Syna will Mowag-Stellen retten

Es sind bereits gut 80 Vorschläge zusammengekommen, wie man bei der Mowag den Abbau von 270 Arbeitsplätzen abfedern kann. Wegen dieser grossen Zahl ist die Konsultationsfrist um zwei Tage bis zum 6. Juli verlängert worden.

Stefan Borkert
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Auf Arbeit bei der Mowag: Einem Drittel droht die Kündigung. (Bild: Reto Martin)

Auf Arbeit bei der Mowag: Einem Drittel droht die Kündigung. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Dass 270 Stellen bei der Kreuzlinger GDELS-Mowag einfach so per Federstrich abgebaut werden, will die Gewerkschaft Syna nicht hinnehmen. Man wolle soviel wie möglich Arbeitsplätze retten, sagt Syna-Vertreter Josef Lustenberger im Anschluss an die gestrige Betriebsversammlung. Die Stimmung sei bedrückt, aber gefasst unter den Mitarbeitenden, fährt Lustenberger fort. Die Syna vertritt nach dem Willen der Belegschaft alleine deren Interessen.

Inzwischen sind gut 80 Vorschläge eingereicht worden, damit der Stellenabbau so stark wie möglich abgefedert werden kann. Deshalb haben die Mowag und die Personalkommission die Konsultationsfrist nun um zwei Tage bis Freitag, 6. Juli verlängert. Schon im Vorfeld sei eine mögliche Fristverlängerung abgesprochen worden, so Lustenberger.

Temporäre und Kurzarbeit

An der Betriebsversammlung sind auch die circa 100 Temporärstellen zur Sprache gekommen. 65 davon sollen wegfallen. Kurzarbeit ist diskutiert worden. Für Temporäre gebe es eigentlich keine Kurzarbeit, kommentierte Josef Lustenberger, aber man prüfe trotzdem, ob man sie mit einbeziehen könnte. Kurzarbeit sei teils auch umstritten. Aber man verfolge das Thema trotzdem weiter, sagt Lustenberger. Kommende Woche stünden weitere Gespräche und die Sichtung der Vorschläge an. Dann werde man auch die Forderungen konkret formulieren können. Die Geschäftsleitung der GDELS-Mowag hat unterdessen Interviews während des laufenden Konsultationsverfahren abgelehnt. Aber es gibt neue Vorwürfe Richtung Geschäftsführung.

Ladenhüter Piranha 5

Laut einem Bericht der «Handelszeitung» ist die Krise bei der Mowag in Kreuzlingen auch hausgemacht. Noch keine Armee der Welt habe den Radschützenpanzer Piranha 5 beim Kreuzlinger Unternehmen bestellt. Firmeninsider würden berichten, der Personalabbau hänge auch mit dem Verkaufsflop des Piranha 5 zusammen. Spanien hätte der erste Abnehmer werden sollen. Es soll um Hunderte von Millionen Franken gegangen sein. Die fast 1000 Arbeitsplätze wären auf Jahre hinaus gesichert gewesen. Dann habe Madrid vor kurzem abgesagt. Fast gleichzeitig sei die Mowag bei einer grossen Ausschreibung in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterlegen. «Der Konkurrenzkampf am Markt ist gross», sagte Mediensprecher Pascal Kopp bei der Ankündigung der Massenentlassungen. Staaten, ihre Kunden, müssten sparen.

Gewerkschaften werfen der GDELS-Mowag allerdings auch eine verfehlte Geschäftspolitik und Strategie vor. Man habe die Umstellung auf die Produktion von zivilen Gütern, die Konversion, nicht an die Hand genommen und nicht auf Änderungen am Markt reagiert.

Europazentrale entscheidet

Ein Blick zurück zeigt aber auch einen starken Wechsel in der Führungsetage. Das Unternehmen des amerikanischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern General Dynamics hatte in den letzten zwölf Jahren neun Chefs in Kreuzlingen. Laut «Handelszeitung» sei der Einfluss der europäischen General-Dynamics-Zentrale offenbar sehr hoch. Auch der Stellenabbau sei nicht in Kreuzlingen beschlossen worden, schreibt die «Handelszeitung».

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