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Liechtenstein will Treuhänder stärker überwachen

Eine schärfere Aufsicht soll das Vertrauen der internationalen Kunden in den Finanzplatz Liechtenstein verbessern.
Günther Meier aus Vaduz
Das Regierungsgebäude in Vaduz, wo auch der Staatsgerichtshof tagt. Ein ehemaliger Präsident des Gerichtshofes stand als Treuhänder selber im Zentrum eines Veruntreuungsfalls. (Bild: Alamy)

Das Regierungsgebäude in Vaduz, wo auch der Staatsgerichtshof tagt. Ein ehemaliger Präsident des Gerichtshofes stand als Treuhänder selber im Zentrum eines Veruntreuungsfalls. (Bild: Alamy)

Liechtenstein arbeitet seit der Finanzkrise 2008 daran, international als ein sauberer Finanzplatz wahrgenommen zu werden. Doch der Glanz erhält immer wieder Kratzer durch kriminelle Machenschaften im Treuhandwesen. Grosses Aufsehen erregte der Fall eines ehemaligen Präsidenten des Staatsgerichtshofes, der als Treuhänder die ihm anvertrauten Gelder nicht treu verwaltete, sondern für eigene Zwecke abzweigte.

Das Kriminalgericht verurteilte ihn, der für seine Verdienste für das Justizwesen von Fürst Hans-Adam II. mit dem Titel «Fürstlicher Justizrat» geadelt worden war, zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Betrug, Veruntreuung und Geldwäscherei.

Griff in fremde Schatullen

Auch andere Treuhänder konnten der Versuchung nicht widerstehen, einen Griff in fremde Schatullen zu machen, um einen aufwendigen Lebensstil damit zu finanzieren. Bei den Deliktsummen handelt es sich aber meist nicht um Bagatellfälle, sondern in den Kassen gähnen Finanzlöcher von vielen Millionen. Als positiv an den Verurteilungen der Treuhänder wird in die Waagschale geworfen, dass die Strafverfolgung bei Finanzdelikten funktioniert. Die Kehrseite dagegen ist der Vertrauensverlust für die Treuhandbranche und damit auch für den Finanzplatz Liechtenstein. Die Regierung sieht deshalb Handlungsbedarf, um Missbräuchen und Fehlentwicklungen im Treuhandsektor einen Riegel schieben zu können.

Die Regierung ist nun bestrebt, mit einer Verschärfung des Treuhändergesetzes effektivere Instrumente für die Aufsicht der Treuhandbranche zu schaffen, um Missbräuche möglichst verhindern zu können. Man ist sich allerdings bewusst, auch in Zukunft nicht jede Art von Missbrauch verhindern zu können, doch sollen die Verschärfungen in der Aufsicht das Vertrauen der Kunden fördern. Die Stellung der Finanzmarktaufsicht (FMA) soll gestärkt werden, die künftig nicht erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung eines Treuhänders einschreiten kann, sondern schon früher bei Verdachtsfällen.

Um Interessenskonflikte zu vermeiden, wird eine strikte Trennung von Kundenmitteln und Eigenmitteln der Treuhänder verlangt. Eine rein buchhalterische Trennung von Eigen- und Fremdmitteln genügt künftig nicht mehr. Hintergrund dieser Massnahme bildet laut Regierung die Tatsache, dass die Vermischung von Eigen- und Fremdgeldern eine der Ursachen für die Verfehlungen von Treuhändern in jüngster Vergangenheit waren. Auch Eigengeschäfte, also der Abschluss von Geschäften, um sich einen Vorteil mit der Gewährung von Darlehen oder Krediten zu verschaffen, sind in Zukunft nicht mehr gestattet. Erhöht werden Voraussetzungen, um eine Bewilligung zu erlangen: Die Treuhänder werden verpflichtet, anerkannte Rechnungslegungsvorschriften zu befolgen und die Rechnung durch eine externe Revisionsstelle prüfen zu lassen. Während bisher ein wirksames Risikomanagement nur in den Standesregeln der Treuhandkammer enthalten war, werden die Treuhänder neu per Gesetz zur Einrichtung eines Risikomanagements verpflichtet. Damit sollen unternehmerische Risiken frühzeitig erkannt werden.

Möglichen Missbräuchen vorbeugen

Die Verschärfung der Aufsicht und die Verpflichtung zur Risikovermeidung haben laut Regierung das Ziel, die Qualität im Treuhandsektor zu erhöhen, das durch die Skandale erschütterte Vertrauen in die Branche zu stärken und präventiv möglichen Missbräuchen vorzubeugen. Obwohl die Treuhandkammer ihre Standesrichtlinien verschärfte, reicht die bisherige Selbstregulierung der Branche nicht mehr aus, die hohen Anforderungen zur Erhaltung der Reputation des Finanzplatzes zu erfüllen. Mit den Verschärfungen im revidierten Treuhandgesetz soll das Vertrauen der internationalen Kundschaft gewonnen werden.

Aber auch für den Staat steht einiges auf dem Spiel: Im Treuhandsektor, der 23 Prozent zum Bruttonationaleinkommen beiträgt, arbeiten rund 2500 Beschäftigte. Die 152 Treuhänder und 243 Treuhandgesellschaften kümmern sich um rund 35000 Stiftungen, Trusts und Aktiengesellschaften, die auf dem Finanzplatz Liechtenstein registriert sind.

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