Telefonmitschnitte entlarven irische Banker

Neu aufgetauchte Telefonmitschnitte offenbaren den Zynismus irischer Banker im Finanzkrisenherbst 2008.

Sebastian Borger
Drucken
Teilen

LONDON. In Irland gerät die Regierung wegen der mittlerweile verstaatlichten Pleitebanken unter Druck. Neu aufgetauchte Telefonmitschnitte verdeutlichen, dass das Management der Anglo-Irish Bank (AIB) auf dem Höhepunkt der Bankenkrise 2008 den Aufsichtsbehörden wissentlich falsche Angaben machte. Eine vorschnelle Garantie für die Banken durch die damalige Regierung führte zum Bankrott des Landes im Herbst 2010. Jetzt soll rasch eine parlamentarische Untersuchung einberufen werden, gegen die sich hohe Beamte und Notenbanker bisher sträubten.

«Deutschland über alles»

Auf den bankinternen Mitschnitten, die dem «Independent» zugespielt wurden, macht sich der damalige AIB-Chef David Drumm über Bedenken der EU-Partner lustig: «Wir wollen nicht zu krass sein, aber Hauptsache, wir kriegen das verfluchte Geld», sagt Drumm und kichert, während sein Abteilungsleiter John Bowe «Deutschland, Deutschland über alles» aus dem Lied der Deutschen singt – eine Anspielung darauf, dass nach der Bankengarantie die Gelder deutscher Anleger nach Irland flossen.

«Aus dem Arsch gezogen»

In einem anderen Mitschnitt reisst Bowe mit einem anderen AIB-Banker drei Tage nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 Witze über die Staatshilfe, welche die AIB bei Regierung und Notenbank beantragt hat. Warum es sich um die Summe von 7 Mrd. € handle, wird Bowe gefragt. «Das haben wir uns aus dem Arsch gezogen», antwortet er: «In Wirklichkeit brauchen wir mehr.» Sollte die Notenbank aber das Ausmass der Probleme erkennen, «könnten die glauben, sie haben eine Wahl, verstehen Sie?». Tatsächlich führte die einmal gewährte Staatshilfe dazu, dass Irland dauerhaft für die mit giftigen Immobilienpapieren vollgestopfte AIB verantwortlich wurde. Die Kosten beziffern Experten allein für diese Bank auf 30 Mrd. €.

Für Irland ist die Affäre besonders peinlich, weil sie das Ausmass der Ahnungslosigkeit in Regierung und Aufsichtsbehörden offenlegt. Drei frühere AIB-Manager stehen unter Betrugsanklage, darunter der ehemalige Bankchef Seán Fitzpatrick. David Drumm selber lebt seit Jahren in Boston in den USA und verweigert die Rückkehr nach Irland, wo ihn die Staatsanwaltschaft befragen will. Bowe bestreitet die Irreführung der Notenbank.