Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Handelsstreit und schwächere Weltwirtschaft: Schweizer Textilindustrie muss unten durch

Wirtschaftspolitisches und konjunkturelles Ungemach verlängert die Durststrecke der hiesigen Textil- und Bekleidungsbranche. Doch es gibt auch Unternehmen, denen es nach wie vor gut geht.
Thomas Griesser Kym
Die Auftragslage der Schweizer Textilindustrie hat sich weiter verschlechtert. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Die Auftragslage der Schweizer Textilindustrie hat sich weiter verschlechtert. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Seit dem Schlussquartal 2018 ist die Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie im Abschwung. In jener Periode sanken die Exporte der Textilien erstmals nach vier Wachstumsquartalen und jene der Bekleidung nach deren sechs. In der Folge stürzte im ersten Quartal 2019 die Beurteilung der Geschäftslage durch die Branchenunternehmen knapp ins Nega­tive, nach zuvor 15 positiven Quartalen in Serie.

Im zweiten Quartal «hat sich die Lage nun weiter verschlechtert», wie der Verband Swiss Textiles im jüngsten Konjunkturbericht schreibt. So ist die Beurteilung der Geschäftslage nach leichter Aufhellung im Mai im Juni wieder unter die Nulllinie gesunken. Das heisst: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als schlecht einstuft, ist grösser als jene mit guter Geschäftslage. Noch akzentuierter ist der Rückgang des Auftragsbestands, dessen Saldo seit Anfang Jahr abgeschmiert ist. Das bedeutet, dass deutlich mehr Firmen ihren Auftragsbestand als zu klein erachten verglichen mit der Zahl der Betriebe, die zu viel Arbeit haben.

Die Lager füllen sich

Rückläufig waren im zweiten Quartal erneut die Exporte, wobei sich bei den Textilien im Vorjahresvergleich das Minus von 7 Prozent im Startquartal auf 8 Prozent verschlechtert hat. Schaut man das erste Semester an, beträgt der Exportrückgang bei den Textilien 7,5 Prozent auf 656 Millionen Franken, bei der Bekleidung (ohne Rücksendungen) 4,2 Prozent auf 1,35 Milliarden Franken. Die Kapazitätsauslastung ist von ihrem Rekordhoch von 88 Prozent im letzten Jahr mittlerweile auf 82 Prozent heruntergekommen, was von Swiss Textiles aber weiterhin als hoch bewertet wird. Grund sei wohl, dass «die Unternehmen dem sinkenden Auftragsbestand mit einem höheren Lagerbestand entgegenwirkten», also quasi auf Halde produzierten.

Swiss Textiles erklärt den Abschwung mit einer Kombination mehrerer Faktoren: Glo­bales Unbehagen als Folge der Handelskonflikte und des Brexit, die Erstarkung des Frankens, der wieder als sicherer Hafen gesucht ist, sowie die Abkühlung des Wachstums der Weltwirtschaft, was auf die Auslandnachfrage drückt. Besonders spürt die Branche die nachlassende Dynamik im Euroraum, denn nach Europa gehen über 80 Prozent der Schweizer Textil- und Bekleidungsexporte.

Es gibt auch positive Beispiele

Fazit von Swiss Textiles: «Die Aussichten bleiben vorerst trüb.» So blieben die Erwartungen der Unternehmen bezüglich Exporten und Beschäftigung für das laufende dritte Quartal eingetrübt. Punkto Verkaufspreisen und Bestellungen äusserten sich die Firmen im Juni zwar noch zuversichtlich. Doch diese Einschätzung datiert vor der jüngsten Aufwertung des Frankens.

Der Verband weiss aber auch von Unternehmen zu berichten, die in dem schwierigen Umfeld positiv herausstechen. Ein Beispiel ist die 1983 gegründete Modefirma Nile Clothing AG vom Bielersee. Deren Chef und Mehrheitsinhaber Marc Willy sagt, man sei im ersten Semester gewachsen und habe im Ausland Marktanteile gewonnen. Das Unternehmen bedient in der Schweiz und in Liechtenstein 18 Nile-Läden, davon zwei in St.Gallen und acht Geschäfte in Deutschland. Hinzu kommen Onlineshops. Deren Retourenquote betrage unter 35 Prozent; «damit arbeiten wir im Onlinehandel profitabel».

Nile entwirft die Kollektionen in der Schweiz und lässt sie in Asien fertigen. Die chinesischen Partnerbetriebe produzieren auch für die USA, weshalb der Handelsstreit bei ihnen Kapazität frei macht, was die Lieferzeit für Nile verringert. Langfristig seien die US-Umsätze aber wichtig für gewisse Partner zum Erhalt ihrer Infrastruktur.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.