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Salto rückwärts vom Exodus: Investoren retten die Thurgauer Firma Nüssli

Vor vier Jahren haben 40 Mitarbeiter Nüssli verlassen und die Firma Adunic gegründet. Beide Firmen standen inzwischen kurz vor dem Aus. Jetzt ist Adunic Teil der Nüssli-Gruppe.
Stefan Borkert
Das neue Führungsteam von Nüssli arbeitet an der Sanierung. (Bild: Andrea Stalder (Hüttwilen, 1. Februar 2019))

Das neue Führungsteam von Nüssli arbeitet an der Sanierung. (Bild: Andrea Stalder (Hüttwilen, 1. Februar 2019))

Da ist wohl einiges schiefgelaufen in den letzten Jahren. Obwohl man bei Nüssli in Hüttwilen mit den temporären Stadien, mit aufsehenerregenden Pavillons und mobilen Bauten an Weltausstellungen, an Grossereignissen im Sport und der Kultur national und weltweit präsent war, sind in den letzen Jahren die Gewinne eingebrochen. Die Margen schrumpften massiv. Dass die USA Nüssli auf einer Rechnung in Höhe von mehr als 15 Millionen Franken sitzen gelassen haben (Beitrag unten), kam erschwerend hinzu.

Über fast zehn Jahre hinweg, sind so um die 50 Millionen Franken verlorengegangen. Das hat eine Auswertung der neuen starken Männer bei der Nüssli AG ­ergeben. CEO Fred Gamper und Finanzexperte Andreas Emödi haben Nüssli schonungslos durchleuchtet und sind auf zahlreiche Verluste und Mängel gestossen. So sind in der Vergangenheit Verträge für Aufträge ausgehandelt worden, die gar keinen Gewinn abwerfen konnten. Als 2014 dann 40 Mitarbeiter Nüssli den Rücken kehrten und die Firma Adunic in Frauenfeld gründeten, bedeute das ­einen Exodus, einen enormen Abfluss von Know-how. Ausserdem war mit der Adunic eine neue Konkurrentin auf dem Markt. Unter dem Strich hat das beiden Firmen eher geschadet. Bewarben sich beide für den gleichen Auftrag, wurden die Angebote schon mal so tief gehandelt, dass es fast an Kannibalismus grenzte.

Tiefe Gräben

Nach dem Ausstieg der Inhaberfamilie und damit einem Wechsel in der Nüssli-Führung vor rund vier Jahren wurden Anstrengungen für eine Zusammenarbeit mit Adunic unternommen. Allein die Gräben waren zu tief. Seit Januar 2018 haben das Aktionariat und die Führung bei Nüssli erneut gewechselt. Der aktuelle Verwaltungsratspräsident Bernhard Hammer ist Unternehmer und Baufachmann mit einem grossen Netzwerk. Fred Gamper und Andreas Emödi sind erfahrene Interimsmanager, die seit mehr als 20 Jahren Firmen sanieren, die unter anderem aufgrund ihrer Produkte eigentlich profitabel sein müssten. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Turnaround herbeizuführen», sagt Verwaltungsratspräsident Bernhard Hammer.

Schon dieses Jahr soll Nüssli wieder in die Gewinnzone kommen. «Dafür haben wir ein starkes Team», sagt CEO Gamper. Das Management ist auch finanziell an der Rettung der Nüssli-Gruppe beteiligt. Das Geld allein ist aber nicht Motivation genug. Gamper erklärt, in seinem Alter müsste er sich so etwas eigentlich nicht mehr antun. Aber die Aufgabe sei spannend und das Potenzial von Nüssli enorm.

Schon bald habe man erkannt, dass Adunic und Nüssli nur zusammen erfolgreich sein können. Der Vorteil der neuen Mannschaft sei auch, dass man mit den Altlasten nichts zu tun hatte. Und so wurde mit der Adunic wieder intensiv über einen Zusammenschluss verhandelt. Im Herbst 2018 wurde man sich einig. Die Adunic kehrte mit fast allen Mitarbeitern unter das Dach von Nüssli in Form von Nüssli Adunic zurück.

32 Millionen Franken für die Rettung

Doch damit es so weit kommen konnte, musste erst einmal die Nüssli AG gerettet werden. Dazu waren unter anderem zwei Kapitalerhöhungen von insgesamt 32 Millionen Franken nötig.

Organisiert wurden die Rettung und die Finanzen von der Artus Outperformance AG und der Helvetica Capital AG. Sie fanden mit der CS, UBS und der TKB Banken, die das Unterfangen unterstützen. Ausserdem konnten potente Privatinvestoren gewonnen werden. In der Schweiz sind so gut wie alle Mitarbeiter noch dabei. Allerdings trennte man sich bei der deutschen Tochter Ambrosius sowie in den USA von insgesamt knapp 100 Mitarbeitern.

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