SYRIEN-GESCHÄFTE: LafargeHolcim braucht neuen Chef

Ein interner Untersuchungsbericht spricht Eric Olsen, den Chef des Zementkonzerns LafargeHolcim, vom Verdacht der Terrorismusfinanzierung frei. Gehen muss er trotzdem.

Daniel Zulauf
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Eric Olsen macht den Weg frei für einen Neuanfang an der Spitze von Lafarge-Holcim. (Bild: Walter Bieri/KEY (Zürich, 2. März 2017))

Eric Olsen macht den Weg frei für einen Neuanfang an der Spitze von Lafarge-Holcim. (Bild: Walter Bieri/KEY (Zürich, 2. März 2017))

Daniel Zulauf

Im Mai 2016 hatte der Verwaltungsrat des Zementkonzerns LafargeHolcim die Anwaltskanzleien Baker McKenzie in Washington und Darrois Villey in Paris beauftragt, die Geschäftspraktiken des Produktionswerkes in Syrien vor dem Hintergrund des dortigen Bürgerkrieges auszuleuchten. Der nun vorgelegte Schlussbericht spricht den amtierenden Konzernchef Eric Olsen zwar frei von einer Mitschuld an der Finanzierung örtlicher Terrorimusgruppen. Dennoch wirft der Franko-Amerikaner nach nur zwei Jahren an der Spitze des Fusionskonzerns das Handtuch.

Olsen ist zusammen mit dem ehemaligen Lafarge-Chef und Noch-LafargeHolcim-Verwaltungsrat Bruno Lafont und zwei Ex-Verantwortlichen für das Syrien-Geschäft der Terrorismusfinanzierung und der Beteiligung an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die Klage wurde im vergangenen November in Paris von der französischen Anwältevereinigung Sherpa und elf ehemaligen Mitarbeitern von LafargeHolcim in Syrien eingereicht.

Spannungen beilegen

In einer gestern von LafargeHolcim verbreiteten Mitteilung heisst es: «Der Verwaltungsrat ist nach eingehender Prüfung der Sachlage zum Ergebnis gekommen, dass Eric Olsen weder für Fehlverhalten, welches im Zuge der Überprüfung festgestellt wurde, verantwortlich war, noch hatte er den Eindruck, dass Eric Olsen davon Kenntnis hatte.» Olsen gab sich überzeugt, sein Rücktritt werde «dazu beitragen, die Spannungen, die sich in letzter Zeit rund um den Syrien-Fall entwickelt haben, beizulegen».

Vom vorliegenden Untersuchungsbericht veröffentlicht LafargeHolcim nur einen Auszug. Darin wird bestätigt, dass der in der kritischen Zeit von 2011 bis 2014 noch rein französische, unter dem Namen Lafarge operierende Konzern in Syrien über nicht näher identifizierte «Vermittler» Geldzahlungen an bewaffnete Gruppierungen geleistete hatte, um das Zementwerk in Jalabiya im Norden des Landes in der Nähe von Aleppo möglichst lange in Betrieb zu halten.

Im Urteil des Verwaltungsrates waren «einige» der getroffenen «Massnahmen» zur Weiterführung eines «sicheren Betriebes» in der syrischen Fabrik «nicht akzeptierbar». Es hätten «wesentliche Fehleinschätzungen» vorgelegen, die «gegen den geltenden Verhaltenskodex verstiessen».

Die Untersuchung bestätigte zudem, dass, «obwohl diese Massnahmen vom lokalen und regionalen Management veranlasst wurden, bestimmte Mitglieder des Konzernmanagements Kenntnis von Umständen hatten, die darauf hindeuteten, dass eine Verletzung bestehender Geschäftsgrundsätze von Lafarge stattgefunden hat». Aus dem bloss sieben Seiten umfassenden Auszug aus dem Untersuchungsbericht geht hervor, dass Lafarge bereits Ende 2011 mit Geldzahlungen syrische Gruppierungen begonnen hatte, um sich freies Geleit für die Mitarbeiter und den Materialnachschub zu erkaufen. Im Zug der Eskalation des Bürgerkrieges wurden die ausländischen Angestellten im Sommer 2012 abgezogen.

2013 gerät das Gebiet teilweise unter die Kontrolle des «Islamischen Staates» und des syrischen Ablegers von Al-Kaida. Die Zahlungen fliessen weiter. Erst im Jahr 2014 kommt das System zu einem Ende, als die Fabrik durch kriegerische Handlungen zerstört wird.

Olsen war in der fraglichen Zeit als Personalchef im Konzern weit weg von den Verantwortlichkeiten in Syrien. Dass er dennoch die Verantwortung übernehmen muss, zeigt, wie ernst der Verwaltungsrat unter dem Schweizer Präsidenten und Rechtsanwalt Beat Hess diese Affäre nimmt. Die schonungslose Aufarbeitung ist ohne Zweifel auch als Signal an die Justizbehörden ausserhalb Frankreichs zu verstehen. Im Vorfeld hat bereits der frühere Lafarge-Chef Lafont seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat des Fusionskonzerns für die Generalversammlung vom 3. Mai angekündigt.

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