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THURGAU: Stadler Rail verkauft als erster europäischer Hersteller Loks nach Bolivien

Der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler verkauft drei Lokomotiven in Bolivien. Das könnte die Position des Unternehmens im Buhlen um Aufträge für die geplante Südamerikanische Transkontinentalbahn verbessern. Zudem ist in der Kaukasusrepublik Georgien ein Werk geplant.
Thomas Griesser Kym
Loks dieses Typs verkauft Stadler Rail nach Bolivien. (Bild: pd)

Loks dieses Typs verkauft Stadler Rail nach Bolivien. (Bild: pd)

Es ist ein Jahrhundertprojekt: Unter Federführung Boliviens ist eine Eisenbahnverbindung quer durch Südamerika geplant, vom Atlantik zum Pazifik. Die internationale Bahnindustrie wittert ein Riesengeschäft, auch Stadler. Als Türöffnerin für Schweizer Unternehmer hat Bundespräsidentin Doris Leuthard vergangenen Dezember bereits den bolivianischen Präsidenten Evo Morales zu einem Arbeitsbesuch empfangen.

Nun kann Stadler seine Marktpräsenz in Lateinamerika ausbauen: Als erster europäischer Hersteller hat Peter Spuhlers Unternehmen Lokomotiven nach Bolivien verkauft. Besteller der vorerst drei Loks ist das Bahnunternehmen Ferroviaria Andina (FCA). Gebaut werden die Fahrzeuge von Stadlers spanischer Tochtergesellschaft Stadler Valencia. Die Loks sind speziell konzipiert für die Herausforderungen in Höhen von bis zu 5000 Meter über Meer und auf der Schmalspur. Zur Ausrüstung der Loks, die besonders für den Güterverkehr angelegt sind, gehören akustisch und thermisch isolierte Fahrerkabinen.

Die neue Vorzeige-Lok?

Die Lokomotive der neusten Generation der South American Light Loco (Sali) könnte laut Stadler «aufgrund ihres Designs und ihrer Leistungen zur Vorzeigelokomotive des geplanten Verkehrskorridors zwischen dem Atlantik und dem Pazifik, der Südamerikanischen Transkontinentalbahn, werden». Diese soll über Bolivien den peruanischen Hafen von Ilo mit dem Hafen von Santos nahe São Paulo in Brasilien verbinden. Für die Güterverkehrsstrecke zwischen Santos und São Paulo hat Stadler in dieser Dekade sieben Zahnradlokomotiven für die brasilianische Bahngesellschaft MRS gebaut.

Stadler-Chef Peter Spuhler (rechts) mit dem Bürgermeister von Tiflis, Ex-AC-Milan-Profi Kachaber Kaladse. (Bild: pd)

Stadler-Chef Peter Spuhler (rechts) mit dem Bürgermeister von Tiflis, Ex-AC-Milan-Profi Kachaber Kaladse. (Bild: pd)

Stark steigende Passagierzahlen

Im Weiteren fasst Stadler bald in Georgien Fuss. Zusammen mit einem georgischen Partner, der momentan die U-Bahn-Züge der Metro Tiflis instand hält, gründet Stadler ein Joint Venture. Dieses wird sich in einem Werk einmieten, das der Partner in der Hauptstadt Tiflis bauen wird. In diesem Werk will das Joint Venture die Fahrzeuge der georgischen Eisenbahn und der Metro Tiflis endmontieren, instand halten und warten. Stadler selbst hat bisher vier Triebzüge des Typs Kiss nach Georgien verkauft. Diese seien sehr beliebt, sagt Stadler-Sprecherin Marina Winder: Seit ihrer Inbetriebnahme seien die Passagierzahlen um 25 Prozent gestiegen. In einem nächsten Schritt seien in dem geplanten Werk weitere Produktionsschritte denkbar, sagt Winder, und auch Exporte von Schienenfahrzeugen in umliegende Länder. Winder betont, nun sei der Beschluss gefasst worden, das Projekt umzusetzen. Involviert ist auch der Tifliser Bürgermeister, der frühere AC-Milan-Profifussballer Kachaber Kaladse. Die eigentlichen Vertragsverhandlungen beginnen aber erst.

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