Tiefer Euro tut Deutschland gut

Der relativ schwache Euro beflügelt die Exportindustrie in der Eurozone. Damit steigt aber auch das Misstrauen der anderen Euroländer gegenüber dem ökonomischen Schwergewicht Deutschland.

Fabian Fellmann
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Montage der Heckflosse des ersten Superjumbos Airbus A380 für Qatar Airways mit deren Oryxantilopen-Logo. (Bild: H. Goussé)

Montage der Heckflosse des ersten Superjumbos Airbus A380 für Qatar Airways mit deren Oryxantilopen-Logo. (Bild: H. Goussé)

BRÜSSEL. Der Euro ist im Sinkflug – gegenüber dem Franken seit der Aufhebung des Mindestkurses, und zum Dollar ist er auf dem tiefsten Stand seit elf Jahren. Das ist zwar grundsätzlich kein gutes Zeichen. Augenfällig haben Investoren wenig Hoffnung, dass die Wirtschaft in der Eurozone bald wieder abhebt. Deshalb will die Europäische Zentralbank (EZB) bis Herbst 2016 über 1000 Mrd. € in die Märkte pumpen. Zusätzlich unter Druck steht die Währung, weil nach dem Machtwechsel in Athen noch vieles unklar ist.

Trotzdem ist der tiefe Eurokurs der EZB genehm. Ein tiefer Eurokurs verbilligt im Ausland die Produkte der Exporteure aus der Eurozone. Das kommt der ganzen Währungsunion sehr gelegen, weil die Binnennachfrage schwächelt. Kann die Exportindustrie jedoch wieder satte Gewinne verbuchen, soll sie die ganze Wirtschaft nach oben ziehen helfen, so das Kalkül.

Steigendes Ungleichgewicht

Anleger scheinen diese Erwartung zu teilen. In jüngerer Zeit haben vor allem Aktien der Exportunternehmen deutlich zugelegt. Die Papiere des Flugzeugbauers Airbus beendeten ihre einjährige Talfahrt, jene deutscher Autobauer erreichen Rekordstände, Chemieriesen wie BASF profitieren. Audi-Präsident Rupert Stadler freute sich jüngst in der ARD: «Als Exportunternehmen ist es für uns eher von Vorteil mit der aktuellen Situation.» BASF verdient laut dem Sender 50 Mio. € mehr, wenn der Dollar um einen Cent steigt. Und seit letztem Jahr ist der Euro über 20 Cents günstiger geworden.

Jubel herrscht deswegen in der Eurozone aber keineswegs. Vielmehr dominieren die Sorgen. Einerseits gehen fast 50% der Exporte in andere Euroländer; dieser Handel wird durch die Schwäche ihrer Währung nicht beeinflusst. Andererseits profitieren vom tiefen Euro überdurchschnittlich jene Mitgliedstaaten mit einer starken Exportindustrie. Dabei sticht Deutschland heraus: Die grösste Volkswirtschaft der Eurozone ist auch der wichtigste Exporteur; fast 60% der deutschen Ausfuhren gehen in Drittländer. Spanien hingegen verkauft nur ein Drittel seiner Exporte ausserhalb der Eurozone. Profitiert das robuste Deutschland, das serbelnde Spanien dagegen kaum, steigt aber das Ungleichgewicht in der Eurozone – und das bezeichnen viele Ökonomen und Politiker als eines der grössten Probleme der Gemeinschaftswährung. Immerhin dürfte aber das Sorgenkind Griechenland profitieren: Das Land verkauft nur knapp ein Drittel seiner Exporte in Euro, und nach den diversen Sparrunden sind die Arbeitskosten regelrecht eingebrochen.

Sorgen machen sich die Euro-länder auch, weil die tiefe Währung den Import von Energie, die meist in Dollar gehandelt wird, verteuert. In Frankreich etwa macht sie ein Sechstel der ganzen Importe aus. Weil die Ölpreise derzeit ausserordentlich tief sind, können energie-intensive Firmen den tiefen Eurokurs indes vorerst verkraften.

Sparer sind angeschmiert

Noch kaum Debatten ausgelöst hat hingegen, dass die Sparer die grossen Verlierer der Euroschwäche sind: Die Zinsen liegen nahe null, Pensionskassen haben Mühe, genügend sichere Renditen zu erzielen. Und die Sparer werden wieder zu den Verlierern zählen, wenn der Plan der EZB aufgeht und die Eurozone wieder wächst – dann dürfte Inflation einsetzen und die Spargelder entwerten. Die Regierungen der Euroländer dagegen freuen sich: Sie zahlen für ihre Staatsschulden derzeit rekordtiefe Zinsen. Und kehrt die Inflation zurück, entwerten sich die Schuldenberge wie von allein.