Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

TEXTILINDUSTRIE: «Kopf und Herz bleiben in der Schweiz»

Nach sechs Jahren tritt Andreas Sallmann als Präsident von Swiss Textiles zurück. Der Thurgauer Unternehmer über seine Branche, die Frankenstärke und seine Nachfolge – im Verband und im Familienbetrieb.
Thorsten Fischer,
«Die Zeit zur Entwicklung von Innovationen wird immer kürzer»: Der Textilindustrielle Andreas Sallmann. (Bild: Ralph Ribi (Amriswil, 19. Juni 2017))

«Die Zeit zur Entwicklung von Innovationen wird immer kürzer»: Der Textilindustrielle Andreas Sallmann. (Bild: Ralph Ribi (Amriswil, 19. Juni 2017))

Interview: Thorsten Fischer,

Thomas Griesser Kym

Innovationen seien wichtig, doch davon allein könne ein Unternehmen nicht leben. Das sagt Andreas Sallmann, Wäschehersteller, Patron der Amriswiler ISA Sallmann AG und scheidender Prä­sident von Swiss Textiles.

Andreas Sallmann, gerade in der Textilindustrie ist der Strukturwandel tiefgreifend. Wie macht sich das im Branchenverband Swiss Textiles bemerkbar?

Unsere Mitgliederzahlen sind nicht gesunken, sondern sogar gestiegen. Klar gab es in jüngerer Zeit auch Schliessungen wie etwa die Spinnerei Hermann Bühler bei Winterthur. Aber junge Un­ternehmen sind dazugekommen, die im veränderten Umfeld mit neuen Ideen an den Markt gehen. Der grundlegende Trend entspricht dabei dem vieler Branchen: Herz und Kopf der Unternehmen bleiben in der Schweiz, während die Hände, also die Produktion, immer häufiger im Ausland zu finden sind.

Während Ihrer Amtszeit als Präsident von Swiss Textiles gab es auch heisse Eisen anzufassen. Welches war eines der heissesten?

Die Bündelung aller Aktivitäten am Standort Zürich, um den Verband im anspruchsvollen Umfeld schlagkräftiger zu machen. Das bedeutete den Abschied vom traditionsreichen Standort St. Gallen. Natürlich ist das nicht leichtgefallen, aber es hat sich gezeigt: Alle Kompetenzen an einem Ort zu versammeln, war der richtige Entscheid.

Die Schweizer Textilindustrie will sich mit hochmodernen und hochtechnischen Inno­vationen behaupten. Wird Technologie also immer wichtiger als die reinen Textilien?

Zum einen ist es ganz zentral, aktuelle Entwicklungen aufzunehmen. Verbindet man etwa die digitale Welt mit textilen Anwendungen, eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten. Daraus aber zu folgern, modische Aspekte spielten keine Rolle mehr, wäre falsch. Im Gegenteil: Gerade die St. Galler Stickereien oder auch der Erfolg des Modehauses Akris zeigen, wie gefragt hochwertiges Design ist. Quereinsteiger aus technologischen Berufen sind im Textilsektor zunehmend willkommen – aber Designkompetenz und eine praxisbezogene Ausbildung bleiben essenziell.

Besonders bei technischen Textilien gibt es laufend neue Anwendungen. Wo sehen Sie das grösste Potenzial?

Textilien, die einen medizinischen Zusatznutzen am oder im Körper bieten, gehören sicher dazu. Sensoren, die im Stoff in­tegriert sind, können etwa die unterschiedlichsten Körperfunktionen messen. Textilien finden dank ihrer spezifischen Eigenschaften aber vermehrt auch Anwendung in der Architektur oder in der Fahrzeugindustrie, wie zum Beispiel für Filter, Leichtbauteile oder Radaufhängungen.

Kann denn ein Textilunternehmen von Innovationen allein leben?

Innovationen sind bedeutsam. Doch um sie zum Erfolg zu führen, muss Zeit und Geld investiert werden. Diese Ressourcen hat ein Unternehmen auf Dauer nur, wenn es sich auf ein gut laufendes Geschäft mit klassischen, grundlegenden Produkten abstützen kann. Die Zeit zur Entwicklung von Innovationen wird allerdings immer kürzer. Darum müssen wir in der Schweiz Fachkräfte mit Know-how halten und ausbilden.

Ihr Unternehmen, die ISA Sallmann AG, stellt Wäsche her. Wie steht es bei Ihnen um die Innovationskraft?

Wir arbeiten zum einen mit neuen Materialien. Daraus fabrizieren wir Funktionsstoffe für ­Wäsche, die bei Neurodermitis Hautirritationen vorbeugt oder die, anders als Baumwollgewebe, Feuchtigkeit oder Gerüche absorbiert. Auch in der Schnittführung und bei Farben gibt es Innovationen.

Nachdem die Nationalbank Anfang 2015 den Wechselkurs von 1.20 Franken pro Euro aufgehoben hatte, sprachen sie von einem Schlag für die Branche. Vernichtend scheint dieser aber nicht gewesen zu sein.

Die Textilunternehmen sind krisenerprobt und haben sofort identifiziert, wo sie noch ratio­neller arbeiten können. Wer den Frankenschock überstanden hat, steht heute fitter und innovativer da als vorher. Wenn man unter Druck steht, ist das oft dem Ideenreichtum förderlich. Aus­serdem sind Rohmaterialien beim Einkauf im Euroraum günstiger geworden. Natürlich sind auch Stellen verlagert worden, vor allem von weniger komplexen Aktivitäten.

Das bereitet Ihnen Sorgen. Weshalb?

Weil es die Frage aufwirft, was wir mit weniger gut qualifizierten Arbeitskräften in der Zukunft tun sollen. Welche Arbeiten bleiben für sie übrig? Das betrifft alle Branchen. Nicht jeder kann am Computer arbeiten.

Wie hat sich Ihr Unternehmen mit dem starken Franken arrangiert?

Die günstigeren Vorleistungen und Preisnachlässe, die wir Kunden im In- und Ausland gewähren mussten, haben sich ungefähr die Waage gehalten. Wir haben sofort mit allen Lieferanten gesprochen und verhandelt sowie geschaut, wo wir noch kostengünstiger und einfacher produzieren können, und dies bei gleicher Qualität.

Trotzdem haben Sie im Ausland Einbussen erlitten. Wegen der Frankenstärke hat ISA Sallmann 2015 die Exportmärkte Deutschland und Italien aufgegeben. Wie sieht es dort heute aus?

Es zeichnet sich wieder ein Silberstreifen am Horizont ab. Der Handel nimmt wieder Produkte von uns ins Sortiment auf. Es gibt Konsumenten, die bereit sind, für Qualität etwas mehr zu bezahlen.

Sie wollen in ein paar Jahren die Firma an die siebte Generation weitergeben. Wie weit ist dieser Plan gediehen?

Relativ weit. Wir haben sechs Kinder, für zwei von ihnen hat es Platz im Unternehmen. Vorgesehen ist, dass ich mit 64, also in drei Jahren, die Firmenleitung abgebe. Beteiligt am Unternehmen bleiben zunächst noch alle Kinder.

Inwieweit ticken Ihre potenziellen, jungen Nachfolger im Unternehmen anders als Sie?

Ich verstehe es nicht schlecht, Unterwäsche auf die konventionelle Art zu verkaufen. Digitalisierung, Internet und E-Commerce schaffen neue Vertriebskanäle. Da kennen sich die Jungen besser aus als die Alten. Ganz wichtig aber sind in jedem Fall gute zwischenmenschliche Kontakte zu den Kunden.

Welche Erwartungen haben Sie an Carl Illi als Ihr Nachfolger als Swiss-Textiles-Präsident, und was geben Sie ihm mit?

Mitgeben muss ich ihm nichts. Er ist intelligent, erfolgreich und hat Erfahrung in der Schweiz und im Ausland, im Handel und in der Industrie. Was ich von Carl Illi ­erhoffe, ist, dass er sich als Verbandspräsident weiterhin für Rahmenbedingungen einsetzt, unter denen die schweizerische Textilindustrie gut arbeiten kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.