«Typischen Gast gibt es kaum mehr»

Jugendherbergen, Anbieter von Ferienwohnungen und Campingplatz-Betreiber spüren einen Aufwärtstrend. Fredi Gmür, Präsident von Parahotellerie Schweiz, sieht die Strategie bestätigt.

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Herr Gmür, die Mitglieder von Parahotellerie Schweiz liegen diesen Sommer bei den Übernachtungszahlen im Plus. Sind Sie rundum zufrieden?

Fredi Gmür: Wir sind sicher froh, dass die Talsohle durchschritten und der Trend wieder positiv ist. Auffällig war in diesem Sommer: Das bereits kurzfristige Buchungsverhalten der Gäste ist noch kurzfristiger geworden. Das erschwert zum einen die Planung für uns Anbieter, zum andern ist die Abhängigkeit vom Wetter enorm. Gerade in den Feriendestinationen in den Bergen ist die Wetterlage alles entscheidend. So kamen im Mai und Juni wegen des schlechten Wetters wenig Gäste, der Juli und August waren dagegen sehr gut.

Kann man bereits das Fazit ziehen, dass die Branche den Währungsschock mittlerweile komplett verdaut hat?

Gmür: Verdaut wäre zu weit gegriffen. Man darf nicht vergessen, dass der Sommer 2012 sehr schwierig war. Aber das vorliegende Resultat stimmt zuversichtlich.

Sie sind auch oberster Chef der Schweizer Jugendherbergen. Diese haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Moderne Architektur, mehr Komfort sind zwei Stichworte. Wie sehen die Schweizer Jugis in ein paar Jahren aus?

Gmür: Die Jugendherberge war in der Vergangenheit eine Stätte der Begegnung – und das soll sie auch in Zukunft sein. Auch wenn sich das Zielpublikum verändert hat: Früher waren die Gäste primär Schulklassen und Jugendliche, heute auch Familien und ältere Leute. Der Jugi-Gast ist nach wie vor jemand, der Gemeinschaft und Austausch sucht. Entsprechend ausgerichtet sind auch die Jugendherbergen. Es hat Schlafräumlichkeiten unterschiedlicher Grösse: heute Doppelzimmer für Pärchen, Familienzimmer mit vier bis sechs Betten, aber auch weiterhin Mehrbettzimmer für Gruppen und Schulklassen. Die Zimmer sollen primär zum Schlafen sein, treffen sollen sich Gäste im Aufenthalts- und Essbereich. Jugendherbergen mit Massenschlägen gibt es nicht mehr.

Hat sich dieser Wandel ausgezahlt?

Gmür: Definitiv. Wir bauen einen Betrieb nach dem anderen in diese Richtung um. Sei es durch Renovationen oder durch Neueröffnungen. Gleichzeitig wollen wir aber auch versuchen, an unseren historischen Gebäuden festzuhalten. Solche historische Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist etwas Besonderes und verstehen wir als unseren Auftrag. Entsprechend werden hier Anpassungen nur im Kleinen vorgenommen und der Komfort der Historie angepasst.

Gibt es den typischen Jugi-Gast noch?

Gmür: Ganz generell gibt es im Tourismus den typischen Gast immer weniger. Unsere Gesellschaft hat den Gast zum hybriden Gast gemacht. Die eine Woche verbringt er mit der Familie auf dem Zeltplatz, während des Wellness-Wochenendes logiert er dann mit seiner Frau im 5-Sterne-Hotel und die Woche darauf nächtigt er mit Bike-Kollegen in Jugendherbergen und SAC-Hütten. Den typischen 5-Sterne-Gast, den typischen Ferienwohnungsgast und typischen Jugi-Gast gibt es nicht mehr. Der Gast wählt seine Unterkunft je nach Angebot und Betätigungsfeld auf seiner Reise aus. Interview: Stefan A. Schmid