Thurgauer Exporte brechen ein

Die Bestellungen bei den Thurgauer KMU nehmen wieder leicht zu. Vorsichtiger Optimismus breitet sich aus. Doch der Export ist weiterhin auf Talfahrt, und der Detailhandel stagniert. In der Baubranche hingegen läuft es noch immer rund.

Stefan Borkert
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Der Binnenkonsum im Thurgau zeigt sich gespalten. Es gibt Detaillisten, denen es gut geht. Andere müssen sich nach der Decke strecken. (Bild: ky/Urs Flueeler)

Der Binnenkonsum im Thurgau zeigt sich gespalten. Es gibt Detaillisten, denen es gut geht. Andere müssen sich nach der Decke strecken. (Bild: ky/Urs Flueeler)

FRAUENFELD. Die Thurgauer Industriekonjunktur fast wieder vorsichtig Tritt. Zu diesem Ergebnis kommt das «Thurgauer Wirtschaftsbarometer». Es basiert auf der Konjunkturumfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Die Publikation wird vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau getragen. Laut der aktuellen Mai-Ausgabe hat sich die Geschäftslage in der Thurgauer Industrie in den ersten Monaten des Jahres seit längerem wieder etwas verbessert.

Nur bei zehn Prozent geht es gut

Der Anteil der von der KOF befragten Betriebe, die von einer schlechten Geschäftslage sprachen, hat sich von 37 Prozent im Januar auf 22 Prozent verringert. «Damit melden jedoch noch immer deutlich mehr Betriebe eine eher schlechte als eine gute Geschäftslage», heisst es im Bericht. Nur zehn Prozent der befragten Unternehmen bewerteten die Geschäftslage als gut.

Hingegen hat sich die Industrieproduktion im März im Vergleich zum Vormonat erstmals wieder erhöht. Allerdings bewegte sie sich deutlich unter den Werten von 2012. Anlass zur Hoffnung gibt der Bestellungseingang. Laut Umfrage hat dieser bereits seit Jahresbeginn angezogen. Die wieder etwas lebhafter eingegangenen Bestellungen würden jedoch noch kaum etwas am nach wie vor zu niedrigen Auftragsbestand ändern. So berichtete Anfang April jedes zweite Thurgauer Industrieunternehmen von einem zu niedrigen und nur gerade jeder zwanzigste Betrieb von einem hohen Auftragsbestand.

Ein eher düsteres Bild geben die Exporte ab. Im ersten Quartal lagen die Exporte aus dem Thurgau um mehr als neun Prozent unter dem Vorjahresstand. Empfindliche Einbussen mussten die Exportfirmen auf dem wichtigsten Absatzmarkt Deutschland hinnehmen, heisst es im Wirtschaftsbarometer. Die Ausfuhren nach Deutschland brachen um ein Viertel ein. In den gesamten EU-Raum wurde um knapp sieben Prozent weniger ausgeführt als noch im Vorjahr. Laut Bericht betraf die Exportflaute die Mehrzahl der grösseren Exportbranchen. Ein eindrückliches Exportplus von beinahe 20 Prozent verbuchte lediglich die Sparte Präzisionsinstrumente und -apparate. Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie konnte ihre Exporte halten. Hier blieben die Ausfuhren immerhin stabil.

Besserung in Sicht

Dennoch sieht die Industrie einen Silberstreif am Horizont. Im ersten Quartal des Jahres haben sich die Erwartungen der Thurgauer Industriebetriebe deutlich aufgehellt. Die Umfrage der Konjunkturforscher ergab, dass dank der Belebung der Auftragseingänge die Produktion im zweiten Quartal wieder etwas hochgefahren werden kann. Jeder vierte Industriebetrieb rechnet bis zur Jahresmitte mit einer Zunahme der Bestellungen. Nur noch jeder zehnte geht von rückläufigen Bestellungen aus. Verhaltene Zuversicht zeigt sich auch bei der Beurteilung der Geschäftslage bis zum Herbst. Gut 30 Prozent der Betriebe halten eine Besserung für wahrscheinlich.

Lebhafte Nachfrage am Bau

Die Thurgauer Baukonjunktur brummt nach wie vor. Anfang April meldeten 40 Prozent der befragten Baubetriebe eine gute Geschäftslage, während kaum jemand von einer schlechten Geschäftslage sprach.

Anders sieht das im Detailhandel aus, der nicht vom Fleck kommt. Laut Wirtschaftsbarometer driften die Beurteilungen der einzelnen Detailhändler jedoch nach wie vor weit auseinander. So stufen 30 Prozent der befragten Detaillisten ihre Geschäftslage als gut ein. Auf der anderen Seite bezeichnen je 35 Prozent ihre Geschäftslage als befriedigend beziehungsweise schlecht. Die Geschäftslage bis zum Herbst wird hier eher skeptisch beurteilt.