KONJUNKTUR
Schweizer Textilbranche hofft auf Shopping-Laune nach Öffnungen

Der Brexit und die dritte Coronawelle brachte den Aufschwung der Branche Anfang Jahr ins Stocken. Nun dürfte die wirtschaftliche Erholung aber auch die Schweizer Textilbranche erreichen.

Kaspar Enz
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Die Schweizer Textilindustrie hat im ersten Quartal dieses Jahres Textilien im Wert von 297 Millionen ausgeführt.

Die Schweizer Textilindustrie hat im ersten Quartal dieses Jahres Textilien im Wert von 297 Millionen ausgeführt.

Bild: Marcel Bieri/Keystone

Schon standen die Zeichen auf Erholung, als die dritte Welle anrollte. Der Bundesrat und etliche Nachbarländern verschärften die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das traf auch die Schweizer Textilindustrie. Der Auftragsbestand und die Exporte brachen Anfang Jahr noch einmal ein. Auch der Brexit trug seinen Teil bei: Die Textilexporte ins Vereinigte Königreich brachen um 22 Prozent ein, die Bekleidungsexporte um 37 Prozent, wie es im neusten Konjunkturbericht des Branchenverbandes Swisstextiles heisst.

Corinna Fischer, COO Textilcolor AG

Corinna Fischer, COO Textilcolor AG

Bild: PD

Und trotz Fortschritten bei den Impfkampagnen ist Corona noch nicht ausgestanden. Das sieht auch Corinna Fischer, COO der Seveler Textilcolor AG. Während die Kunden aus der EU, aus Südamerika oder Russland wieder mehr Aufträge platzieren, sei Nordafrika noch tief in der Krise, wird sie in der Mitteilung des Textilverbandes zitiert. Und die Kunden in Indien profitierten zwar vom Aufschwung in Amerika. Aber der Lockdown, den das schwer von der Pandemie getroffene Land verhängt hat, verzögere die Abfertigung von Containerschiffen. «Insgesamt ist die logistische Kette zum Kunden derzeit schwierig zu kontrollieren.»

Auch Textilbranche spürt Lieferengpässe

Das gilt aber auch für die Vorleistungen für die Textilcolor, die chemische Hilfsmittel und Farbstoffe für die Textilindustrie herstellt: «Wir werden täglich mit Preiserhöhungen konfrontiert», sagt Fischer. Die Rohstoffknappheit und die unterbrochenen Lieferketten setzen auch der Textilindustrie zu. Diesen Engpässen liegt aber eine positive Dynamik zu Grunde. «Die Nachfrage steigt viel schneller als angenommen und die erforderlichen Produktionskapazitäten sind nicht bereit.»

So präsentieren sich die Konjunkturzahlen der Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie noch durchzogen. Die Kapazitätsauslastung wie auch die Geschäftslage haben das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, wie Swiss Textiles aufgrund der Unternehmensumfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF feststellt. Die meisten Indikatoren hinken der Gesamtindustrie hinterher. Aber sie zeigen nach dem Aussetzer Anfang Jahr wieder nach Oben. «Mit der Entschärfung der Massnahmen ab dem 1. März und damit der Wiedereröffnung von Läden mit Gütern des nicht täglichen Gebrauchs setzte sich der Aufschwung wieder fort», heisst es im Bericht.

Aufschwung kann weiter gehen

Und auch die Stimmung hat sich gebessert. «Für das zweite Quartal gehen 25 Prozent der von der KOF befragten Unternehmen von höheren Bestellungen aus, neun Prozent rechnen noch mit sinkenden Bestellungen und 56 Prozent erwarten keine Veränderung», heisst es im Bericht weiter. Positiv könnte sich der Stimmungswandel auch auf die Beschäftigung auswirken. Die Arbeitslosenquote in der Textilindustrie war im Krisenverlauf von 3,7 Prozent auf 5,6 Prozent gestiegen. Ende 2020 beschäftigte die Industrie 12403 Personen, rund 350 weniger als ein Jahr zuvor. 11 Prozent der befragten Unternehmen gehen von steigender Beschäftigung aus, leicht mehr als die 8 Prozent, die mit sinkender Beschäftigung rechnen.

Die Hoffnung der Branche liegt nun auf weiteren Impffortschritten und damit Öffnungen. Diese Hoffung teilt auch Corinna Fischer. «Sobald alle Detailhändler in den europäischen Ländern wieder ohne Restriktionen verkaufen dürfen, sobald Menschen wieder zu touristischen Zwecken reisen dürfen und sobald wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen, werden auch wieder textile Produkte verkauft», sagt sie. (ken)