Tapie sitzt in Untersuchungshaft

Die Schlinge um Bernard Tapie zieht sich zu: Der frühere Adidas-Besitzer ist in Untersuchungshaft gekommen. Alles dreht sich um eine Entschädigung von 2008.

Stefan Brändle
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PARIS. Wie beim Boxkampf war die ärztliche Hilfe bereitgestellt: Als Ort für Tapies U-Haft wählten die Richter gestern das Pariser Krankenhaus Hôtel-Dieu. In einem für Häftlinge eingerichteten Raum vernahmen sie den 70jährigen Unternehmer, dem in seiner reichen Vergangenheit der Fussballclub Olympique Marseille oder der Sportartikelhersteller Adidas gehört hatten.

Umstrittene Zahlung

Tapie kann von Rechts wegen vier Tage lang festgehalten werden. Er muss sich für mehr als 400 Mio. € rechtfertigen, die er 2008 von einem Schiedsgericht als Entschädigung für den Adidas-Verkauf zugesprochen erhalten hatte. Die französische Justiz hegt den Verdacht, dass dieser private Deal von Beginn weg abgekartet gewesen sei; der frühere Präsident Nicolas Sarkozy und Ex-Ministerin Christine Lagarde – heute Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) – sollen auf Kosten der Steuerzahler Hand geboten haben für die Entschädigung des Mitte-Politikers Tapie, der im Gegenzug 2007 zur Wahl Sarkozys aufgerufen habe.

Gegen Lagardes ehemaligen Kabinettschef Stéphane Richard, heute Vorsteher von France Télécom-Orange, ist bereits kürzlich ein Strafverfahren wegen «bandenmässigen Betrugs» eröffnet worden.

Wenig beeindruckt

Tapie zeigte sich gestern von diesen Ermittlungen wenig beeindruckt. Er pfeife darauf, meinte er grossspurig wie immer; die Richter hätten ihn in seinem Leben schon siebenmal eingebuchtet, doch sechsmal sei das Verfahren eingestellt und einmal sei er freigesprochen worden. Sollten die Untersuchungsrichter zum Ende der U-Haft ein Strafverfahren gegen Tapie einleiten, hätte dies wohl auch Folgen für Exponenten wie Richard oder Lagarde, die an ihren Spitzenpositionen unter Druck kommen könnten.