Teilzeit – nicht überall möglich

Die Pro-Familia-Studie «Was Männer wollen!» fordert tiefere Arbeitspensen und mehr Flexibilität auch für Männer. Die Ostschweizer Unternehmen bieten ihren Männern diverse Möglichkeiten.

Katrin Meier
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Familienfreundlichkeit und flexible Arbeitszeit werden für männliche Arbeitnehmer immer wichtiger – 70 Prozent der Männer achten auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei einer Neuanstellung. Dies zeigt die Pro- Familia-Studie für den Kanton St. Gallen.

«Wir ermöglichen Teilzeitarbeit»

Viele Ostschweizer Unternehmen sind sich dieser Ansprüche bereits bewusst und gewähren auch ihren männlichen Mitarbeitern Teilzeitpensen: «Wir ermöglichen Männern Teilzeitarbeit,

flexibles Arbeiten sowie Jobsharing und Telearbeit», sagt Simon Netzle, Pressesprecher der St. Galler Kantonalbank, «vorausgesetzt, das lässt sich mit den Interessen der Bank vereinbaren.»

Die SGKB stellt fest, dass das Bedürfnis nach Teilzeitbeschäftigung gestiegen sei. 20 Prozent der Mitarbeitenden arbeite Teilzeit – ein Prozent mehr als im Vorjahr – sowie 10 Prozent des Kaders.

Ähnliches hört man von der Geoinfo AG: «Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist in den letzten Jahren auf allen Stufen gestiegen», sagt Ueli Forrer, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Die Hälfte der Geschäftsleiter arbeitet bei Geoinfo Teilzeit, während dies 42 Prozent der Bereichsleiter tun.

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub

Bei der Migros Ostschweiz seien Teilzeitstellen ebenfalls gegeben, sagt Pressesprecherin Silke Seichter. «Einzig bei Kaderpositionen kann es Einschränkungen geben.

Wir unterscheiden aber nicht zwischen Mann und Frau.» Die Migros sei bemüht um eine familienfreundliche Lösung.

Zudem bietet die Migros zwei Wochen Vaterschaftsurlaub an sowie maximal zwei Wochen unbezahlte Ferien. Auch die Geoinfo AG hat gute Erfahrungen gemacht mit dem 2007 eingeführten zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub: «Unsere Firma profitiert davon, wenn die Arbeit des Vaters in der Familie einen guten Rückhalt geniesst», sagt Forrer.

Die Thurgauer Kantonalbank hingegen stellt kein «ausgewiesenes Bedürfnis» nach Vaterschaftsurlauben fest und bietet diese nicht an. Von 185 Teilzeitmitarbeitern sind lediglich 30 männlich.

«Nicht bereit, Kosten zu tragen»

Einzig Ruedi Lieberherr, Geschäftsführer der Morga AG, lehnt flexible Arbeitsmodelle kategorisch ab: «Teilzeitstellen für Männer können wir nicht mehr anbieten.

Unsere Produktionsabläufe bilden Einheiten, bei denen alle anwesend sein müssen, damit die Zusammenarbeit klappt.» Weder flexible Arbeitszeiten noch bezahlter Vaterschaftsurlaub liege drin: «Wir sind nicht bereit, diese Kosten zu tragen.» Die Firma trage bei den weiblichen Beschäftigten bereits «überdurchschnittlich viel zu diesen Thema bei».

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