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Schweizer Textilindustrie: Eine gebeutelte Branche hangelt sich nach oben

Nach mehreren Quartalen der Erholung ist die Schweizer Textilbranche jüngst etwas gebremst worden. Die Zuversicht für 2019 wird getrübt durch geopolitische Unwägbarkeiten und die Verlangsamung der Weltkonjunktur.
Thomas Griesser Kym
Technische Textilien als Trumpf: Schoeller Textil aus Sevelen stellt via ihre Tochter Eschler Textil unter anderem Spezialfasern für Reinigungstextilien her. (Bild: PD)

Technische Textilien als Trumpf: Schoeller Textil aus Sevelen stellt via ihre Tochter Eschler Textil unter anderem Spezialfasern für Reinigungstextilien her. (Bild: PD)

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres hatte die Schweizer Textilindustrie Rückenwind verspürt. Die Exporte nahmen zu, allein für das erste Semester betrug das Plus 4,8 Prozent. Doch nun dies: Im vierten Quartal gingen die Ausfuhren im Vorjahresvergleich um 4,3 Prozent zurück (siehe Grafik), auf 318 Millionen Franken. Zwar hat Swiss Textiles mit einer Abschwächung gerechnet, doch seien die Exporte «unerwartet stark» geschrumpft, urteilt der Verband.

Schweizer Textilexporte mit Delle zum Jahresschluss

Prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal
-15-10-505I/2015II/2015III/2015IV/2015I/2016II/2016III/2016IV/2016I/2017II/2017III/2017IV/2017I/2018II/2018III/2018IV/2018

Zurückgeführt wird das Minus auf die nachlassende globale Nachfrage ab dem dritten Quartal. Ein wesentlicher Grund dafür sei der Handelsstreit der USA mit China und mit der EU, was die Investitionen belastet und das Wachstum des Welthandels gebremst hat. Aber auch die inländische Nachfrage habe nachgegeben, schreibt Swiss Textiles.

Kapazität besser ausgelastet, aber deutlich verringert

Gleichwohl war 2018 in der Gesamtbetrachtung erfolgreich für die Textilindustrie. Dank des Wachstums in den ersten drei Quartalen summieren sich die Exporte auf 1,34 Milliarden Franken, ein Plus von 1,9 Prozent. Rückgängen der Ausfuhren nach Amerika standen leichte Zuwächse nach Asien und in die EU ge­genüber. Im Weiteren beurteilen die Unternehmen der Branche die allgemeine Geschäftslage so gut wie seit Ende 2007 nicht mehr, und auch die Kapazitätsauslastung ist mit gut 87 Prozent so hoch wie vor der Finanzkrise 2008.

Allerdings sind die Kapazitäten Jahr für Jahr zurückgefahren worden, durch Schliessungen, Abbau und Verlagerungen ins Ausland, wie Jasmin Schmid einräumt, Leiterin Wirtschaft und Statistik bei Swiss Textiles. Die positive Kehrseite der Medaille: Von jenen Unternehmen, die überlebt haben, haben sich die meisten mittels Rationalisierung, Produktivitätssteigerung, Automatisation und Innovation fit getrimmt für den Wettbewerb. Trümpfe der hiesigen Textilindustrie sind hochmodische und, immer mehr, hochtechnische Textilien. Der Export technischer Textilien ist über die letzten zehn Jahre um 30 Prozent gestiegen, und mit 591 Millionen Franken macht er bereits 44 Prozent aller Textilausfuhren aus.

Entscheidend ist, was in der EU passiert

Für das laufende Jahr zeigt sich Swiss Textils verhalten zuversichtlich. Zwar sackten die Auftragsbestände gegen Ende 2018 im Vorjahresvergleich ab, und es machte gar den Anschein, als seien sie im freien Fall. Doch die Entwicklung wird relativiert mit Blick auf den sprunghaften Auftragsanstieg Ende 2017. Zudem hat sich die Auftragslage schon im vergangenen Januar wieder aufgefangen. Allerdings war und ist die Entwicklung ziemlich volatil, was Swiss Textiles mit geopolitischen Ungewissheiten erklärt. Dennoch geht der Verband davon aus, dass sich die Exporte im laufenden ersten Quartal wieder erholen, womit das Schlussquartal 2018 als Delle in Erinnerung bleiben dürfte. Allerdings hat die Branche ihre Erwartungen bezüglich der Exporte und der Bestellungen für das ganze 2019 etwas gesenkt, und auch die allgemeine Geschäftslage dürfte ihren Zenit überschritten haben. Viel hängt laut Swiss Textiles ab von den Entwicklungen in der EU mit Stichwörtern wie konjunkturelle Entwicklung oder Brexit. In die EU gehen gut 70 Prozent der Schweizer Textilexporte, der Anteil ganz Europas liegt bei 75 Prozent oder gut 1 Milliarde Franken.

Als «sehr günstig» wird der Arbeitsmarkt beurteilt. Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen beschäftigte die ganze Branche, also die Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederwarenindustrie, Ende September 2018 in Vollstellen gerechnet 12354 Personen, 58 weniger als vor Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote hier betrug Ende Jahr 2,7 Prozent nach 3,4 Prozent ein Jahr zuvor.

Die Sorgen eines Rheintaler Familienbetriebs

Im jüngsten Konjunkturbericht von Swiss Textiles kommt auch Bojan Mamula zu Wort, der Geschäftsführer der J. Weder-Meier AG. Das seit 1934 existierende Diepoldsauer Familienunternehmen entwickelt und produziert Blusen und Hemden, ist ausschliesslich im Schweizer Markt tätig und beliefert in erster Linie den Detailhandel. Aufgrund dieser Konstellation spüre die J. Weder-Meier AG noch immer die Aufgabe des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015, und der starke Franken habe den Einkaufstourismus attraktiver gemacht, sagt Mamula. Entsprechend sei 2018 für seine Firma «sehr herausfordernd» gewesen.

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