Rapperswiler Technologiegruppe Weidmann beliefert Roche für Tests im Zusammenhang mit dem Coronavirus und baut Standort Bad Ragaz aus

Mehr Umsatz, eine gute Auftragslage und ein zuversichtlicher Ausblick: Die Rapperswiler Technologiegruppe Weidmann läuft rund. Allerdings wird das Betriebsergebnis durch mehrere Faktoren belastet, und Corona ist ein Faktor der Ungewissheit. Schwung verleiht ein Zusatzauftrag des Pharmakonzerns Roche.

Thomas Griesser Kym
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Reinraum von Weidmann zur Fertigung von Kunststoffprodukten für die Medizintechnik.

Reinraum von Weidmann zur Fertigung von Kunststoffprodukten für die Medizintechnik.

Bild: PD

Die Weidmann-Gruppe mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona ist an weltweit 30 Standorten präsent und beschäftigt rund 2800 Mitarbeitende, davon 425 in der Schweiz. Vergangenes Jahr hat sie den Umsatz um 3 Prozent auf 351 Millionen Franken gesteigert.

Weidmann-Chefin Franziska Tschudi Sauber sieht allerdings das Betriebsergebnis belastet. Dies durch Restrukturierungsaufwendungen, deutlich gestiegene Kosten für das Rohmaterial Cellulose und die Frankenstärke.

«Gute Auftragslage»

Positiv hingegen ist, dass Weidmann auch in der Coronakrise von einer «guten Auftragslage» gestützt werde sowie dadurch, dass die Geschäfte der Gruppe als wichtig gelten zur Grundversorgung der Gesellschaft. Das Unternehmen ist auf drei Gebieten tätig.

Die mit Abstand grösste Sparte Electrical Technology entwickelt und produziert Hochspannungs-Isolationsmaterial und -komponenten vor allem aus Cellulose sowie weitere Produkte wie Sensoren oder Monitore für Hersteller und Betreiber von Transformatoren.

Zwiespältiger Erfolg in China

2019 ist die Sparte dank guter Nachfrage aus Amerika um 2,5 Prozent gewachsen. In China wurde zudem ein Teil lange erwarteter Grossprojekte vergeben, allerdings nur an chinesische Firmen. Davon profitierten immerhin die lokalen Weidmann-Werke in Jiaxing und Wuhan, nicht aber die Schweizer Werke in Rapperswil und Ennenda.

Als Folge ist die Auslastung der Produktion der Schweizer Werke etwas gesunken. In Verbindung mit der Frankenstärke hat dies Weidmann vor einiger Zeit bewogen, die Schweizer Komponentenfertigung in Werke in China und der Ukraine zu verlagern. Das Werk in Ennenda mit noch 15 Mitarbeitenden macht dicht und wird verkauft, doch wird der Vollzug auf nächstes Jahr verschoben. Entlassungen wolle man vermeiden, sagt Franziska Tschudi Sauber. 

Franziska Tschudi Sauber, Chefin der Weidmann-Gruppe.

Franziska Tschudi Sauber, Chefin der Weidmann-Gruppe.

Bild: Urs Bucher

Fiber Technology gewinnt an Schwung

Die junge Sparte Fiber Technolgy entwickelt und fertigt als Start-up Produkte aus biologischer und rezyklierbarer mikrofibrillierter Cellulose (MFC). Erste MFC-Standardprodukte für Verpackungen zum Beispiel von Kosmetika oder Körperpflegeprodukten seien an die Spezialpapierindustrie geliefert worden. 

Die dritte Sparte Medical Technology stellt hochwertige Kunststoffanwendungen für die Medizintechnik und die Pharmaindustrie her. Dank erfolgreicher Akquisition von Projekten und höherer Serienumsätze mit neuen Produkten stiegen die Verkäufe um annähernd 2 Prozent.

Neue Reinräume in Bad Ragaz und Kooperation mit Roche

Dank Optimierungen habe man ausserdem die Produktivität der beiden Werke in Bad Ragaz und in Mexiko erhöht. Nun wird der Bad Ragazer Produktionsstandort mit Reinräumen weiter ausgebaut, dies wegen neu anlaufender Produkte für die Diagnostik und für medizinische Geräte. 

Im Zusammenhang mit dem Ausbau wird es auch einige neue Stellen geben. Dies gilt ebenso mit einem Zusatzauftrag von Roche, den Weidmann erhalten hat. Der Cobas-Sars-Cov-2-Test des Pharmakonzerns wird von medizinischem Fachpersonal verwendet, um festzustellen, ob bei Patienten ein Erkrankungsrisiko aufgrund einer Infektion mit dem Coronavius besteht, die schwere Symptome in den oberen Atemwegen und Komplikationen auslösen und potenziell auch zum Tod führen kann. Der Test ist zur Verwendung auf automatisierten Cobas-Systemen bestimmt. Weidmann liefert dafür Kunststoffanwendungen.

Kurzarbeit kein Thema

Im Ausblick schreibt Franziska Tschudi Sauber, «grundsätzlich sind die Marktaussichten respektive die Nachfrage unserer Kunden erfreulich. Unsere führende Position in Technologie, Qualität und weltweiter, lokal aufgestellter Produktionswerke wird gerade in unsicheren Zeiten zunehmend geschätzt und gesucht.» Die laufenden Restrukturierungen und Verlagerungen sollten sich mittelfristig positiv auf Weidmanns Wettbewerbsfähigkeit auswirken.

Deshalb hat die Firmengruppe «in allen Unternehmensbereichen mit steigendem Umsatz und einem höheren operativen Ergebnis geplant». Allerdings berge die Coronakrise nun Ungewissheiten in sich, die man nicht abschätzen könne. Bisher jedoch sei die Nachfrage nach den Weidmann-Produkten intakt. Kurzarbeit sei kein Thema.

Frisches Blut erhält Weidmann im Verwaltungsrat: An der Generalversammlung vom 24. April ist Jennifer Maag-Pelz neu ins Aufsichtsgremium der Weidmann Holding AG gewählt worden.

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