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Thurgauer Wirtschaftsforum: Auch Ökonomen folgen bei Entscheidungen dem Herdentrieb

Der menschliche Faktor spielt eine bedeutende Rolle. Das gilt auch für Experten und Strategen, wenn sie Investitionen analysieren und schliesslich tätigen. Das Wirtschaftsforum Thurgau hat sich mit den verschiedenen Facetten von Entscheidungen befasst.
Stefan Borkert
Weinfelden TG - Wirtschaftsforum 2018 im Thurgauer Hof Weinfelden. Matthias Horx Prognostiker, Publizist, Visionär und Inhaber des Zukunftsbüro in Wien. (Bild: Andrea Stalder)

Weinfelden TG - Wirtschaftsforum 2018 im Thurgauer Hof Weinfelden. Matthias Horx Prognostiker, Publizist, Visionär und Inhaber des Zukunftsbüro in Wien. (Bild: Andrea Stalder)

Es gibt Tage, da wünschen sich Unternehmensleiter, Patrons und Bankdirektoren eine Kristallkugel, mit der die Zukunft zuverlässig vorausgesagt wird. Unter dem Strich aber verweigert sich der Mensch einer zuverlässigen Prognose. Das hat der Zukunftsforscher Matthias Horx festgestellt. Vor mehr als 350 Teilnehmern referierte er über Trends und Gegentrends über eingetroffene Prognosen und solchen, die sich als falsch erwiesen hatten. Mit seiner Botschaft von einer optimistischen Zukunft hat er das Thema des 22. Wirtschaftsforums Thurgau auf den Punkt genau getroffen. Dessen Motto lautete «Richtig entscheiden und eine positive Zukunft schaffen».

Wie aber werden Entscheidungen getroffen? Der Chefökonom der UBS Schweiz, Daniel Kalt, berichtete aus eigener Erfahrung, dass Entscheidungen nicht nur das Produkt rationaler Analyse sind. Früher habe man so gedacht. Inzwischen seien längst Aspekte der Verhaltenspsychologie fester Bestandteil. Und trotzdem liege man manchmal auch daneben. So hätten sie im Team am Vorabend der Aufhebung des Mindestkurses der SNB geglaubt, die eine solche Massnahme kategorisch abgelehnt hatte. Doch die Zahlen und Fakten der Devisenkäufe hatten eigentlich ein anderes Bild abgegeben. Kalt sagte:

«Wir haben den Fakten damals nicht vertraut, sondern der SNB.»

Das Ergebnis ist bekannt. Die SNB hatte Nebelkerzen gezündet, um Spekulationen zu verhindern und dann die Wirtschafts- und Finanzwelt mit der Aufhebung des Mindestkurses völlig überrascht. Kalt sprach neben anderen Themen auch das Phänomen an, dass bei einer Kursrallye Anleger plötzlich den kühlen Sachverstand über den Haufen werfen. Der Mensch und damit auch Analysten und Ökonomen würden plötzlich dem Herdentrieb folgen. Auch das könne man beobachten. Einigkeit herrschte bei allen Referenten, dass auch Fehler gemacht werden dürfen. Man solle diese aber analysieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen, sagte etwa Thomas Krebs, Chefarzt der Kinder- und Jugendchirurgie am Ostschweizer Kinderspital St. Gallen.

Innovativ und in die
Zukunft gerichtet

Das Wirtschaftsforum 2018 im Thurgauer Hof in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Das Wirtschaftsforum 2018 im Thurgauer Hof in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Thomas Ahlburg, Konzernchef des Eisenbahnbauers Stadler, nahm diesen Ball auf und berichtete von Konzernentscheiden, die durch bürokratische, politische oder kulturelle Umstände – kaum getroffen – schon wieder überholt waren. Er betonte allerdings auch, wie wichtig es für Stadler sei, Entscheidungen für Innovationen zu treffen – um am Markt zu wachsen und im Konkurrenzkampf zu bestehen. Auf die Frage von Moderatorin Mona Vetsch, inwieweit Peter Spuhler das Geschick des Konzerns weiter mit begleite, antwortete Ahlburg, dass Spuhler angekündigt hatte, ein äusserst aktiver Verwaltungsrat zu sein, als er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte. «Und das Versprechen hält er.» Aber Ahlburg betonte auch, dass Spuhlers Entscheidungen von Optimismus und vom Blick in die Zukunft geprägt seien.

In diese Kerbe schlugen auch die Diskutanten an der Talkrunde. Philipp Schwarz, Chef von Ifolor, ist überzeugt, dass man auch Risiken eingehen muss. Er und Roger Mohn (siehe Interview) entscheiden auch mal aus dem Bauch heraus. Zusammen mit Daniel Kalt waren sie sich einig, dass die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle hervorbringen wird. Die aktuellen Reglementierungen würden diese aber massiv behindern. Schwarz doppelte nach, dass zwar der Mensch durch die Digitalisierung nicht ersetzt werden könne, aber:

«Die Geschäftsmodelle werden auf den Kopf gestellt werden.»

Zukunftsforscher Horx ist der Überzeugung, dass auch die analoge Welt weiter ihren Platz hat. Fortschritt entstehe schliesslich durch die Auseinandersetzung von Trend und Gegentrend.

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