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«Teufel verstehen keine Ethik, Engel brauchen sie nicht»

22 Jahre lang hat Peter Ulrich, Jahrgang 1948, den ersten und bisher einzigen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik in der Schweiz inne. Das von ihm vor 20 Jahren gegründete Institut für Wirtschaftsethik hat an der St. Galler Wirtschaftsuniversität keinen leichten Stand.

22 Jahre lang hat Peter Ulrich, Jahrgang 1948, den ersten und bisher einzigen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik in der Schweiz inne. Das von ihm vor 20 Jahren gegründete Institut für Wirtschaftsethik hat an der St. Galler Wirtschaftsuniversität keinen leichten Stand. Ulrich spricht zwar leise, aber in deutlichen Worten: In den «Teppichetagen», bei den «Verantwortungsträgern» habe sich eine «enthemmte, mass-, rücksichts- und schamlose Geldgier, ja eine eigentliche Abzockermentalität ausgebreitet».

Ulrich weiss zwar, «Teufel verstehen keine Ethik, Engel brauchen sie nicht» – aber Unternehmer sind eben nur Menschen.

Die am Institut für Wirtschaftsethik entwickelte «Integrative Wirtschaftsethik» versteht Ulrich als neuen dritten Weg: Ethik wird der Wirtschaft nicht entgegengesetzt, und sie ist auch nicht nützliches oder ergänzendes Beiwerk des unternehmerischen Handelns, sondern sie will beleuchten, was hinter wirtschaftlichem Denken steht.

Sie will es zu einer anderen Vernunft führen: eine moderne Ökonomie, eine «praktische Disziplin», in der es «um einen wichtigen Aspekt des guten Lebens und des gerechten Zusammenlebens der Menschen, nämlich um das gesellschaftlich organisierte Werteschaffen, geht». Ulrich spricht von einer «lebensdienlichen» Wirtschaft.

Denn er ist überzeugt, dass sich die Rationalität der Wirtschaftswissenschaften von ihren Ursprüngen, der Moralphilosophie, entfernt hat. Die Ökonomie orientiere sich an einer scheinbar wertfreien Naturwissenschaft.

Dadurch lasse sich die Wirtschaft von «Sachzwängen» leiten (Profitstreben, grenzenloses Wachstum, Wettbewerb, Deregulierung), die als scheinbare Gesetzmässigkeiten nicht in Frage gestellt werden. Kurzfristige Shareholder-Orientierung steht vor nachhaltiger Entwicklung.

«Wir sind Sklaven des Marktes», sagt Ulrich. Die Fragen nach Sinn und Legitimation des Wirtschaftens werden nicht gestellt.

Aber: «Strikte Gewinnmaximierung kann prinzipiell keine legitime unternehmerische Handlungsorientierung sein, da sie moralische Selbstbindung von vornherein verwirft.» Und: «Legitimes Gewinnstreben ist stets moralisch (selbst-)begrenztes Gewinnstreben – nach Massgabe der Verantwortbarkeit bzw. Zumutbarkeit gegenüber allen Betroffenen.»

Ulrich fordert eine Bürgergesellschaft freier und gleicher Bürger, die die Wirtschaftsbürgerrechte in «allen unseren wirtschaftlichen Funktionen» (Produzent, Konsument, Investor) sicherstellt.

Seine Bücher sind Programm: «Integrative Wirtschaftsethik; Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie» (1997); «Zivilisierte Marktwirtschaft» (2002); «Der Entzauberte Markt» (2002). (eb)

Morgen, 5. Mai, hält Peter Ulrich seine Abschiedsvorlesung: «Die gesellschaftliche Einbettung der Marktwirtschaft als Kernproblem des 21. Jahrhunderts – Eine wirtschaftliche Fortschrittsperspektive». 18.15 Uhr, voraussichtlich im Audimax der HSG (statt in der Sporthalle).

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