TOURISMUS: Es geht aufwärts

Die Schweizer Hotellerie verzeichnet ein Plus von 4,4 Prozent bei den Logiernächten. In der Ostschweiz herrscht hingegen Stagnation. Im Thurgau sind die Übernachtungen sogar zurückgegangen.

Stefan Borkert
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Wassersportarten wie Wakeboarden locken auch jüngere Touristen in den Thurgau, wie zum Beispiel nach Berlingen am Untersee. (Bild: PD)

Wassersportarten wie Wakeboarden locken auch jüngere Touristen in den Thurgau, wie zum Beispiel nach Berlingen am Untersee. (Bild: PD)

Stefan Borkert

Aufatmen in den meisten Schweizer Hotelbetrieben. Insgesamt waren im ersten Semester 2017 738000 Betten mehr belegt, als im gleichen Zeitraum des Jahres zuvor. Das entspricht einem Plus von landesweit 4,4 Prozent. Laut dem Bericht des Bundesamts für Statistik (BfS) zu den Beherbergungszahlen ist sowohl die inländische wie auch die ausländische Nachfrage gestiegen. Die ausländischen Übernachtungen haben demnach zahlenmässig um 428000, also 4,7 Prozent auf 9,5 Millionen und die inländischen um 4 Prozent, also 310000 auf 8,1 Millionen zugenommen. Der schwächste Monat war dabei der Februar mit einem Minus von 1,5 Prozent. Der stärkste Monat war der Juni mit einem Plus von 9,5 Prozent.

Vor allem die Monate Mai und Juni seien gut gelaufen, sagte Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das schöne Wetter über die Feiertage Pfingsten und Auffahrt hätten in den Bergregionen für mehr Gäste gesorgt. Der Tourismus in der Schweiz hat dabei nicht nur vom guten Wetter, sondern auch von der starken Nachfrage durch asiatische Gäste profitiert. Hier stiegen die Übernachtungszahlen um 15,4 Prozent (+287000), während der amerikanische Kontinent eine Zunahme um gut 10 Prozent oder 119000 Logiernächte verbuchte. Das sei erfreulich, seien die Gäste aus Asien und Amerika nicht zuletzt wegen Terroranschläge in Europa im vergangenen Jahr ausgeblieben, sagte Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV) gegenüber der SDA. Zudem würde der Mittelstand in Asien wachsen, und die Schweiz werde populärer.

Der schwächere Franken spiegle sich noch nicht in den Zahlen wider, sagte Gisi. So waren die Besucherzahlen aus einzelnen europäischen Ländern rückläufig. Dazu gehören insbesondere das Vereinigte Königreich (–4,1 Prozent), Frankreich (–2,7 Prozent) sowie Italien (–2,7 Prozent). Das wichtigste und preissensitive Gästeland Deutschland verzeichnete mit 1,85 Millionen Logiernächten ­einen Rückgang von 0,1 Prozent.

Deutliches Minus im Thurgau

Der landesweite Trend lässt sich nicht eins zu eins auf die Ostschweiz übertragen. Im Thurgau sind die Logiernächte um rund 6900 oder 3,6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 zurückgegangen. Noch schlimmer hat es Appenzell Ausserrhoden getroffen. 7,7 Prozent oder 4400 Logiernächte weniger muss der Halbkanton in den ersten sechs Monaten verkraften. Für positive Zahlen sorgte hingegen Appenzell Innerrhoden mit einem Plus von 3,4 Prozent oder gut 1900 Logiernächten mehr. Der Kanton St. Gallen konnte ebenfalls leicht zulegen. 1,6 Prozent oder rund 7400 Übernachtungen mehr als in der Vorjahresperiode haben hier die Hotels verbucht.

Es sind gerade die asiatischen Gäste, die für den Aufwind sorgen. Wie aber bekommt man diese in die Ostschweiz? Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus weiss eine Antwort: «In der Ostschweiz gibt es zwei touristische Anziehungspunkte für asiatische Gäste. Zum einen der Rheinfall in Schaffhausen und das Unesco-Weltkulturerbe, die Stiftsbibliothek, in St. Gallen.» Ein solcher Touristenmagnet sei im Thurgau nicht vorhanden. «Darum konzentrieren wir uns bewusst auf den Schweizer Markt und auf die Anrainerstaaten des Bodensees.» Auf Grund des aktuellen Reiseverhaltens der Asiaten, also Reisen in Gruppen, werde der Thurgau von Tour Operators nicht berücksichtigt.

Oskar für Touristen in der Ostschweiz

Im Thurgau setze man die Schwerpunkte bei Innovation und Kooperation. Momentan überrasche man etwa mit dem Himmelbett, dem Bubble-Hotel und dem Reka-Feriendorf. «Ein weiteres Projekt, das die Ostschweiz gemeinsam umsetzt, ist Oskar, die Ostschweizer Gästekarte.» Inbegriffen seien der öffentliche Verkehr in sechs Kantonen, Bergbahnen, Schifffahrten und auch Museen.