Tombola per Mausklick

Auf der Website des St. Galler Jungunternehmens Suxedoo beteiligen sich über 25 000 Benutzer an Verlosungen, ohne für ihre Lose zu bezahlen. Trotzdem verdient Suxedoo seit Herbst 2010 Geld – ihr Kapital sei die Community.

Ruben Schönenberger
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Ein Suxedoo-Nutzer versucht, die Ausrüstung für die Grillsaison zu gewinnen. (Bild: Urs Bucher)

Ein Suxedoo-Nutzer versucht, die Ausrüstung für die Grillsaison zu gewinnen. (Bild: Urs Bucher)

st. gallen. Eine Tombola wird gemeinhin eher mit Grümpelturnieren oder Turnabenden lokaler Sportvereine in Verbindung gebracht. Das St. Galler Unternehmen Suxedoo bringt die Tombola ins Internet. Auf der Plattform werden neben Produkten des täglichen Gebrauchs auch exklusive Preise verlost. Unlängst durfte sich ein Benutzer gar über ein neues iPad 2 im Wert von mehreren hundert Franken freuen.

Mit dieser Idee hat das Jungunternehmen Erfolg. Seit dem vierten Quartal 2010 wirtschaftet das Ende 2008 gestartete Unternehmen profitabel. Das Team ist seit September letzten Jahres von drei auf sieben Mitarbeiter angewachsen, zurzeit werden neue Büroräumlichkeiten bezogen.

Lose als eigene Währung

«Die Möglichkeit, mit wenig Einsatz viel zu gewinnen, garantiert Nervenkitzel», sagt Samuel Rudolf von Rohr, Leiter Marketing bei Suxedoo. Wer sich als Benutzer registriert, erhält 100 Lose, die er auf Produkte setzen kann. Bereits mit einem Los kann an einer Verlosung teilgenommen werden. Wer seine Chancen verbessern will, setzt mehrere Lose. Produkte können sowohl von Partnerfirmen als auch von Benutzern selbst angeboten werden. Nach Ablauf einer gewissen Zeit wird ein Los gezogen, der Gewinner erhält das Produkt. Der Anbieter, sofern es sich um einen Benutzer handelt, erhält alle gesetzten Lose, die er dann wiederum selber verwenden kann. Für den Wert der Lose dient die plattformeigene Börse als Richtschnur. Täglich werden dort zehn Franken versteigert. Zuletzt lag der Kurs dafür bei ungefähr 1700 Losen.

Zusätzliche Lose erhalten die User für Einkäufe bei Partnerfirmen von Suxedoo. Auch wer sich regelmässig einloggt, die Seite weiterempfiehlt, Werbungen anklickt oder an Umfragen teilnimmt, erhält Lose. Das ermögliche der Firma, gezielt Marketing zu betreiben, wie Rudolf von Rohr ausführt. Dabei werden Werbungen nur den Usern eingeblendet, die gewisse Kriterien erfüllen.

Mehr User mit genauen Angaben machen die Plattform für Werbekunden attraktiver. «Suxedoo ist aber auch deshalb erfolgreich in der Akquisition von Werbekunden, weil die Benutzer der Plattform Werbung nicht als Ärgernis verstehen», führt Rudolf von Rohr aus. Vielmehr seien die Einblendungen eine Möglichkeit, Lose zu verdienen. «Dank der Community haben wir bereits 220 Werbepartner gewinnen können», sagt Rudolf von Rohr. Dazu gehören unter anderem der Weltbild Verlag oder Swisslos.

Luftgitarre wird nicht verlost

«Einmal wollte ein Benutzer eine Luftgitarre verlosen, die er dann nach eigenen Angaben per E-Mail verschickt hätte.» Darauf habe man aber schnell reagiert, sagt Rudolf von Rohr. «Um solche Spassverlosungen von vornherein zu verhindern, haben wir eine Untergrenze von zehn Franken eingeführt, die Produkte wert sein müssen.» Grundsätzlich seien die Benutzer aber frei in der Produkteauswahl. Lediglich Verlosungen, die der Plattform einen zweifelhaften Ruf bescheren könnten, seien nicht erlaubt, stellt Rudolf von Rohr klar. Jede Tombola werde von Suxedoo zuerst geprüft und dann frei geschaltet.

Suxedoo hat es geschafft, die Anzahl Nutzer kontinuierlich zu steigern. Mittlerweile zählt die Plattform, gemessen an den Besuchern, zu den Grossen. Verschiedene Rankings listen die Seite unter den bestbesuchten 50 oder 100 Homepages der Schweiz. Das sei nur durch Mund-zu-Mund- Propaganda zustande gekommen. Die erste zentral geplante Marketingkampagne wird erst in diesen Tagen lanciert.