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Die nächste Wintersaison wird teurer: die wichtigsten Fakten zu den Preisen

Die Preise steigen, es kommen mehr Gäste – und die Bergbahnen verdienen noch immer zu wenig Geld.
Niklaus Vontobel
Teurer Spass: Die Ticketpreise geben auch vor dieser Saison zu reden. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Teurer Spass: Die Ticketpreise geben auch vor dieser Saison zu reden. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Sie wird teurer werden, die nächste Wintersaison in der Schweiz. Hotels und Restaurants gehen davon aus, ihre Preise in den nächsten drei Monaten steigern zu können. Genauer gesagt: Mehr als die Hälfte aller befragten Betriebe glaubt, mehr verlangen zu können. Das zeigen neue Zahlen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Dass die Tourismusindustrie an höhere Preise glaubt, ist das erste Mal überhaupt seit 8 Jahren. Es ist eine Trendwende.

Höhere Preise lassen bei den Gästen die Wogen hochgehen. Die «Schweiz am Wochenende» stellte kürzlich fest: von 9 grossen Skigebieten werden 6 nächstes Jahr mehr verlangen für die Skitickets.

Die Nachricht wurde in den Internetforen mit Häme quittiert: «Höchste Preise, minimalste Leistung – so schafft man sich selber ab.» Oder dann wurden die Kritiker kritisiert: Preise wie im Ausland zu haben, gleichzeitig höhere Löhne, das gehe nicht zusammen. «Wer tiefere Preise fordert, dem sollte man den Lohn kürzen.»

Jan-Egbert Sturm, Konjunkturforscher. (Bild: Keystone)

Jan-Egbert Sturm, Konjunkturforscher. (Bild: Keystone)

Eine andere Sicht hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Leiter Jan-Egbert Sturm: «Allgemein sind die Preise hierzulande moderater gestiegen als im Ausland.» Und dann sind die hierzulande hohen Preise anscheinend unvermeidlich.

So hat Sturm Verständnis dafür, dass die Branche zuletzt die Chance nutzte, als der Franken schwächelte. Die Preise gingen rauf. Sturm:

«Man wollte die Margen heben, teilweise waren sie sehr schlecht.»

Mit anderen Worten: Wintersport ist in der Schweiz nicht billig zu haben. Sonst fehlen den Hotels und Bergbahnen die Einnahmen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, die Zimmer zu renovieren – oder einen neuen Skilift zu bauen. Das gilt auch nach dem letztem Winter, der mehr Gäste auf die Pisten lockte. Wetterglück half, und ein schwächerer Franken. Doch als die Hochschule Luzern die Bücher der Bergbahnen auswertete, kam sie zum selben Schluss wie in den Jahren davor:

«Viele Bahnen werden Mühe haben, das Geld zu verdienen, um nötige Investitionen zu zahlen.»

Ohne hohe Preise geht es nicht, dennoch hat sich viel verändert auf der touristischen Hochpreisinsel Schweiz. In der Hotellerie etwa lagen die Preise im Dezember 2018 rund 10 Prozent tiefer als noch im Dezember 2010. Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Zuvor gingen die Preise drei Jahrzehnte lang mehr oder weniger ständig nach oben.

Vergleich mit Österreich fällt schmeichelhaft aus

Eine ähnliche Wende haben die Bergbahnen zwar nicht vorzuweisen. Im Dezember 2018 wurde im Schnitt rund 10 Prozent mehr verlangt als im Dezember 2010. Das zeigen landesweite Zahlen für Bergbahnen und Skilifte. Doch in den letzten zwei, drei Jahren mussten sich die Bahnen zurückhalten. Die Preise gingen kaum noch nach oben, und zwischenzeitlich gar etwas nach unten.

Nicht nur das. Im Vergleich mit Österreich waren hierzulande die Bergbahnen gar Musterknaben, wenn auch vielleicht unfreiwillige. Dieser Schluss lässt sich ziehen aus einer Erhebung von Laurent Vanat. Der Wintertourismus-Experte hat die Preise der jeweiligen nationalen «Top Ten»-Bergbahnen verglichen. Die Schweizer Top Ten wurden seit dem Winter 2006 um 22 Prozent teurer, in Franken gerechnet. In Österreich hingegen ging es schneller nach oben. In Euro sind die Preise um 41 Prozent gestiegen.

Kanton Wallis hilft seinen Bahnen via Sondergesetz

Bergbahnen-Experte Vanat setzt noch eins drauf. Als Wintergast, der über hohe Schweizer Preise staunt, mag man es nicht glauben. Aber laut Vanat wurde zuletzt im Schnitt weniger bezahlt als vor drei Jahren, um sich einen Tag lang rauf und runter fahren zu lassen. Denn offizielle Ticketpreise sind die eine Seite. Die andere Seite sind Rabatte, Ermässigungen, Freikarten, Sonderaktionen und so weiter. Derlei mussten die Bahnen zuletzt öfter anbieten. Die Folge: Im Schnitt zahlt der Gast pro Tag weniger – und die Bergbahnen haben weniger Einnahmen.

Auf diesen Trend hat das Wallis bereits reagiert. Via Sondergesetz fliessen künftig öffentliche Gelder in solche Bergbahnen, die ihre Investitionen nicht aus eigener Kraft stemmen können. Denn nach einigen Jahren müssen entweder Seile oder Gondeln ersetzt – oder dann Betriebe eingestellt werden.

Zumindest sind die Aussichten für die nächste Saison nicht schlecht. Auch wenn der Franken zuletzt wieder stärker wurde: Die Bergbahnen würden rund 1 Prozent mehr Gästebesuche haben, so die Konjunkturforschungsstelle in der Prognose. Damit setze sich der Aufschwung fort, welchen die Branche in den letzten beiden Jahren erlebte. Die Zahl der Übernachtungen werde weiter zunehmen. Und eben auch die Preise würden nochmals steigen, zum Leidwesen der Gäste. Für all diese Prognosen werden indessen «durchschnittliche Witterungsbedingungen vorausgesetzt». Doch «durchschnittlich» war das Wetter in den letzten Wintern nie.

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