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TESSIN: Die Talsohle ist durchschritten

Der Tourismus im Südkanton hat wieder deutlich angezogen. Dazu hat auch der neue Gotthard-Basistunnel beigetragen. Zudem erweist sich ein neues Angebot für Feriengäste als Renner.
Gerhard Lob, Locarno
Tessin-Tourismus-Chef Elia Frapolli mit einem übergrossen Modell des Ticino-Tickets. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Bellinzona, 29. November 2016))

Tessin-Tourismus-Chef Elia Frapolli mit einem übergrossen Modell des Ticino-Tickets. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Bellinzona, 29. November 2016))

Gerhard Lob, Locarno

Über Jahre gab es in der Tessiner Tourismusbranche nur einen Trend: abwärts. Doch im laufenden Jahr hat die Zahl der Logiernächte wieder deutlich angezogen. Damit setzt sich eine Gegenbewegung fort, die schon 2016 eingesetzt hat. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Logiernächte zwischen Januar und Ende August 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 1,61 auf 1,72 Millionen Logiernächte zugelegt hat. Dies entspricht einem Plus von 6,4 Prozent – rund 2 Punkte über dem landesweiten Durchschnitt.

Besonders erfreulich aus Tessiner Sicht ist die Rückkehr der deutschen Feriengäste. Diese hatten wohl auch wegen des starken Frankens dem Tessin den Rücken gekehrt. Mit einem Marktanteil von knapp 10 Prozent stellen die Gäste aus Deutschland die wichtigste Gruppe unter den ausländischen Gästen dar. Die Italiener folgen mit gut 6 Prozent. Unangefochten an erster Stelle bleiben im Tessin aber die Gäste aus dem Inland, vorab der Deutschschweiz. Zunehmend entdecken jedoch auch Westschweizer Reisende den italienischsprachigen Landesteil.

Welche Auswirkung hat das Burka-Verbot?

Diego Glaus, Direktor des Familienhotels Albergo Losone und jüngst zum Hotelier des Jahres gekürt, sagt: «Für unser Haus ist es die beste Saison seit langem.» Zu den Gründen für die Trendwende gehört die politische Grosswetterlage, die vielen Deutschschweizern und Deutschen die Lust auf gewohnte Auslandreisen genommen hat. Insbesondere Destinationen wie Südfrankreich, die Türkei oder Ägypten werden gemieden.

Zumindest im Inlandtourismus machte sich zudem der neue Gotthard-Basistunnel bemerkbar. «Es gibt zahlreiche Gäste, die jetzt mit dem Zug kommen und das Auto zu Hause lassen», sagt Lorenzo Pianezzi, Direktor des Hotels Walter au Lac in Lugano und zugleich Präsident des Tessiner Hoteliervereins Hotellerie­suisse Ticino. Die SBB verzeichnen im Gotthardverkehr 30 Prozent mehr Reisende; ein Teil davon sind Feriengäste, aber auch Tagestouristen für das Tessin. Die sommerlichen Staus am Gotthard zeigen indes auf, dass für viele Feriengäste das Auto längst nicht ausgedient hat. Bei innerkantonalen Ortsveränderungen setzen die Touristen hingegen zusehends auf den öffentlichen Verkehr. Bereits ab einer Übernachtung in einem Hotel, Campingplatz oder einer Jugendherberge können die Gäste den ÖV im Tessin und Misox gratis nutzen; zudem gelten bei vielen Anbietern – von der Seilbahn bis zum Wasserpark – vergünstigte Tarife.

Seit Einführung dieses Angebots am 1. August 2017 haben sich 500 000 Gäste ein Ticino-Ticket ausstellen lassen; 160 000 Mal wurden Vergünstigungen in Anspruch genommen. «Dieses Angebot ist eine wirkliche Bombe», sagt Nicolas Pittet, der zwei Campingplätze im Locarnese betreibt. Auch mit dem Auto oder Motorrad angereiste Gäste würden dieses Angebot gerne nutzen, um etwa die Täler zu erkunden und sorgenlos ein Gläschen Wein geniessen zu können. Familien hätten vorher das ÖV-Angebot nicht genutzt, da es ihnen zu teuer gewesen sei. Destinationen wie das Verzascatal spürten in diesem Sommer den «Ticino-­Ticket-Effekt». Postautos mussten teilweise Extrakurse fahren. Nicht vergessen darf man aber auch einen entscheidenden Faktor: das Wetter. Nach einem sonnenreichen Sommer erlebt das Tessin noch einen goldenen Herbst. «Vor kurzem hatte ich hier noch 2000 Leute auf dem Campingplatz», freut sich Simone Patelli, Besitzer des Campings Campofelice in Tenero, dem grössten Camping der Schweiz mit 820 Stellplätzen. Er warnt bei aller Zufriedenheit vor übertriebener Euphorie. Denn über Jahre seien die Übernachtungszahlen stark gesunken: «Die Vergleichszahlen liegen also tief.» Von den goldenen Jahren sei man nach wie vor weit entfernt. Schwer zu beantworten ist die Frage, ob das Mitte 2016 in Kraft getretene Burka-Verbot Auswirkungen auf die Präsenz der arabischen Klientel hatte. Auffällig ist jedenfalls, dass bei den Logiernächten zwischen Januar und August 2017 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum deutliche Minus-Zahlen zu verzeichnen sind. Die Zahl der Gäste aus den Golfstaaten sank von 35 284 auf 32 121 (–9 Prozent). In Bezug auf die Gesamtzahl an Logiernächten liegt der Anteil dieser Gästegruppe allerdings bei unter 2 Prozent.

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