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Teilzeit auf dem Vormarsch

Immer mehr Beschäftigte wollen Teilzeit arbeiten. Schweizer Unternehmen gehen je nach Branche unterschiedlich auf das neue Bedürfnis ein. Und gerade die grossen Firmen tun sich schwer damit.
Andreas Lorenz-Meyer
Mit Teilzeitarbeit lassen sich Beruf und Familie besser verbinden. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Mit Teilzeitarbeit lassen sich Beruf und Familie besser verbinden. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Andreas Lorenz-Meyer

Immer mehr Beschäftigte wollen Teilzeit arbeiten. Manche Schweizer Unternehmen tun sich aber schwer damit. Im Gesundheitswesen gibt es zwar viele Stellen. Jedoch erfordern manche Funktionen eine hohe Präsenz. Die Schweizer Industrie wiederum versucht durch Teilzeit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Aber das braucht Zeit.

Eine bessere Work-Life-Balance, mehr Zeit für die Familie. Gute Gründe, den klassischen 100%-Job nur noch als zweite Wahl zu betrachten. Die Zahl der Arbeitnehmer, die Teilzeit arbeiten wollen, steigt. Zudem finden Mütter über eine Teilzeitanstellung besser in den Arbeitsmarkt zurück. Was auch volkswirtschaftlich zu begrüssen ist, stellt die Boston Consulting Group in einer Studie aus dem Jahr 2016 fest. 50000 hoch qualifizierte Akademikerinnen würden nach der Geburt des Kindes zu Hause bleiben. Ihr Wissen und Engagement fehlen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Und die rund 5,75 Mrd. Fr., die der Staat in die Ausbildung der Frauen investiert hat, fliessen nicht in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Für Hochqualifizierte fast nur Vollzeitstellen

Wer Anstellungen jenseits der 100% sucht, findet sie auf ­teilzeitkarriere.ch. Jüngst hat das Portal, das Teilzeit «salonfähig» machen will, die Rangliste der Top-100-Teilzeit-Arbeitgeber 2016 veröffentlicht. Unter den ersten zehn Unternehmen gibt es einen signifikanten Anstieg von Teilzeitstellen: 12000 gegenüber 8700 im Vorjahr. Jedoch sagt die reine Zahl nichts über die Offenheit eines Unternehmens für Teilzeit aus, denn die Rangliste basiert auf absoluten Zahlen. «Daher sind grosse Unternehmen mit vielen Beschäftigten im Vorteil», sagt Andy Keel, Betreiber des Portals. «Gerade die Grossen tun sich extrem schwer mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und besonders mit Teilzeit.»

Der Grossteil der Teilzeitstellen hierzulande bezieht sich auf ein Pensum von 80 bis 100%. Keel geht davon aus, dass maximal jede dritte dieser Stellen wirklich in Teilzeit besetzt wird. Meist handelt es sich dann doch um einen Vollzeitjob. In der Schweiz gebe es wenige Unternehmen, die hoch qualifizierte Stellen in Teilzeit ausschreiben. Anders sieht es bei KMU aus. Da seien einige flexibler und besetzen die Leitung eines Rechtsdienstes mal mit 40%.

Was die Entwicklung hin zu mehr Teilzeit in der Schweiz bremst? «Allen voran ein veraltetes Hierarchie- und Präsenzdenken», meint Keel. «Nur wer Vollzeit leistet, ist mit dabei im Club der Performer.» Hinzu kommt, dass viele Unternehmen nach wie vor nicht in der Lage seien, flächendeckend mobil und in der Cloud zu arbeiten. Das würde Teilzeit aber vereinfachen. Flexible Arbeitsorte seien zum Beispiel wichtig, wenn die Kinder mittags von der Schule nach Hause kommen. Detailhandel, öffentliche Verwaltung und Gesundheitsbranche sind im Ranking am stärksten vertreten. Auch in der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) ist Teilzeit Thema. 2014 veröffentlichte der Verband Swissmem eine Studie zum Fachkräftemangel. Dieser resultiert aus den Pensionierungen, die die Branche verkraften muss. 20000 jährlich in den kommenden Jahren. Fünf Berufsfelder, darunter Maschinisten und Ingenieure, sind besonders betroffen. Dem Fachkräftemangel will die Branche auch mit mehr Teilzeit für Frauen und Männer entgegenwirken.

Teilzeitarbeit hilft bei Kampf gegen Fachkräftemangel

«Teilzeitarbeit entspricht vermehrt dem Bedürfnis der Arbeitnehmer», sagt Ivo Zimmermann vom Verband. «Sie erlaubt es zum Beispiel jungen Eltern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und weiterhin in ihrem Arbeitsbereich tätig zu bleiben.» Teilzeitstellen helfen, Mitarbeiter, besonders Frauen, für die Branche zu gewinnen und sie dann auch im Unternehmen zu halten. Zudem verschaffen sie einem Unternehmen den Zugang zu einem neuen Pool möglicher Mitarbeiter. Auch das hilft gegen den Fachkräftemangel.

Laut der 2014er-Studie arbeiteten in der MEM-Branche 87% der Mitarbeiter Vollzeit (Schweizer Gesamtwirtschaft: 67%). Die Quote hat sich seither kaum verändert. «Die Entwicklung hin zu mehr Teilzeitarbeit braucht Zeit», erklärt Zimmermann. «Das liegt nicht nur an den Unternehmen. Wir haben auch festgestellt, dass sich die Männer in unserer Branche oft noch schwer tun, nach einer Teilzeitstelle zu fragen.» In der Regel sei es einfacher, eine Teilzeitbeschäftigung in administrativen Bereichen anzubieten als in der Produktion. Was mit den bereichsübergreifenden Abhängigkeiten zusammenhängt, aber auch mit den engen terminlichen Vorgaben im Projektgeschäft. Der Wettbewerb um Talente spielt ebenso eine Rolle. Zimmermann: «Um international wettbewerbsfähig zu sein, ist die Industrie auf die besten Fachkräfte angewiesen. In der Wahl des Arbeitgebers kann Teilzeitarbeit ein Kriterium sein.»

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