Ticket-Hamsterer im Visier

Wer für ein Konzert oder einen Sportanlass kein Ticket ergattern kann, kann es bei einem Wiederverkäufer versuchen – zu oft massiv überteuerten Preisen. Eine Motion will das abstellen.

Thomas Griesser Kym
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Die Rolling Stones am 1. Juni im Letzigrund. Wer sein Ticket auf dem Graumarkt gekauft hat, hat den offiziellen Preis vielleicht massiv überbezahlt. (Bild: ky/Walter Bieri)

Die Rolling Stones am 1. Juni im Letzigrund. Wer sein Ticket auf dem Graumarkt gekauft hat, hat den offiziellen Preis vielleicht massiv überbezahlt. (Bild: ky/Walter Bieri)

BERN. 22 000 Tickets waren weg in den ersten drei Minuten des Vorverkaufs, nach 40 Minuten waren 40 000 Eintrittskarten abgesetzt – so geschehen vor dem Konzert der Rolling Stones vor bald drei Wochen im Letzigrund. Treten Top Acts auf, ist ein Musical ein Renner oder messen sich die Spitzenteams in der Fussball-Super-League, dann ruft das immer auch findige Geschäftemacher auf den Plan, die Geld machen wollen. Ihre Masche: Tickets kaufen und dann zu höheren Preisen weiterverkaufen, etwa via Auktionsplattformen oder gleich direkt vor der Arena.

Teurer soll unlauter sein

Nationalrat Sebastian Frehner ist das ein Dorn im Auge. Noch diese Woche reicht er, unterstützt vom Konsumentenforum, eine Motion ein. Diese beauftragt den Bundesrat, dem Parlament eine Änderung des Bundesgesetzes über den unlauteren Wettbewerb (UWG) vorzulegen. Die Änderung sieht vor, dass Tickets für Konzerte, Sportanlässe usw. nicht teurer weiterverkauft werden dürfen als zum ursprünglichen Preis.

«Nicht kriminell, aber unfair»

Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentenforums, erhält regelmässig Beschwerden über den Handel mit Tickets auf dem Grau- und dem Schwarzmarkt. Rudin weiss: «Professionelle Wiederverkäufer, die von diesem Geschäft leben, lassen sich auch nicht mit einem gestaffelten Ticketverkauf stoppen. Diese Händler grasen mit Computer-Algorithmen die Verkaufsstellen im Internet ab und bestellen Tickets an Dutzende Lieferadressen.» Dazu kommen Private, die zwei Tickets brauchen, aber vier bestellen und versuchen, diese etwa zum doppelten Preis weiterzuverkaufen – und so per Saldo gratis ans Konzert oder ans Spiel gehen können. Rudin will solche Private zwar «nicht kriminalisieren, aber unfair ist ihr Vorgehen trotzdem».

Der Wiederverkauf von Tickets ist auch für den Kartenverkäufer Ticketcorner ein Ärgernis. Sprecher Stefan Epli berichtet davon, dass immer wieder Kunden reklamieren, die kurz nach Verkaufsbeginn keine Tickets mehr erhalten. Dabei sind nur wenige Top Acts wirklich ausverkauft. Oft werden Tickets aber einfach gehamstert und anschliessend auf den Graumarkt verschoben.

Liste mit schwarzen Schafen

Ticketcorner ist deshalb bemüht, Wiederverkäufern so gut es geht das Handwerk zu legen. So werden Bestellungen auf Namen und Kreditkartennummern geprüft und Mehrfachbestellungen aussortiert. «Ausserdem führen wir eine Liste mit schwarzen Schafen», sagt Epli. Ganz beseitigen aber lässt sich das Problem nicht. Deshalb begrüsst Ticketcorner die Motion Frehners, genauso wie auch der Konzertveranstalter ABC Production von André Bechir und der Schweizerische Fussballverband.

Warnung vor Fälschungen

Ticketcorner warnt zudem vor gefälschten Eintrittskarten, die in letzter Zeit vermehrt aufgetaucht seien. Die Tickets werden am Eingang gescannt; wer ein gefälschtes vorweist, weil er es von einem Gauner erworben hat, bleibt draussen. Epli rät daher dazu, Tickets nur über die offiziellen Vorverkaufsstellen zu erwerben und nicht auf Online-Börsen – wo sich auch Wiederverkäufer tummeln.

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