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TOURISMUS: Elixier der Reisebranche

Die Babyboomer in Form abenteuerlustiger Senioren verhelfen einem gebeutelten Wirtschaftszweig zu einem zweiten Frühling.
Daniel Zulauf, Zürich
Senioren von heute reisen häufiger als früher und gerne auch zusammen mit Jüngeren. (Bild: PeopleImage/Getty)

Senioren von heute reisen häufiger als früher und gerne auch zusammen mit Jüngeren. (Bild: PeopleImage/Getty)

Daniel Zulauf, Zürich

Das grosse Reisebürosterben ist vorbei. Diese Prognose wagt Walter Kunz. Der Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes präsentierte gestern die jährliche Lageanalyse der Schweizer Reiseveranstalter, und diese gibt den breit definiert immer noch rund 10000 Angestellten dieser Branche Grund zu mehr Zuversicht – vor allem mit Blick auf die Erfahrungen der Vergangenheit. So hat in den letzten zehn Jahren in der Schweiz fast jedes zweite Reisebüro zugemacht. Die Konsolidierung werde in den nächsten Jahren zwar weitergehen, weil manche ältere Reisebürounternehmer keine Nachfolger fänden, sagt Kunz. Doch auf keinen Fall ­werde sich die Schrumpfung im bisherigen Ausmass fortsetzen.

Mittelfristig können die verbleibenden Reisebüros gar auf ­einen zweiten Frühling hoffen. Die Branche profitiert nämlich in zunehmendem Mass von der Babyboomer-Generation, die sich nach einem finanziell oft erfolgreichen Berufsleben allmählich mit der Pensionierung beschäftigt oder teils bereits dort angekommen ist. «Die älteren Leute reisen viel häufiger als früher, und sie möchten dieses Vergnügen im Gegensatz zu den einst beliebten Seniorenreisen nicht mehr nur mit ihren Altersgenossen erleben», sagt Kunz. «Die demografische Entwicklung ist für das Geschäft der Reisebranche sehr hilfreich», bestätigt ­Christian Laesser, Professor für ­Tourismus und Dienstleistungs­management an der Universität St. Gallen. «Ich gehe von einer steigenden Nachfrage aus.»

Solche Aussagen lassen sich indirekt auch aus den Umfrageergebnissen des Reise-Verbandes herauslesen. Zwar ist der durchschnittliche Umsatz eines Reisebüros 2016 von 3,1 Millionen auf 2,9 Millionen Franken gesunken und der Umsatz pro Mitarbeiter von 970000 auf 880000 Franken. Doch die Büros haben es im Schnitt verstanden, ihr Renditeniveau bei 1,2 Prozent zu verteidigen. Daraus ist abzuleiten, dass die Veranstalter im Schnitt mehr an jeder verkauften Reise verdienen als im Vorjahr.

Mehr Reisen werden annulliert

Anhaltend rückläufig ist die Nachfrage nach Pauschalreisen. Eine wachsende Mehrheit der Reisebürokunden lässt sich bei der Auswahl von Hotels und Transportwegen offenbar zwar weiter gerne beraten, will aber die Wahl letztlich selber treffen. Solche «Individualreisen» ­decken laut der Umfrage bereits 69 Prozent der Nachfrage ab und sind für die Vermittler deutlich lukrativer als Pauschalangebote.

Die abenteuerlustigen Senioren gehen allerdings auch beträchtliche Risiken ein. Das zeigt sich unter anderem daran, dass die Prämien für umfassende Reiserversicherungen in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen sind, wie Thomas Tanner sagt, Chef der Europäischen Reiseversicherung. «Menschen aus der Babyboomer-Generation trauen sich zwar oft noch grosse Reisen zu, aber in der Realität ist ihre Rücktrittsrate wesentlich höher als jene jüngerer Generationen.» Der Versicherer hat deshalb für Menschen ab Alter 65 einen Selbstbehalt von 10 Prozent auf annullierte Reiseleistungen infolge Krankheit oder Unfall eingeführt. Mehr und höhere Schäden dürften auch zu steigenden Versicherungsprämien führen.

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