Trotz Boom ist Vorsicht angebracht

Zur Sache

Ernst Meier
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Die Stimmung an den Börsen von Zürich, New York oder Frankfurt könnte nicht besser sein. Die Halbjahreszahlen, welche die Unternehmen in den letzten Wochen präsentierten, waren mehrheitlich sehr gut. Entsprechend stiegen die Kurse. Die Schweizer Börsenindizes SMI und SPI legten innert Wochenfrist um fast ein Prozent zu. Seit Anfang Jahr beträgt das Plus knapp 10 respektive 15 Prozent.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Aktienmärkte nun schon seit neun Jahren steigen. In der Finanzkrise ging es rasant abwärts. Erst im Frühling 2009 kehrte das Vertrauen langsam zurück. Mit viel billigem Geld geben die Notenbanken seither der Wirtschaft Schub. Weil Obligationen und das Bankbüchlein keinen Zins mehr bringen, fliesst das Geld in Aktien. Hier locken saftige Kursgewinne und Dividenden- erträge.

Von Übertreibungen an den Börsen, wie beim Internetboom oder vor der Finanzkrise, kann derzeit nicht gesprochen werden – auch wenn einzelne Titel stolz bewertet sind. Solange die Zinsen historisch tief bleiben und die Unternehmensgewinne stimmen, kann auch die Börsen­party andauern.

Was Anleger heute aber ausblenden, sind geopolitische Gefahren. Weder ein unberechenbarer US-Präsident Donald Trump, noch die Drohungen aus Nordkorea oder die Abhängigkeit vom chinesischen Konsum beunruhigen die Börsen. Das ist trügerisch. Ein globales Negativereignis – ein grosser Terroranschlag, eine Epidemie – kann die Stimmung schlagartig umkehren und schöne Buchgewinne zunichtemachen. Seite 7