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TAG DER FRAU: 2017 gab es sogar weniger Frauen in Führungspositionen

Die Schweizer Wirtschaft braucht dringend mehr weibliche Führungskräfte. Doch im vergangenen Jahr hat sich ihre Zahl noch verringert.
Daniel Zulauf
Frauen sind in den Chefetagen von Schweizer Unternehmen oft in der Unterzahl. (Bild: Getty)

Frauen sind in den Chefetagen von Schweizer Unternehmen oft in der Unterzahl. (Bild: Getty)

Daniel Zulauf

«Die demografische Entwicklung gefährdet das Wachstum», sagte Managementberater Guido Schilling gestern in Zürich und schickte der Warnung hinterher: In den Schweizer Firmen sei der Ausländeranteil unter den neuen Geschäftsleitungsmitgliedern vergangenes Jahr von 64 Prozent auf 38 Prozent eingebrochen. Was die Befürworter von weniger Zuwanderung freuen mag, belastet die Wirtschaft. «Wenn die Babyboomer in zehn Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und weder genügend Frauen noch ausländische Manager für Leitungsfunktionen zur Verfügung stehen, droht akuter Führungskräftemangel», sagte Schilling an der Vorlage des «Schilling­reports», der seit 13 Jahren die ­Zusammensetzung der Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der 100 grössten Unternehmen der Schweiz analysiert.


Frauen sind in den Teppichetagen der Schweizer Wirtschaft in der Tat rar. 2017 betrug der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der untersuchten Firmen gerade mal 7 Prozent. Schlimmer noch: Spitzenmanagerinnen sind sogar noch seltener geworden, waren es im Vorjahr doch noch 8 Prozent. Elf Frauen haben ihre Chefposten im Beobachtungszeitraum aufgegeben, nur neun sind hinzugekommen.

Schilling sprach von einer «ernüchternden» Entwicklung, vor allem mit Blick auf 2016, als sich ein Trend zu mehr Frauen in den Chefetagen abzuzeichnen schien. Von 129 Managern, die 2016 einen Geschäftsleitungsposten antraten, war immerhin jeder fünfte eine Frau. Dass sich dieser vermeintliche Trend bereits wieder verflüchtigt hat, ist freilich nicht ganz überraschend. Von den 27 neuen Frauen, die 2016 in Toppositionen hinzukamen, stammten 20 aus dem Ausland. Offenbar profitierte die Schweizer Wirtschaft von der Po­litik anderer Länder wie Deutschland, wo Frauenquoten inzwischen ihre Wirkung entfalten.

Doch der Managerimport, mit dem die Schweiz ihre notorisch tiefe weibliche Präsenz in den Führungsgremien lang überdecken konnte, gerät laut Schilling zunehmend ins Stocken. Noch vor wenigen Jahren sei die Schweiz für viele ausländische Führungskräfte eine bevorzugte Karrieredestination gewesen. Inzwischen seien abschlägige Antworten selbst auf attraktive Jobofferten der Normalfall. Besser sieht es in den Verwaltungsräten aus. Dort findet man inzwischen einen Frauenanteil von 19 Prozent (Vorjahr 17 Prozent).

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Bis in die 1980er-Jahre war die Schweizer Wirtschaft eine Männerdomäne, deren wichtigste Vertreter ein enges wirtschaftlich-gesellschaftliches Netzwerk bildeten. Die Öffnung der Kapital- und Finanzmärkte in den 1990er-Jahren führte zu ei­ner abrupten Auflösung dieser Schweiz AG, die mit einem starken Zustrom ausländischer Führungskräfte einherging. Im öffentlichen Sektor spielen Frauen denn auch viel öfter eine Führungsrolle als im Privatsektor. Doch auch dort müssen Vorzeigefiguren wie Post-Chefin Susanne Ruoff bisweilen die bittere Erfahrung machen, dass ihnen das Geschlecht im Krisenfall schnell auch zum Nachteil ausgelegt werden kann.

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