THURGAUER KANTONALBANK: Ausbau auf mehreren Ebenen

In einem anforderungsreichen Umfeld setzt die Thurgauer Kantonalbank im ersten Halbjahr verschiedene Akzente: im Hypothekargeschäft, im Internet und mit einem eigenen Erweiterungsbau.

Thorsten Fischer
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Heinz Huber, Chef der Thurgauer Kantonalbank, im Erweiterungsbau in Weinfelden, der seit dem Frühjahr den Hauptsitz ergänzt. (Bild: Reto Martin)

Heinz Huber, Chef der Thurgauer Kantonalbank, im Erweiterungsbau in Weinfelden, der seit dem Frühjahr den Hauptsitz ergänzt. (Bild: Reto Martin)

Thorsten Fischer

Wie sich eine Bank entwickelt, zeigt sich an den Zahlen. Aber auch an Veränderungen, die ­direkt sichtbar und greifbar sind. Die Thurgauer Kantonalbank (TKB) hat die aktuellen Halbjahreszahlen gestern in ihrem neuen Erweiterungsbau in Weinfelden präsentiert. Er ergänzt seit Frühjahr den Hauptsitz, bietet Besprechungsräume, einen Konferenzbereich und ist Arbeitsort für 80 Mitarbeitende. Der für 30 Millionen Franken erstellte Bau mit markanter Glasfassade soll nicht nur einen städtebaulichen Akzent in Weinfelden setzen, sondern ebenso die Zusammenarbeit innerhalb der TKB vereinfachen. Über reine Zahlen hinaus geht auch das Bestreben, Kunst am und im Bau von Ostschweizer Künstlerinnen und Künstlern umzusetzen. Anfang September gibt es einen Tag der offenen Tür.

In den Semesterzahlen spiegelt sich ebenfalls ein erneuter Schritt nach vorne. Bilanzsumme, Kundenausleihungen und Gewinn haben zugelegt (siehe Tabelle). Bei den Hypothekarforderungen verzeichnete die TKB ­«einen soliden Zuwachs von über 300 Millionen Franken, trotz leichter Abschwächung der Dynamik im Bau», wie TKB-Chef Heinz Huber vor den Medien sagte. Und er legte Wert auf die Feststellung: «Das Wachstum hat in einem intakten Immobilienmarkt stattgefunden.» Es gebe im Thurgau gesundes Wachstum und keine Immobilienblase. Beim Hypothekarvolumen von 17,8 Milliarden Franken per Mitte 2017 handelt es sich bei gut 80 Prozent um Wohnliegenschaften. Bei diesen betrage die durchschnittliche Belehnung 61 Prozent, «ein tiefer konservativer Wert», stellte Huber fest und folgerte: Es müsste also «einiges passieren, bevor wir schlaflose Nächte haben».

Schärferer Wettbewerb bei Hypotheken

Gleichwohl gibt es Herausforderungen – weniger aus Sicht der Kunden, aber aus Sicht der Anbieter. Versicherungen und Pensionskassen steigen verstärkt ins Geschäft mit der Hypothekenvergabe ein. Das wiederum spüren Banken wie die TKB im Wettbewerb, etwa beim Preis, wie Huber sagte. Der Margendruck insgesamt hat sich im ersten Halbjahr fortgesetzt, trotzdem habe sich das Zinsengeschäft stabil entwickelt, und im indifferenten Geschäft erwirtschaftete die TKB höhere Erträge. So zeigten sich beim Wertschriften- und Anlagegeschäft die Anlegerinnen und Anleger wieder investitionsfreudiger an den Börsen. Zum anderen konnten die Erträge im Vermögensverwaltungsgeschäft gesteigert werden. Dies führte zu einem Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft von 25,3 Millionen Franken, einem Plus von 6,5 Prozent.

Weiterhin nicht geplant ist die Einführung von Negativzinsen für private Sparer. Wie TKB-Chef Huber indessen schon vor einigen Monaten erklärt hatte, sind Gespräche punkto Negativzins geführt worden mit einer überschaubaren Gruppe grösserer Firmenkunden und institutioneller Anleger mit übermässig viel Liquidität.

Jederzeit und an jedem Ort

Ein schier unerschöpfliches Thema ist wie in vielen Branchen die Digitalisierung. Über die Monate kommen so schrittweise Neuerungen dazu. Jüngst etwa das E-Banking mit erweiterten Funktionen sowie die Anbindung der Online-Buchhaltung des Anbieters Bexio, die von Gewerbekunden eingesetzt wird. Ab Herbst 2017 soll ausserdem eine aktualisierte TKB-Website starten, die vollständig auf sämtlichen Endgeräten verfügbar sein wird. Sie ist laut Huber ein Baustein für den deutlich spürbaren Trend «Mobile first». Bankkunden wollen Geschäfte zunehmend unterwegs auf ihren mobilen Geräten erledigen. Auf diese Weise wird, wo erwünscht und sinnvoll, mit elektronischen Anwendungen der Selbstnutzungsgrad beim Kunden erhöht. Der digitale Wandel der Branche zeigt sich auch innerhalb der Bank respektive beim Branchennachwuchs: So sind bei den über 50 Lehrstellen auch explizit solche für Informatiker zu finden.

«Die Märkte bleiben trotz Aufhellungen im Konjunkturumfeld herausfordernd», blickt die TKB voraus. Im Einzelnen heisst das: Unverändert lebhafter Wettbewerb, anhaltender Druck aufs Zinsengeschäft wegen tiefer und negativer Zinsen, dazu kommt die leicht nachlassende Dynamik im Bau. Der Geschäftserfolg 2017 werde daher wohl unter 2016 liegen, allerdings einem notabene bereits sehr guten Wert.