kleinprofilwagen verkehren, können aber zur Überbrückung auf der Grossprofillinie U5 temporär mit breiteren Trittbrettern ausgerüstet werden, um die Lücke zwischen Wagen und Perron zu schliessen.

«Weder willens noch fähig»

Die BVG argumentieren, nur Stadler sei in der Lage, die dringend nötigen Wagen für die U5 in so kurzer Zeit zu liefern, weshalb auf eine Ausschreibung verzichtet worden sei. Die Vergabekammer hat diese Sichtweise gestützt und befunden, Siemens sei weder willens noch fähig, neue Züge in der erforderlichen Frist zu liefern. Siemens kontert, die alten Wagen könnten nach einer Sanierung noch länger verkehren; eine Notbestellung sei daher unzulässig. Der Konzern äussert dabei die Befürchtung, die Züge, welche die BVG bei Stadler bestellen wollen, reduzierten das Volumen eines aufgegleisten Grossauftrags der Berliner U-Bahn. Die BVG halten dagegen, die 80 Wagen würden auf diesen Grossauftrag, der die Beschaffung von 1000 neuen Wagen bis 2035 in mehreren Tranchen vorsieht, zusätzlich draufgepackt. (T. G.)

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