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Tauziehen um U-Bahn-Auftrag für Stadler geht weiter, und das Unternehmen beginnt mit dem Neubau in St.Margrethen

Die unendliche Geschichte um eine beabsichtigte Bestellung der Berliner U-Bahn bei Stadler ist um ein Kapitel reicher. Die U-Bahn fährt immer schneller auf einen befürchteten Engpass beim Rollmaterial zu. In St.Margrethen legt Stadler in Kürze den Grundstein für sein neues Werk.
Thomas Griesser Kym
Züge der Berliner U-Bahn im Depot Friedrichsfelde. (Bild: Aazarus/Wikipedia)

Züge der Berliner U-Bahn im Depot Friedrichsfelde. (Bild: Aazarus/Wikipedia)

20 U-Bahn-Kompositionen mit 80 Wagen für 115 Millionen Euro: Diesen Auftrag wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an Stadler vergeben. Vergangenen November haben die BVG diesem Vorhaben zugestimmt, doch noch immer hängt die Bestellung in der Luft, weil der Stadler-Konkurrent Siemens vergangenen November Beschwerde eingelegt hat.

Jüngster Schritt im Tauziehen um den U-Bahn-Auftrag: Vergangenen Montag hat das Kammergericht des Landes Berlin rechtliche Bedenken an der Auftragsvergabe geäussert. Es bestünden Zweifel daran, ob die Vergabe an Stadler ohne europaweite öffentliche Ausschreibung rechtmässig sei, befanden die Richter. Vor dem Gerichtsentscheid hatten sich die Parteien vergangene Woche zu einem Mediationsgespräch getroffen - ohne eine Einigung zu finden.

Risse und Rost

Stein des Anstosses ist, dass die BVG die 80 U-Bahn-Wagen bei Stadler im Rahmen einer Direktvergabe bestellen wollen. Den Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung, die bei einer Beschaffung dieser Grössenordnung eigentlich zwingend erforderlich ist, begründen die BVG mit einer Notlage: Für die Züge der alten Baureihe F79 brauche man dringend und rasch Ersatz. An zahlreichen Wagen seien Risse und Rost aufgetreten, weshalb dieses Rollmaterial weniger lang betriebssicher sei und technisch durchhalten werde als zunächst erwartet. Auch seien diese Risse irreparabel. Als Folge drohten ab 2019 Kapazitätsengpässe beim Rollmaterial, mit einschneidenden Folgen für die Passagiere, zumal die U-Bahn-Züge in Berlin schon heute aus allen Nähten platzen.

In der Darstellung der BVG ist nur Stadler in der Lage, neue Züge rechtzeitig zu liefern. Dies, weil die Stadler Pankow GmbH, die Berliner Tochter des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers, ohnehin bereits an einer Bestellung von 40 anderen U-Bahn-Zügen für die BVG arbeitet. Das Kammergericht indessen äussert Skepsis und argumentiert, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die BVG mit der Direktvergabe «den Wettbewerb künstlich einschränken». Eine Rolle spielte beim Gerichtsentscheid auch ein BVG-internes Reparaturkonzept aus dem Vorjahr, das die Siemens-Anwälte vorlegten. In diesem Konzept werden Risse, die an sechs U-Bahn-Wagen festgestellt worden waren, als geringfügig und reparaturfähig eingestuft.

Juristen belehren die Verkehrsbetriebe

Kommt hinzu, dass Rechtsexperten die BVG ebenfalls kritisieren. Unterhalt und Wartung des Rollmaterial sowie der rechtzeitige Ersatz alter Züge durch die Beschaffung neuer gehöre zu den Kernaufgaben eines Bahnbetreibers. So sagte etwa Anwalt Ralf Leinemann vergangenen Dezember ge­genüber der «Berliner Zeitung»: «Dass U-Bahnen erneuert werden müssen, kann für die BVG keine Überraschung sein und begründet auch keine Dringlichkeit.»

Wegen des juristischen Hick-Hacks bleibt die Auftragsvergabe vorerst blockiert, und die Bestellung bei Stadler liegt weiterhin auf Eis. Bis zu einer Lösung dürfte es auch noch geraume Zeit dauern: Das Kammergericht will ein weiteres Mal in dem Streit verhandeln, am kommenden 16. Oktober.

Hier Konkurrenten, dort Kollaborateure

Wagenkasten für die Berliner S-Bahn. (Bild: Stadler Pankow)

Wagenkasten für die Berliner
S-Bahn. (Bild: Stadler Pankow)

Ironie der Geschichte: Vergangenen November hat die Berliner S-Bahn 106 Züge bestellt - bei einem Konsortium bestehend aus Stadler Pankow und Siemens. Pikant: In München hat Siemens bei Strassenbahnen selbst von einer Eilbestellung ohne Ausschreibung profitiert - und die Konkurrenz hat stillgehalten.

Stadler beginnt mit Neubau in St.Margrethen

Nachdem die letzte Einsprache bereinigt worden ist, legt Stadler am Mittwoch, 4. Juli, in St.Margrethen den Grundstein für sein neues Werk. Bauplatz ist das Altfeldareal beim Bahnhof. In das neue Werk wird Stadler sein Kompetenzzentrum für Doppelstocktriebzüge verlegen, das momentan in Altenrhein angesiedelt ist. Mit der Züglete, die für 2020 geplant ist, wird ein Grossteil der gut 1000 Beschäftigten den Arbeitsplatz nach St.Margrethen verschieben. Am Standort Altenrhein soll lediglich die Aluminium-Detailfertigung verbleiben. Diese ist in einer modernen, rund zehn Jahre alten Abteilung untergebracht, während der Rest des Werks über hundert Jahre auf dem Buckel hat. Ziel des neuen Standorts in St.Margrethen ist es, die Produktionsbedingungen zu optimieren und damit verbunden die Wettbewerbsfähigkeit Stadlers aus der Schweiz heraus zu erhalten. Stadler-Inhaber und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler bezeichnet das geplante Investment als «klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und zum Standort im Dreiländereck». (T.G.)

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