Tröpfel: Eine Erfolgsgeschichte

Es gibt sie auch im Thurgau: Die kulinarischen Senkrechtstarter, die innert kürzester Zeit nicht nur eine Nische erfolgreich besetzen, sondern sich auch überregional einen guten Namen geschaffen haben. Zum Beispiel die Tröpfel GmbH Mammern

Christof Lampart
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Marktlücke genutzt: (v. l.) Patricia Dähler und Esther Schaefer. (Bild: Nana do Carmo)

Marktlücke genutzt: (v. l.) Patricia Dähler und Esther Schaefer. (Bild: Nana do Carmo)

Mammern. Der Anfang war exotisch. «Ich habe vor einigen Jahren mal einen Ananas-Schaumwein probiert, der viel zu süss war. Aber ich dachte mir: da müsste man doch etwas machen können», sagt Patricia Dähler-Kraus. Es war so um das Jahr 2004 herum, als sie anfing, für sich ein wenig zu experimentieren. «Ich habe hinter der Theke Apfel- und Traubensaft gemischt und für mich die verschiedensten Varianten ausprobiert», lacht Dähler, welche zusammen mit ihrem Mann das Restaurant Klingenzellerhof in Mammern führt.

Kapital und Namen

Als dann am 1. Januar 2005 die Alkohol-Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 Promille sank, bekam das Projekt neuen Auftrieb. «Wir haben bei uns einige Hochzeitsgesellschaften. Und diese wollten zum einen so früh am Tag nicht mehr so viel Alkohol trinken und zum anderen erhielt ich immer öfters von Gästen die Rückmeldung, dass Orangensaft und Mineralwasser doch nicht so das Wahre in Sachen alkoholfreie Alternative seien», erzählt Dähler. Äpfel hatte sie für einen ersten Versuch genug – besass doch ihr Vater 150 Hochstammbäume. Jetzt fehlten nur noch die Trauben. Diese fand sie beim Vater von Esther Schaefer. Mehr noch: Esther Schaefer erklärte sich nicht nur dazu bereit, Trauben und Kapital einzuschiessen, sondern brachte auch gleich noch den Namen mit: «Ich fand, dass das Getränk Tröpfel heissen sollte, weil es eben eine thurgauische Mischung aus Truube und Öpfel ist», lacht Esther Schaefer. Vieles war also in relativ kurzer Zeit geschehen, doch ein grundlegendes Problem liess sich fast nicht lösen: Wer produziert den Tröpfel? Denn die Menge des ersten Jahrgangs, 900 Flaschen, war für die normalen Grossproduzenten viel zu gering. Schliesslich fanden sie den Produzenten im Steckborner Othmar Lampert, welcher in seinem Keller noch eine alte Champagnerabfüllanlage stehen hatte. Lampert ist heute noch der Tröpfel-Produzent. «Er war sofort Feuer und Flamme für unser Projekt», so Schaefer. Wie es sich schnell einmal herausstellen sollte, reichten die 900 Flaschen nirgends hin und waren nach drei Monaten verkauft.

Rasanter Verkaufsanstieg

Die 6500 Flaschen im zweiten Jahr fanden fast ebenso schnell ihre Käufer, so dass Schaefer und Dähler sich im dritten Jahr an 16 500 Flaschen wagten. «Meinem Mann ging das fast ein wenig zu schnell und er dachte schon, dass wir Konkurs gehen würden», erinnert sich Dähler. Doch dem war mitnichten so. Der Absatz stieg und stieg und ist mittlerweile bei deutlich über 20 000 Flaschen im Jahr angelangt. Rund 70 unterschiedlichste Verkaufsstellen wie Lebensmittelgeschäfte oder Restaurants bieten mittlerweile den Tröpfel alleine oder in Kombination mit eigenen Spezialitäten an.

Es gab auch eine Ausweitung des Sortiments: Neben den beiden «Weissen» (demi-sec und brut) ist seit vergangenem Herbst ein Rosé im Programm, den erstaunlich viele Männer sehr gerne trinken», hat Dähler festgestellt. Und auch dieser scheint ein Verkaufsschlager zu werden. «Wenn wir den weiter so wie bis anhin absetzen, dann haben wir bald keinen mehr», weiss Dähler mit Blick auf die Tröpfel-Reserven.

Ungebremste Nachfrage

Da die Nachfrage ungebremst steigt, sind die beiden Tröpfel-Erfinderinnen stets auf der Suche nach neuen Obstlieferanten. 15 Trauben- und vier Apfelproduzen- ten werden es im nächsten Herbst sein. Dabei schauen die Macherinnen, dass sämtliche Früchte aus der weiteren Region Thurgau/Schaffhausen/Zürich kommen. Ein Bauer in Andelfingen pflanzte sogar extra für Tröpfel Weinreben an. «Wir könnten auch Trauben aus Brasilien für einen Bruchteil von dem bekommen, was wir jetzt den Winzern zahlen; aber uns ist dies sehr wichtig, dass wir wissen, woher unsere Rohstoffe stammen», so Schaefer. Diese Fokussierung auf Authentizität und Regionalität hat den Tröpfel mittlerweile zur bekannten Marke gemacht, so dass dieses Geschäft nicht mehr einfach so nebenbei laufen kann. «Wir arbeiten rund 50 Prozent für Tröpfel und es wird von Jahr zu Jahr eigentlich mehr», hat Dähler ausgerechnet. Und davon, dass der alkoholfreie Schaumwein eventuell die berufliche Existenz des Gatten gefährden könnte, kann schon lange nicht mehr die Rede sein.

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