«Wir erhalten Anfragen von mehr Händlern, als wir beliefern könnten»: Gottlieber Spezialitäten AG erhält Thurgauer Motivationspreis 2020

Auch dank der Hüppen der Gottlieber Spezialitäten AG ist der Kanton als Marke gut bekannt. Dafür wird das Unternehmen am Seerhein ausgezeichnet. 

Thomas Griesser Kym
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«Wir wollen profitabel klein bleiben»: Dieter Bachmann, Chef und Mitinhaber der Gottlieber Spezialitäten AG.

«Wir wollen profitabel klein bleiben»: Dieter Bachmann, Chef und Mitinhaber der Gottlieber Spezialitäten AG.

Bild: Reto Martin

Gefüllte Hüppen sind das Hauptgeschäft der Gottlieber Spezialitäten AG. Und das Unternehmen ist erfolgreich. «Wir wachsen jedes Jahr mit einer zweistelligen Rate», sagt Geschäftsführer und Mitinhaber Dieter Bachmann. Zusammen mit Markus Kalberer als Verwaltungsrat hat er vor gut zehn Jahren das Unternehmen erworben und es als inhabergeführten und unabhängigen Betrieb erhalten. Dieser beschäftigt am Seerhein rund 80 Mitarbeitende. Trotz zunehmender Automatisierung ist auch vieles Handarbeit geblieben.

Gottlieber Spezialitäten AG hat eine lange Tradition

Seit gut 90 Jahren ist das Unternehmen im Thurgau zu Hause. Begonnen hat die Geschichte 1928 mit Firmengründerin Elisabeth Wegeli, die von ihrer Nachbarin das Hüppenbacken erlernte und ihr Waffeleisen übernahm. Denn die Nachbarin musste das gewerbsmässige Backen aufgeben, weil ihr Mann als Kantonsgeometer tätig war und Beamten damals ein Doppelverdienst untersagt war. Hüppen indessen waren in Gottlieben schon viel länger bekannt. So genoss den Angaben zufolge bereits Königin Hortense Bonaparte Gaufrettes aus Gottlieben, als sie von 1817 bis 1837 auf dem nahen Schloss Arenenberg lebte. Vor gut zehn Jahren ist die Gottlieber Spezialitäten AG im Zuge einer Nachfolgeregelung verkauft worden. Der Thurgauer Dieter Bachmann übernahm damals mit Markus Kalberer die Aktien. (T. G.)

Das Sortiment umfasst ne­ben Hüppen mittlerweile auch Schokolade, Tartufi, Tee, Kaffee und allerlei Feinkost. Die Gottlieber Spezialitäten AG mit Unternehmer und Mehrheitsaktionär Dieter Bachmann sei «ein schönes Beispiel dafür, wie sich Tradition und der Ausbau von Geschäftsfeldern verbinden lassen», urteilt denn auch die Jury des Thurgauer Motivationspreises 2020. Diesen erhält das Unternehmen, weil es «den Thurgau als Marke» sowie die hoch­wertigen Produktinnovationen «landesweit bekannt macht».

Das Unternehmen kann sich Kunden aussuchen

Das Hauptaugenmerk der Gottlieber Spezialitäten AG gilt dem Schweizer Markt, wie Dieter Bachmann sagt.

«Hier haben wir noch viel Potenzial. Und in einigen Kantonen kennt man uns halt doch noch etwas weniger gut als beispielsweise in der Ostschweiz.»

Beliefert werden Ladenketten wie Coop, Globus, Spar und Volg sowie Grosshändler, bei denen sich beispielsweise zahlreiche Fachgeschäfte eindecken. Der hauseigene Internetshop steuert inzwischen rund 15 Prozent zum Umsatz bei, Tendenz stark steigend. Zudem zählt der Betrieb zu seinen Kunden etwa 10'000 Firmen, die Hüppen gerne als Geschenk abgeben. Im Weiteren hat man vor einiger Zeit damit begonnen, Cafés unter dem Namen Sweets & Coffee einzurichten.

Blick in die Produktion der Hüppen.

Bilder: Mareycke Frehner

Im Ausland sind Gottlieber-Produkte zum einen bei Edeka und in einigen Feinkostläden ennet der Grenze zu Deutschland und bei München erhältlich, zum anderen in China online über die Plattform Tmall, die zum Internetriesen Alibaba gehört. «Asien ist für uns ein Lernmarkt», sagt Bachmann. «Es gibt dort viel Potenzial, aber auch unheimlich viel Konkurrenz.» Dennoch soll ein Team in Schanghai versuchen, den Absatz kontinuierlich auszubauen, und für später ist laut Bachmann auch ein Laden in der Metropole nicht ausgeschlossen.

In Deutschland wiederum prüft Bachmann jeweils Opportunitäten. «Wir erhalten Anfragen von mehr Händlern, als wie beliefern könnten, und können deshalb aussuchen.» Nicht in Frage komme die Belieferung von Discountern, denn «unsere Produkte sind im mittleren oder im Premiumpreissegment angesiedelt».

«Wir wollen profitabel klein bleiben»

An der Arbeit ist Bachmann, wie er sagt, nach wie vor mit viel Herzblut . Den «Thurgauer Apfel» sieht er «als Wertschätzung der Leistung des Unternehmens und als Anerkennung für die Mitarbeitenden». Für die Zukunft erwartet er für die Gottlieber Spezialitäten AG «weiteres Wachstum, aber in gesundem Mass». Und: «Wir wollen profitabel klein bleiben.»

«Thurgauer Apfel» als Auszeichnung

«Thurgauer Apfel»
Der Motivationspreis der Thurgauer Wirtschaft mit dem «Thurgauer Apfel» als Trophäe wird seit 1999 verliehen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, Gemeinden, Verbände und andere Organisationen sowie in Ausnahmefällen Einzelpersonen «mit herausragenden Leistungen für den Wirtschaftsstandort Thurgau». Getragen wird der Preis von IHK, Gewerbeverband, Kantonalbank und Kanton. Vergangenes Jahr erhielt den Preis die Industriefirma De Martin aus Wängi. (T. G.)

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