Turnaround bei Kuoni ist in Sicht

Nach einigen Jahren in der tiefroten Verlustzone sieht sich Kuoni-Besitzerin DER Touristik Suisse auf Kurs. In diesem Jahr will der Reiseveranstalter die Gewinnschwelle erreichen.

Luana Rossi
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Ein Kuoni-Werbebanner an einer Wand in der Stadt Zürich. (Bild: Michele Limina/Bloomberg (6. Januar 2016))

Ein Kuoni-Werbebanner an einer Wand in der Stadt Zürich. (Bild: Michele Limina/Bloomberg (6. Januar 2016))

Das Schlimmste scheint vorbei: Nachdem der defizitäre Reiseveranstalter Kuoni 2016 von der deutschen DER-Touristik-Gruppe übernommen wurde, machte dieser vor allem mit Sparprogrammen Schlagzeilen. Die Umstrukturierungen und die Verunsicherung bei den Kunden sorgten für stetige Verluste.

Doch nun rechnet die Inhaberin DER Touristik Suisse für das laufende Geschäftsjahr erstmals mit schwarzen Zahlen bei Kuoni. «Wir haben Leck geschlagen, doch das Schiff schwimmt wieder», fasste Länderchef Dieter Zümpel die letzten Jahre am Mittwoch vor den Medien bildhaft zusammen. «Wir schaffen in diesem Jahr den Turnaround.»

Im vergangenen Jahr steigerte die Kuoni-Gruppe den Gesamtumsatz auf 654 Millionen Franken, zudem sei der Betriebsverlust (Ebitda) im vergangenen Jahr auf noch 3 Millionen Franken geschrumpft. Das sei eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr 2017, sagte Zümpel, ohne genaue Zahlen zu nennen. Zurückzuführen sei die positive Entwicklung auf mehrere Massnahmen wie ein rigoroses Kostenmanagement. Dazu gehörte auch der Abbau von über 100 Stellen. Heute zählt die Gruppe noch 1100 Angestellte, die sich gut 800 Vollzeitstellen teilen. Zudem wurden die Marken Helvetic Tours und Kuoni auf die Plattformen des deutschen Mutterkonzerns überführt. Und laut Zümpel haben Anbieter für massgeschneiderte Reisen das Geschäft massgeblich getragen.

Pflanzengiessen gegen Gebühr

In Zukunft will DER Touristik Suisse durch Zukäufe, aber auch aus eigener Kraft wachsen. Dank des Mutterkonzerns kann Kuoni heute mehr Hotels anbieten. Im Rahmen eines Pilotprojektes können Kunden in Zürich via Kuoni einen sogenannten Home-Sitting-Service während ihrer Abwesenheit buchen. Dabei übernimmt eine Start-up-Partnerfirma etwa das Pflanzengiessen und Briefkastenleeren.

Trotz der Turnaround-Prognose sind die Aussichten unsicher. Denn für das laufende Jahr hatte sich die Geschäftsleitung etwas mehr erhofft, nach Schätzungen Zümpels liegen die Buchungen für den Sommer im ganzen Markt rund 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Woran das liege, wisse er selber nicht so genau. Möglicherweise sei der Rückstand nicht zuletzt der nostalgischen Erinnerung an den schönen Sommer 2018 geschuldet. Bei anhaltend hohen Temperaturen werde die Rigi dem Sandstrand auf Mallorca vorgezogen, so Zümpel. «Das schöne Wetter hilft uns derzeit sicher nicht.»

«Werden mit Preisabschlägen reagieren müssen»

Viel grösser dürfte allerdings die Ungewissheit sein in Bezug auf die Auswirkungen der aktuellen Klimadebatte. «Die Diskussionen werden bestimmt anhalten, wenn auch nicht derart hitzig, wie sie heute geführt werden», sagt Zümpel im Gespräch. Man nehme das Thema aber ernst und wolle die Anstrengungen verstärken. So sei DER Touristik Suisse der erste grosse Reiseveranstalter der Schweiz, der das Nachhaltigkeitslabel «TourCert» für verantwortungsvollen Tourismus erhalten habe.

Die Frage, weshalb die Buchungen stocken, bleibt unbeantwortet. Klar ist hingegen, dass die Zurückhaltung der Kunden Folgen auf die Preise haben dürfte. «Auch wir werden mit Preisabschlägen reagieren müssen, wenn die Buchungen weiterhin ausbleiben», so Zümpel.

Reiselust der Schweizer unverändert hoch

Nach dem bereits sehr guten Vorjahr ist die Reiselust der Schweizer Bevölkerung heuer nochmals gewachsen. Die grossen Reiseveranstalter rechnen mit 4 bis 6 Prozent mehr Buchungen für Ferien in diesem Sommer und Herbst.

Mit Expeditionsreisen zum Erfolg: Rekordergebnis für Knecht Reisen

Allen Umweltbedenken zum Trotz: Knecht Reisen blickt auf das beste Ergebnis seiner Geschichte zurück. Die Beratung in den Filialen werde wieder mehr geschätzt. Dass in der Klimadebatte oft der Tourismus an den Pranger gestellt werde, stört den Chef.
Benjamin Weinmann