Seniorenzentren als Investment: Tertianum wird wieder weitergereicht

Die Beteiligungsgesellschaft Capvis ist auf Wachstumskurs. Nun hat sie die Pflegeheimgruppe Tertianum gekauft.

Stefan Borkert Maurizio Minetti
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Lange Zeit war Berlingen mit dem Neutal der Sitz von Tertianum.

Lange Zeit war Berlingen mit dem Neutal der Sitz von Tertianum.

Bild: Donato Caspari

Der jüngste Deal hat für Aufsehen gesorgt. Die Oltner Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site verkauft die Alters- und Pflegeheimgruppe Tertianum an die Beteiligungsgesellschaft Capvis. Zu den über 80 Wohn- und ­Pflegezentren sowie Residenzen von Tertianum gehören auch 16 Standorte in der Ostschweiz. 1982 in Bern gegründet, ist Tertianum 1990 von der Familie Künzli, die die Seniorenresidenz Neutal in Berlingen führte, übernommen worden. Was folgte, war ein steter Ausbau. 2008 ist der Firmensitz schliesslich von Berlingen nach Zürich verlegt worden. 2013 erfolgte der Einstieg der Swiss Prime Site AG, die nach mehreren Akquisitionen das Unternehmen nun an die Capvis weiterverkauft. Den Kaufpreis gaben Swiss Prime Site und Capvis nicht bekannt. Gemäss Schätzungen könnte eine halbe Milliarde Franken fliessen.

Mit der Desinvestition der Tertianum-Gruppe werde die Struktur des Unternehmens ab 2020 vereinfacht und Swiss Prime Site stärker auf das Kerngeschäft Immobilien ausgerichtet. Die Mittel aus der Transaktion würden die Kapitalisierung stärken und in die Entwicklungspipeline reinvestiert, heisst es bei Swiss Prime Site.

Mitarbeiter werden übernommen

Das Betriebsergebnis der Tertianum-Gruppe beträgt um die 30 Millionen Franken pro Jahr. Das werde über die Realisation der Immobilienprojekte kompensiert. Nach Abschluss der Transaktion, dem Closing, erwartet Swiss Prime Site einen ­signifikanten Gewinnbeitrag in der Rechnung 2020. Gemäss Communiqué werden die 4700 Mitarbeitenden und das Management der Tertianum-Gruppe von Capvis übernommen. Die von Swiss Prime Site gehaltenen Liegenschaften verbleiben allerdings weiterhin im Besitz des Immobilienunternehmens.

Für Capvis ist das eine bedeutende Transaktion, denn die Zuger Investmentfirma war bislang nicht im Pflegesektor aktiv. Capvis ist darauf spezialisiert, Mehrheitsbeteiligungen an nicht börsenkotierten Technologie- und Serviceunternehmen zu kaufen und diese nach einer Zeitspanne von rund fünf Jahren wieder gewinnbringend zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Einen Börsengang der Tertianum-­Gruppe, wie er schon 2016 angedacht war, schliesst Capvis-CEO Daniel Flaig im Gespräch nicht aus. «Mit dem Kauf von Tertianum unterstreichen wir die Stellung als grösste Schweizer Private-Equity-Gesellschaft für Direktinvestments», sagt Flaig.

Zehn Firmen an die Börse gebracht

Der aktuelle Capvis-Fonds hat einen Wert von 1,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der erste Capvis-Fonds 1990 war 84 Millionen Franken schwer. Seit der Jahrtausendwende hat Capvis nur noch Euro-Fonds aufgelegt, weil sich die Firmen, die Capvis übernommen und wieder verkauf hat, vorwiegend im Euroraum bewegen. «Wir haben in den letzten 25 Jahren zehn Firmen an die Börse gebracht, davon acht aus der Schweiz», sagt CEO Flaig. Zu den Capvis-Investoren gehören institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen.

Capvis hiess bis vor zwanzig Jahren SBC Equity Partners. Die Abkürzung stand für Swiss Banking Corporation, womit die englische Übersetzung des Schweizerischen Bankvereins gemeint war. Aus der Vorgängerbank der heutigen UBS war SBC Mitte der Neunzigerjahre entstanden. Von 1995 bis zur Fusion von UBS und Bankverein im Jahr 1998 war SBC die Organisation des Bankenvereins für Private-Equity-­Investitionen in Europa. Nach der Fusion wurde aus dem Team die Capvis Equity Partners mit Sitz in Opfikon.

VAT an die Börse gebracht

Erst vor sechs Jahren hat die ­Gesellschaft den Hauptsitz nach Baar verlegt. Dort, auf der gegenüberliegenden Strassenseite, ist der Hauptsitz der Partners Group, die um einiges grösser als Capvis ist. Als Konkurrenten sehen sich die beiden Unternehmen nicht, wie Flaig sagt: «Wir haben schon mehrmals zusammen Transaktionen durchgeführt.» So hat Capvis den Ostschweizer Vakuumventile-Hersteller VAT Group zusammen mit Partners Group im Februar 2014 übernommen und im April 2016 an die Börse gebracht.

Investmentgesellschaften wie Capvis operieren meist im Hintergrund, um für ihre Investoren Mehrwert zu schaffen. Wäre ein Börsengang von Capvis ebenfalls denkbar? Flaig sagt, solche Pläne bestünden derzeit nicht, ergänzt aber: «Was in Zukunft sein wird, kann ich noch nicht sagen.»

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